Rheinpfalz Mehr als nur ein Verwechslungsspiel
Ein schwieriges Stück haben sich die bühnenerprobten Schauspieler der Waldmohrer Theatergruppe Kreamief für dieses Jahr vorgenommen. „Kaugummi un Diamande“, angekündigt als „etwas englische Komödie“, wirkt durch Details, ästhetische Bilder und makabere wie subtile Spitzen, die auch dem Publikum einiges abverlangen. Den schwarzen Humor brachte die Kreamief-Truppe bei der Premiere am Samstag in der Waldmohrer Kultur- und Festhalle gekonnt auf die Bühne.
Einfach hat es Graf Schorsch (Bernd Busse) nicht, der westpfälzische Adel ist finanziell ruiniert. Geblieben sind ihm und seiner Frau, Gräfin Ellen (Vera Trautmann-Ranker), nur ein paar alte Möbelstücke sowie Diener Johann, gespielt von Steffen Otto. Jener Johann, mit Frack und einer gehörigen Portion Anstand ausgestattet, und die kantige Gräfin Martha – vom Publikum gehasst, weil schön überzeichnet von Ingrid Volz – sind wichtige Bestandteile beim Vorhaben, das Flair der hohen englischen Gesellschaft in die Waldmohrer Kultur- und Festhalle zu bringen. Die ausweglose Lage führt Graf und Gräfin zum nüchternen Entschluss, mit dem Leben aufzuhören. Auf die Haltung kommt es dabei an: Die Einsicht in die eigene Nichtigkeit scheint vorhanden, ein selbstironischer Abstand ist zu erkennen. Der Humor strahlt nach innen und wirkt von außen grotesk im Spiel ums Absurde, das so ganz natürlich wirkt. Außerdem muss es in englischer Manier böse, fies, gemein und makaber sein auf dem kleinen englischen Schloss in der Westpfalz. Und das ist es auch. Die Stiche von Gräfin Martha zielen stets in den Rücken der adligen Verwandtschaft. Das Portrait von Kater Felix hat viel Platz in der Wohnstube des Grafengeschlechts. Der Kater hört jedoch eher auf den Namen Mistvieh und wird nach vielen schmerzlich-schrillen Begegnungen mit den Angestellten und den Bridge-Damen im zweiten Teil genüsslich verspeist – und weil auch der Zuschauer genervt war, speist er genüsslich mit. Der Tanz ums geplante Ableben von Graf und Gräfin trägt Züge des Gestenspiels von Rowan Atkinson in der Rolle des Mr. Bean. Auch die Bridge-Damen zeigen sich oft mit latent verstörtem Ausdruck, in der eigenen schrägen Welt versunken, in Slapstick-Manier auf der Bühne. Weil Graf und Gräfin bei ihren Versuchen, in Würde abzutreten, immer wieder scheitern, entscheiden sie sich für die etwas andere Form der Sterbehilfe – einen Auftragsmörder. Ein Diamant aus dem Kaugummiautomaten dient als Kopfgeld. Doch wie der Titel des Stücks schon vermuten lässt, sind Diamanten aus der Plastik-Schmiede unerwartet beliebt: beim verarmten Adel, bei den schlecht bezahlten Angestellten, den Bridge-Damen, dem Liebespärchen aus Konkursverwalter Fritz Mitterer (Fritz Schnur) und Dienerin Lena Müller (Leonie Lauer). Das chaotische Mörder-Pärchen, von Elias und Lena Befeldt ganz englisch als Halb-Trottel mit Berufspathos in Szene gesetzt, tut sich mit dem Auftrag sichtlich schwer. Das Ziel ist nicht auszumachen, denn – logisch – die Diamantringe sorgen für Verwirrung. Schwerwiegender noch: Im Zimmer des Grafenpaares fehlt der Vorhang – doch ausschließlich hinter Vorhängen verstecken sich Mörder, folgerichtig ist der Plan zum Scheitern verurteilt. Das Stück verlangt von Schauspielern und Publikum mehr als eine seichte Verwechslungskomödie. Schenkelklopfer sind selten, der britische Humor führt im Publikum eher zu Raunen, anhaltendem Schmunzeln und belustigtem Kopfschütteln. In der zweiten Spielhälfte beginnen die gut vorbereiteten Pointen zu wirken. Kreamief bietet eine gerade Logik auf dem schrägen Weg des schwarzen Humors. (rma)