Rheinpfalz Mitgefühl und Offenheit

Die Teilnahme an der „Refugees-Welcome-Demonstration“ am Samstag in Kusel war für etwa 100 Teilnehmer eine Selbstverständlichkeit. Denn gleich ob 62 Jahre alt, wie Willi Bücker, oder erst 16 Jahre wie Paula Erb aus Kaiserslautern: „Wenn man sich in die Situation politisch Verfolgter hineinversetzt, kann man nicht anders als aufstehen und zeigen, dass diese Menschen nicht alleine sind“, erklärte Luisa Krüger.

Teilweise brachten die Demonstranten schon mit langen Haaren und ausgefallener Kleidung ihre politische Einstellung zum Ausdruck. Doch auch die älteren, gesetzten Teilnehmer teilen die Motive der Jugendlichen. Vom Kuseler Bahnhof aus ging der Demonstrationszug in die Lehnstraße, über den Kreisel durch die Bahnhofstraße zum Marktplatz. Am Messeplatz hatten „Boykott“ und „Autonomal“ Auftritte. Nach Redebeiträgen ging es zurück zum Bahnhof. Solidarität mit den Flüchtlingen weltweit sollte am Samstagmittag demonstriert werden. Viele der Teilnehmer können die Angst mancher Bürger, geschürt von Parolen, teilweise nachvollziehen. Doch mit Mitgefühl und Offenheit sollten die Flüchtlinge begrüßt werden, erklärten viele im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Seine Meinung klar äußern, informieren und aufklären – das ist Paula Erb und Luisa Krüger, beide aus Kaiserslautern angereist, ein dringendes Anliegen, das sie auch bei etlichen Demonstrationen gegen Fremdenfeindlichkeit zeigen. Spontan hatten sich Adelinde Spies und Willi Bücker aus Brücken aufgemacht, um dasselbe zu tun. Seit langer Zeit in der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) engagiert, können sich die beiden an etliche Begegnung mit Flüchtlingen erinnern. Ende der 80er Jahre, erinnert sich Spies, habe sie unter anderem einen Mann aus Sri Lanka betreut. Er sei sehr schüchtern gewesen, erzählt sie. Das Motiv seiner Flucht sei auf keinen Fall gewesen, sich am deutschen Wohlfahrtsstaat zu bereichern. „Man muss in dieser prekären Situation einfach nur weg“, erklärt die 59-Jährige zu den Beweggründen, seine Heimat, oft auch die Familie und das gewohnte Umfeld zu erlassen. Da stimmt ihr der 62-jährige Willi Bücker zu: „Zuerst mal aus der Schusslinie kommen“ sei der wesentliche Grund der Flüchtlinge, Richtung Deutschland aufzubrechen. Diese Schicksale müssten doch mit etwas Einfühlungsvermögen nachvollziehbar sein, ist er überzeugt. Mit Freude blicken beide auf das Engagement der Jugendlichen. Sie wünschten sich, dass auch aus ihrer Generation lautere Stimmen zu vernehmen wären und fürchten sich vor einem Erstarken fremdenfeindlicher Parolen. Der frisch-gebackene Abiturient des Kuseler Gymnasiums, Felix Leonhard aus Jettenbach, vertritt dieselbe Überzeugung. „Es ist nicht schwer, sich in diese Situation hineinzuversetzen und eine offene Haltung einzunehmen“, erklärt er. Und das hier und heute bei der Demonstration zu zeigen, sei auch nicht schwer, führt Leonhard weiter aus. Ob es die erste Demonstration wie für Felix Leonhard war oder Jahrzehnte der Erfahrung wie bei Bücker und Spies: Die offene Einstellung gegenüber Flüchtlingen teilten alle Demonstranten. „Wir sind alle Menschen und Menschen sollten Menschen helfen“, findet Paula Erb die passenden Worte. (rma)

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