Rheinpfalz Langes Leben des „alten Dieners“ beginnt mit einer Panne

Er ist das, was man gemeinhin einen „alten Diener“ nennt. Und die Hauensteiner Wehrleute sind mit Recht stolz auf ihn: Satte 50 Jahre hat ihr Magirus auf dem roten Buckel, er ist top gepflegt, die Wehwehchen, die das Fahrzeug schon mal plagten, hat man immer kuriert. Und so tut er nach wie vor zuverlässig seinen Dienst. Am kommenden Sonntag beim Tag der offenen Tür am neuen Feuerwehrhaus, ist der „alte Diener“ sicher ein Hingucker.

Anfang Oktober 1964 hatten sich Werner Engel, Dietrich Seibel, Klaus Sauer, Klaus Stöbener und Adolf Pattermann in Schale geworfen: Bei Magirus in Ulm sollten sie das neue Tanklöschfahrzeug, das TLF 16 F Mercur 150 A, wie die offizielle Typbezeichnung lautet, das der Gemeinderat zum Preis von 56.000 Mark bestellt hatte, abholen. Dazu hatten sie, wie Bilder vom Magirus-Werksgelände belegen, den guten Anzug und die Krawatte aus dem Schrank geholt. Aber gleich bei der Übergabe gab’s eine Panne: Die eingebaute Pumpe, die pro Minute 1600 Liter Wasser ins Feuer jagen sollte, versagte, als sie die Magirus-Leute vorführen wollten. Alle Versuche, die Pumpe in Gang zu bringen, scheiterten, und so blieb im Werk nichts anderes übrig, als über Nacht eine neue Pumpe einzubauen. Und weil das ursprüngliche Modell nicht auf Lager war, erhielten die Hauensteiner eine leistungsfähigere Pumpe – zum vereinbarten Preis, versteht sich. Er hat einiges erlebt, der blitzblank polierte Magirus: Er war wichtiges taktisches Einsatzmittel bei vielen Großbränden und auch, als zwischen August 1967 bis Januar 1970 ein Feuerteufel Hauenstein in Angst und Schrecken versetzte. Und bis heute bewährt sich der Magirus mit den 2400 Litern Wasser, die das Fahrzeug aufnehmen kann, seinem robusten Aufbau, seiner Bodenfreiheit und seinem Allradantrieb vor allem auch bei Waldbränden. Den älteren Wehrleuten ist beispielsweise noch ein verheerender Waldbrand oberhalb des Schwimmbads im Juni 1989 in Erinnerung, als Feuerwehrfahrzeuge aus der gesamten Region im Pendelverkehr Wasser an die Brandstelle schafften. Gute Dienste leistete die Power des Magirus auch als Zwischenpumpe, wenn es galt, Wasser über eine längere Schlauchleitung an die Brandstelle zu transportieren. Um das Fahrzeug kümmert sich vor allem Gerätewart Gerhard Vögler. „Er hat ihn mit Herzblut gehegt und gepflegt und auch viel Freizeit investiert“, berichtet der stellvertretende Wehrführer Sascha Brunner. Bei unserem Besuch im neuen Feuerwehrgerätehaus war er gerade damit beschäftigt, Rost an einer Klappe zu entfernen. Und er kennt auch die „Krankengeschichte“ des Fahrzeugs: Das Lenkgetriebe war mal hinüber, es gab Schäden in der Druckluftanlage, am Getriebe und am Differenzial – und mehr als einmal hat der Förderverein die „Brocken“ für die Reparatur bezahlt. Vögler kennt auch die technischen Daten des Feuerwehroldtimers: Die sechs luftgekühlten Zylinder sorgen, wie er berichtet, für 150 PS, die die vier Räder des allradgetrieben Fahrzeugs treiben. Der Sound der Maschine: satt und nicht zu überhören. „Man hat das Gefühl, jeden Kolben einzeln bei der Arbeit zu hören“, sagt Vögler. Die kantige, wuchtige Karosserie mit den frei stehenden Scheinwerfern, den fast eckigen Kotflügeln und der geteilten Frontscheibe galt schon 1964 als überholt. Aber: Sie strahlt Kraft, Wucht und Stabilität aus und sie dient der Funktion. Schönheitspreise sollte der Magirus nie gewinnen. 39.663 Kilometer hat das rote Fahrzeug auf dem Tacho, ist damit in seinen 50 Einsatzjahren fast genau einmal um die Erde gereist. „Der damalige Anschaffungspreis hat sich in den fünf Jahrzehnten bezahlt gemacht“, rechnet Sascha Brunner vor: Für 1000 Mark pro Jahr habe das Fahrzeug Menschenleben gerettet und Sachwerte geschützt. „Auch im Jahr 2014 leistet der Magirus dank der fürsorglichen Pflege seinen Einsatzdienst. Immer noch rückt er als wasserführendes Fahrzeug bei Waldbränden und größeren Gebäudebränden nach – nach wie vor ist Verlass auf ihn“, ist man bei der Feuerwehr stolz. Und so, wie sich die Wehr um ihren Oldtimer kümmert, so viel Aufwand betreibt sie auch, um ihren sonstigen Fuhrpark zu pflegen: „Der Gerätewart und die Mannschaft investieren viel ehrenamtliches Engagement, Zeit und Mühe in den Erhalt und die Einsatztüchtigkeit der Fahrzeuge und der Technik“, sagt Sascha Brunner. Dass die Fahrzeuge allesamt top dastehen, das können die Besucher beim „Tag der offen Tür“ am Sonntag selbst überprüfen.

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