Kultur Südpfalz Landauerin im Fokus

Die selten zu hörende „Sea Symphony“ von Ralph Vaughan Williams erlebte im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine beachtenswerte Aufführung. Anteil daran hatte auch die in Landau geborene Sopranistin Anne Lünenbürger.

Im sehr gut besuchten Audimax hatten sich Nikolaus Indlekofer und die KIT-Philharmonie nebst des mit differenziertem Chorklanges und Ausdrucksfülle aufwartenden KIT-Konzertchores und der Solisten Anne Lünenbürger und Hans Christoph Begemann der Herausforderung der „Sea Symphony“ angenommen. Mit Erfolg, wie sich herausstellen sollte. Gelang es Indlekofer doch, die mächtigen Klangwogen des anspruchsvollen Werkes zu bändigen und die Übersicht zu waren. Weniger ausgefeilte Details denn ein eher kompaktes Klangbild standen hier im Vordergrund, aber dem KIT-Musikdirektor gelang es immer wieder, seine Musiker zu präzisem, ausdrucksstarkem Spiel zu animieren.

Zum sehr ansprechenden Gesamteindruck trugen auch Hans Christoph Begemann und Anne Lünenbürger bei. Begemanns Qualitäten als Liedsänger, die dieser oft bei der Ettlinger Schubertiade unterstreicht, kamen mit seinem nuancenreichen Bariton auch bei der Nachzeichnung der Texte von Walt Whitman zum Tragen, die die universelle Verbundenheit aller Menschen beschwören.

Die aus Landau stammende Sopranistin und Kammersängerin Anne Lünenbürger stellte mit ihrem etwas unruhig geführten Sopran die Expressivität der Musik mehr in den Vordergrund. Dass die Stimme heute mehr ins dramatische Fach tendiert, inzwischen singt die Sopranistin auch die Salome von Strauss, wurde bei der bisweilen etwas geschärften Höhe deutlich, was der Ausdruckskraft der Sopranistin aber nicht abträglich war.

Zum Stück selbst: Die auch als erste der neun Sinfonien von Vaughan Williams gezählte viersätzige „A Sea Symphony“ nach Texten von Walt Whitman schrieb der Komponist relativ spät, sie wurde beim englischen Leeds-Festival 1910 an seinem 38. Geburtstag erfolgreich uraufgeführt. Sie steht in der Tradition des englischen Oratoriums und der großen Chorballaden des späten 19. Jahrhunderts, aber auch der Musik für Chor und Orchester von Vaughan Williams Lehrern Charles Hubert Parry und Charles Villiers Stanford. (gt)

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