Rheinpfalz Mit Wissen von pfälzischer Fachhochschule Google Paroli bieten
Video und Audio sind im Internet die am schnellsten wachsenden Inhalte. Doch in Video- und Audiodateien zielgenau und zeitsparend Begriffe finden, können die bekannten Suchmaschinen bislang nicht. Seit August verspricht die Suchmaschine Spaactor der gleichnamigen Bremer Firma genau das zu tun. Geschäftsführer Christian Schrumpf hat die Suchmaschine mit entwickelt. Die Kenntnisse dazu erwarb er an der Zweibrücker Hochschule.
Schrumpfs Firma, die er mit einem Partner führt, ist etwas mehr als ein Jahr alt. „Aktuell haben wir vier Mitarbeiter. Die grundlegende Entwicklung unserer Suchmaschine ist fertig, jetzt arbeiten wir an Erweiterungen und Features. Im nächsten Schritt wollen wir auf dem englischsprachigen Markt starten. Dabei müssen wir schnell sein, um uns eine Position gegenüber Google und den anderen etablierten Anbietern zu sichern“, sagt Schrumpf. Spaactor wandelt Sprache in Text und findet damit gesprochene Inhalte in Mediatheken wie Youtube oder Podcasts. Dabei listet die Maschine zunächst alle Dateien auf, in denen der Suchbegriff gefunden wurde. Wählt der Nutzer eine Datei aus, zeigt die Maschine auf einer weiteren Ebene alle Treffer in dieser Datei. Jeder Treffer kann gezielt ausgewählt, geteilt, verlinkt werden. Dabei startet die Datei an der Fundstelle. Aktuell erfasst Spaactor 180 Sender und Kanäle. Webserver und Suchmaschine laufen über den Datenspeicher Microsoft Cloud. Schrittweise soll die Suchmaschine erst für die großen Sprachen der Welt, dann für alle verfügbar sein. „Wir wollen die führende audiovisuelle Suchmaschine werden“, formuliert Schrumpf das Ziel. Die Expertise, um eine solche Suchmaschine zu entwickeln, hat er sich unter anderem in Zweibrücken angeeignet. Schrumpf stammt aus Heidenheim in Baden-Württemberg. Im Jahr 2000 begann sein Studium an der Fachhochschule. „Ursprünglich wollte ich nach Stuttgart, aber der Numerus clausus war zu hoch. Zweibrücken war damals ein neuer Campus mit neuer Ausrüstung und ließ mich zum Studium zu. Also bin ich dorthin gegangen und kann mich auch nicht beklagen. Ich habe eine gute, ordentliche Ausbildung im Studiengang Digitale Medien bekommen“, urteilt Schrumpf. Es folgte sein Diplom für eine Arbeit über automatische Spracherkennung beim Fraunhofer-Institut. 2004 sattelte er ein Zweitstudium an der Universität Bremen drauf. „In Zweibrücken war von den Grundlagen her alles dabei, aber eine tiefere Spezialisierung war nicht möglich. Es gab zum Beispiel keine Vorlesungen zur Spracherkennung. Für das zweite Studium war ich dafür aber sehr gut vorbereitet, besser als die meisten anderen“, lobt Schrumpf die Ausbildung auf dem Kreuzberg. Er spezialisierte sich auf Spracherkennung, arbeitete ab 2007 als leitender Entwickler für die Firma mediaclipping, war 2010 Mitbegründer einer Internetfirma. „Wir machten Empfehlungen, wie man sie zum Beispiel von Spiegel Online her kennt. Unter dem aufgerufenen Artikel werden da meist weitere angeboten, die von Interesse sein könnten“, erzählt Schrumpf. 2014 stieg er nach dem Verkauf der Firma aus, forschte ein Jahr. Die Idee für eine audiovisuelle Suchmaschine hatte er bereits während seiner Zeit bei mediaclipping. „Wir haben da schon gemerkt, dass die Suche in Videodateien zeitraubend ist. Allerdings gab es noch nicht viele Mediatheken und auch das Teilen und Einbetten fremder Bilder, Texte und Videos war nicht erlaubt.“ 2015 dann gründete er die Spaactor GmbH mit Sitz in Bremen. „Wir haben ein Jahr lang an der Suchmaschine gearbeitet, finanziert von einem Investor. Im August starteten wir, jetzt haben wir 400 bis 1000 Besucher täglich.“ Schrumpf ist zuversichtlich, dass die Maschine mit wachsender Bekanntheit immer mehr Freunde und Nutzer finden wird. |sach