Herxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Land hat seine Förderung für das Chawwerusch-Theater verdreifacht

Das Chawwerusch-Ensemble (von links): Felix S. Felix, Miriam Grimm, Ben Hergl, Walter Menzlaw, Danilo Fioriti, Susanne Schmelche
Das Chawwerusch-Ensemble (von links): Felix S. Felix, Miriam Grimm, Ben Hergl, Walter Menzlaw, Danilo Fioriti, Susanne Schmelcher, Stephan Wriecz und Monika Kleebauer.

Die fünf vom Leitungsteam der freien Bühne sind nun fest angestellt. Zuvor hatten sie sich für jeden Beitrag auf und hinter der Bühne Honorare ausgezahlt.

„Für uns ist das ein Quantensprung“, sagt Monika Kleebauer. Lange hat das Chawwerusch um diese finanzielle Absicherung gekämpft, sagt Kleebauer. 2024 hatte die Truppe noch eine institutionelle Förderung von 131.000 Euro erhalten, 2026 gab es dann den Sprung auf 406.000 Euro. Jetzt komme das Leitungskollektiv – „wie alle anderen Menschen auch“ – in den Genuss von bezahltem Urlaub, Sozialleistungen wie einer Absicherung im Krankheitsfall und einer Rente über dem Niveau der Künstlersozialkasse, erklärt die Schauspielerin.

Damit konnten fünf Planstellen geschaffen werden. Sie sind zurzeit mit Kleebauer selbst, Miriam Grimm, Danilo Fioriti, Stephan Wriecz und Felix S. Felix besetzt. Diese wolle im kommenden Jahr ihr Engagement zurückfahren wie zuvor schon die beiden Gründungsmitglieder Ben Hergl und Walter Menzlaw. Dann soll Susanne Schmelcher nachrücken. Alle Entscheidungen zur Spielplangestaltung, Besetzung und Verwaltung des Theaters werden weiterhin im Kollektiv getroffen – ohne hierarchische Strukturen.

Der Theatersaal in der Herxheimer Hauptstraße war früher einmal der Tanzsaal einer Dorfgaststätte.
Der Theatersaal in der Herxheimer Hauptstraße war früher einmal der Tanzsaal einer Dorfgaststätte.

„Wir sind viel zu lange zu wenig bezahlt worden“, sagt Kleebauer. Das Honorarsystem war ein Relikt aus den frühen Jahren, als sich die Schauspieler selbstbestimmt ihren Traum vom eigenen Theater auf dem Land verwirklichten. Den Laden schmeißen sie nach wie vor als freie Unternehmer, und das bei einem Gesamthaushalt wie bei einem mittelständischen Betrieb von 940.000 Euro, von denen das Theater 400.000 Euro selbst erwirtschaftet. Kleebauer macht einen Vergleich auf: Zu 45 Prozent trage das Chawwerusch sich selbst, eine öffentlich subventionierte Bühne komme nur auf zehn Prozent. Mit Sorge blicken die Theaterleute daher auf die Finanzsituation vieler Kommunen, die aus ihrem Kulturetat Gastspiele der Herxheimer einkaufen.

Monika Kleebauer (links) und Miriam Grimm in „Frauen falten sich“.
Monika Kleebauer (links) und Miriam Grimm in »Frauen falten sich«.

Das Chawwerusch sei auch weiter auf die finanzielle Unterstützung angewiesen, betont Kleebauer: durch die Gemeinde (25.000 Euro), den Bezirksverband (10.000 Euro), den Landkreis SÜW (15.000 Euro) und auch zusätzliche Projektförderungen beispielsweise von Land, Bund oder Stiftungen sowie Spenden und Sponsoren. Derzeit bemüht sich das Leitungsteam um eine Nachfolgefinanzierung für die Stelle von Theaterpädagogin Celine Hellmann, die drei Jahre bis Oktober 2026 von der Aktion Herzenssache bezahlt wurde. Sie betreut die beiden Jugendgruppen Theaterscouts und Bühnenkometen, bietet aber auch kostenlos Projektarbeit an Schulen, in Jugendtreffs und bei Kinderfreizeiten.

Das einzige freie Theater mit Bühne und festem Ensemble

„60 Menschen leben vom Theater“, sagt Kleebauer. Neben den fünf Leitungsstellen gibt es 10,5 feste Stellen in Verwaltung und Technik. Um die Organisation so schlank wie möglich zu halten, unterstützen 40 Ehrenamtliche die freie Bühne beispielsweise mit Thekendiensten. „Wichtig ist für uns auch unsere Community“, sagt Kleebauer und meint die rund 300 Mitglieder des Fördervereins.

Szene aus „Der zerbrochne Krug“.
Szene aus »Der zerbrochne Krug«.

Gäste wie Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Musiker, Autoren, Kostüm- und Bühnenbildner werden weiter über Honorare entlohnt. Und die liegen – wie in weiten Teilen von Rheinland-Pfalz – trotz einer Erhöhung immer noch unter dem Niveau, das der Bundesverband Freie Darstellende Künste für seine Mitglieder empfiehlt. Nicht jeder Künstler sei bereit, sich für das Salär in Herxheim verpflichten zu lassen, sagt Kleebauer. Übrigens: Die größten Ausgabenposten bei neuen Produktionen machten Tantiemen und Gema-Gebühren aus.

„Über eine Erhöhung der institutionellen Förderung angesichts der Entwicklung des Chawwerusch haben wir lange mit dem Land verhandelt.“ Noch dringlicher sei das Thema in der Corona-Zeit geworden, in der nur die Festangestellten aus Verwaltung und Technik Kurzarbeitergeld erhielten. Da wurde die Herxheimer Bühne bereits im Landesprogramm Change Management durch einen externen Berater beim Generationswechsel begleitet. Denn die Gründergeneration geht langsam in Ruhestand. Und es sollte nicht irgendwann heißen: Der Letzte macht das Licht aus. Die Entscheidung zur Erneuerung fiel 2012 mit der Gründung der jungen Sparte Expedition Chawwerusch. Und da kristallisierte sich bereits heraus, dass es zu den alten Bedingungen auf Honorarbasis schwer würde, Nachwuchs zu finden.

Szene aus dem Bauernkriegsstück „Rausch der Freiheit“.
Szene aus dem Bauernkriegsstück »Rausch der Freiheit«.

Das Land habe seinerseits beim Kulturentwicklungsplan 2022 bis 2024 eruiert, wie die Kultur im Land nachhaltig gestärkt werden kann und wo künftig der Fokus liegen soll. In der Folge wurde der Kulturetat von Rheinland-Pfalz deutlich erhöht: um zwölf Prozent in 2025 und um 14 Prozent in 2026. Im Ländervergleich war Rheinland-Pfalz immer Schlusslicht (2021 lagen die Pro-Kopf-Ausgaben bei 74 Euro gegenüber Sachsen mit 237,38 Euro).

Besser ausgestattet wurden die Landesbühne Neuwied und das Herxheimer Chawwerusch als einziges freies Zweispartenhaus im Land, das eine eigene Spielstätte und ein festes Ensemble unterhält. Ins Gewicht fielen die kulturelle Arbeit im ländlichen Raum und der Wunsch nach einer Stärkung der freien Szene. „Ich glaube, dass das Land gut investiert hat“, sagt Kleebauer. „Wir haben ein tolles, engagiertes Team, bei dem die Neuen viel Expertise einbringen.“

Szene aus der Gartenlesung „Etwas im Busch“.
Szene aus der Gartenlesung »Etwas im Busch«.

Sorgenfrei sind die Herxheimer trotzdem nicht, auch wenn alle vier Produktionen im vergangenen Jahr sehr erfolgreich liefen: das große Bauernkriegsstück, „Der zerbrochne Krug“, „Frauen falten sich“ und die neue Gartenlesung. Kopfzerbrechen bereitet der Theaterleitung ausgerechnet etwas, das sie nicht beeinflussen kann: der ÖPNV. Nach Herxheim würden nur noch kleine Busse verkehren, die aber keine ganzen Schulklassen fassen, sagt Kleebauer. Einen Bus extra für eine Vorstellung in Herxheim zu mieten, mache den Schultheaterbesuch aber sehr viel teurer.

Und beschäftigt das neue Leitungsteam das nächste große Projekt: Barrierefreiheit – nicht nur für Zuschauer wie die Bewohner des Altenzentrums St. Josef gleich gegenüber, sondern auch für die inklusive Jugendgruppe Mutabor vom Caritas-Förderzentrum St. Laurentius und Paulus, die im Theatersaal auftritt. Geplant sind ein Aufzug und neue Sanitäranlagen im Erdgeschoss.

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