Buch
Lesetipps für den Winter
Martina Schwörer-Haertel von der
Über drei Frauengenerationen hinweg, „die zwischen Anpassung und Selbstbestimmung ihren Weg gehen,“ beleuchtet der Roman „Korruption, religiösen Druck und Unterdrückung. Für Mia, die in der westlichen Welt zuhause ist, bleibt nur die Rückkehr“, fasst Schwörer-Haertel den packenden Plot zusammen und ergänzt: „Obwohl es den ,faszinierenden Abschluss’ der Trilogie um die Familie Belhaj/Darud bildet, ist es auch unabhängig von den ersten beiden Bänden sehr empfehlenswert, weil es „die politischen und gesellschaftlichen Machtverhältnisse in Marokko zeigt und spannend mit historischen Ereignissen verflechtet.“
Khiders brandaktuelles Buch
Auch der brandaktuelle Roman von Abbas Khider, der 1973 in Bagdad geboren wurde, wegen politischer Aktivität in Haft saß, 1996 aus dem Irak floh und seit 2000 in Deutschland lebt, gibt einen tiefen Einblick in diktatorische Machtstrukturen. Er heißt „Der letzte Sommer der Tauben“ und wird erst im Februar veröffentlicht. Peter Fuhrmann von der
Den Inhalt beschreibt er mit folgenden Worten: „Tauben fliegen am Himmel über der Stadt. Es sind die Vögel von Noah, einem jungen, leidenschaftlichen Taubenzüchter. Plötzlich stören Kampfhubschrauber dieses Idyll. Das neu errichtete Kalifat demonstriert seine Macht. Auch am Boden herrschen neue Regeln: Noah und sein Vater müssen Frauenbilder auf allen Verpackungen in ihrem Laden schwärzen, Frauen dürfen nicht alleine auf die Straße gehen. In kurzen Episoden erzählt Abbas Khider vom Leben unter politischen Repressionen, wie Politik und Willkür ins private Leben eindringen. Mit seinem jugendlichen Helden Noah, hat er einen Chronisten erschaffen, der feinfühlig die Veränderungen im Alltag beschreibt und dem Leser ans Herz wächst.
„Die Fahne der Wünsche“
Auch Tijan Sila – 1981 in Sarajewo geboren und heute als Berufsschullehrer in Kaiserslautern zu Hause - kann aus eigener Erfahrung vom Krieg und seinen Auswirkungen auf Individuen und Familien schreiben. Und auch er hat in seinem Buch „Die Fahne der Wünsche“, das in Crocutanien, einem totalitären Staat am Rande Europas spielt, einen jugendlichen Protagonisten geschaffen. Das Buch ist schon 2018 erschienen, aber für Robert Bartsch von der
Seine beiden Trotzkopp-Kolleginnen Meike Büchler und Margit Thorwart-Rocker haben ebenfalls Lesetipps zur Hand. Büchler empfiehlt den Roman „Grand Hotel Avalon“ von Maggie Stiefvater, der die Geschichte von June Porter Hudson, genannt Hoss, verhandelt, die während des Zweiten Weltkriegs ein abgelegenes Luxushotel in den Appalachen USA leitet und schon seit ihrer Kindheit eng mit der Hoteliers-Familie verbunden ist. Wie der bereits verstorbene Senior-Chef kann sie sogar das unter dem Hotel fließende Heilwasser/Süßwasser fühlen. Mit dem Angriff auf Pearl Harbour am 7. Dezember 1941 kommt der Krieg bis zum Hotel, das von der Regierung zur Unterbringung ausländischer Diplomaten beschlagnahmt wird, unter der Aufsicht des FBI aber den Betrieb aufrecht erhalten darf. Durch all diese Umstände wird „die Stimmung wird so aufgeladen, dass das Süßwasser am Kipppunkt ist“, verrät die Buchhändlerin, die den Mix aus „historischen Ereignissen, persönlichen Schicksalen, ein wenig Mystik und den Fragen nach Verantwortung, Loyalität und moralischen Entscheidungen“ als besonders gelungen erachtet.
Der Buchtipp ihrer Kollegin Thorwart-Rocker führt die Leser ebenfalls nach Amerika. Allerdings geht es in T. C. Boyles brandneuem Roman „No Way Home“ – der prompt zum Spiegel-Bestseller wurde – um die obsessive Liebe zu einer Frau, für die der amerikanische Starautor deren Ex – einen raubeinigen Platzhirsch und einen jungen Assistenzarzt aus L. A. – in die Wüste Nevadas schickt. In der toxischen Dreierbeziehung prallen „Macht, Kontrollverlust und die amerikanischen Gegensätze“ so kunstvoll aufeinander, dass Thorwart-Rocker das Buch allen Fans „flott geschriebener Geschichten mit Sozialkritik und Humor“ empfiehlt.
Komplizierte Wahrheit
Die
Marion Pausch empfiehlt „Alchemised“, den düster dystopische US-Bestseller von SenLinYu. „Darin geht es um eine junge Frau, die in einer Welt lebt, in der Alchemie eine mächtige und gefährliche Kunst ist. Sie verliert ihre Erinnerungen und wird gefangen gehalten, weil ihr Wissen für andere von großem Wert ist. Um zu überleben, muss sie für ihre Entführer arbeiten und ihre Fähigkeiten einsetzen, auch wenn sie nicht weiß, wem sie trauen kann.“
Der Leser begegnet ewig lebenden, zombieartigen Wiedererweckten sowie Menschen, die über Feuer herrschen oder Gefühle und Metalle verändern können. Eindrucksvoll findet die Buchexpertin auch die komplexe und toxische Liebesbeziehung zwischen Helena und Kaine. Ihr Fazit: „Ein Wahnsinnsbuch, das mich noch lange beschäftigt hat“.
Ihr Ehemann Guido Pausch hat sich von einem Buch, das auch visuelle Wirkung entfaltet, überraschen lassen. Es heißt „Seltsame Bilder“ und ist ein Werk des Japaners Uketsu, der maskiert auftritt, um seine Identität zu verbergen, Krimis schreibt, und obendrein Horrorvideos und Originalmusik auf YouTube einstellt. In seinem Krimi „Seltsame Bilder“, so verrät der Buchhändler, „geht es um geheimnisvolle Zeichnungen, die auf den ersten Blick harmlos wirken, aber etwas Unheimliches verbergen. Verschiedene Personen stoßen auf diese Bilder und merken nach und nach, dass sie mit schlimmen Ereignissen und Verbrechen zusammenhängen. Stück für Stück werden Zusammenhänge sichtbar, die zuerst niemand erkannt hat.“
„Wo wir uns treffen“
Sandra Zimmermann von der
„Schwebende Lasten“
Die Buchempfehlung von Ulla-Britt Egeland vom
Auch der Tipp aus der
So macht sich Max am Abend auf zur Totenwacht, wo die Alten zusammenkommen, um des Verstorbenen zu gedenken und sich zu erinnern. Eine ganze Nacht erzählen sie von den Freuden bei der Ernte, von Abenden in der Wirtsstube, vom kleinen Glück. Und vom Schorsch. Aber auch von der Enge im Dorf und dem eisigen Schweigen. Erst im Morgengrauen kehrt Max heim. Im Licht des neuen Tages ist ihm klar: Nichts davon wird wiederkommen. Nur die Erinnerungen an dieses Leben bleiben, solange er da ist.“
Ab dem 2. Februar wird die Buchhandlung Fröhlich übrigens mit dem Spei’rer Buchladen fusionieren. Beide werden ihre Kompetenzen als „Buchhandlung Fröhlich - Ihr Spei'rer Buchladen“ in der Korngasse 17 zusammenführen.