Rheinpfalz Kurven machen dem Profi zu schaffen

Vor gut einem Jahr wechselte Fußballprofi Markus Karl zum 1. FC Kaiserslautern. In der Südwestpfalz war der gebürtige Niederbayer bis dato noch nie – bis zum späten Donnerstagnachmittag. Da war der 28-Jährige auf dem Berwartstein Hauptdarsteller beim Spielerporträt, das der FCK zu jedem seiner Heimspiele erstellt.
Hierfür durchwandert der Lauterer Traditionsverein sukzessive seine Fanregionen. Dieses Mal ist die Südwestpfalz dran. Und so warten gegen 17.30 Uhr Vertreter der Blessbrigade Bruchweiler, der Roten Tramps Busenberg, der Lauterteufel Dahn, der Rothenbergteufel Lemberg und des Fanclubs Rotenstein Münchweiler, standesgemäß mit Trikots und Schals im Hof der Burg auf die Ankunft des prominenten Gasts, der sich mit dem Team der FCK-PR-Abteilung nach dem Nachmittagstraining auf den Weg in den südlichen Pfälzerwald gemacht hatte.
Pünktlich trifft die Lauterer Delegation ein. Und unkompliziert gibt’s für alle Wartenden eine Begrüßung mit Handschlag. Dann aber muss Karl erst mal durchschnaufen. Die kurvenreiche Fahrt über das Wellbachtal hat dem 1,90 Meter großen Hünen doch etwas zugesetzt, wie er mit einem breiten Grinsen zugibt.
Am Burgeingang wartet bereits Burgführer Tommy Seibel. Stilecht mit Lederkutte führt der Niederschlettenbacher den Profi, seine Fans und die FCK-Delegation im Schnelldurchgang durch die Burg. Der 104 Meter tiefe, in vielen Jahren mühsam aus dem Fels geschlagene Brunnen gleich zu Beginn, in den Seibel einen Kübel Wasser schüttet, das erst nach einer gefühlten Ewigkeit unten aufschlägt, nötigt Karl schon etwas Respekt ab. Und noch etwas anderes: die Kühle der Burg, die so gar nicht zum frühlingshaften T-Shirt-Outfit des Mittelfeldspielers passt. Flugs muss eine wärmende Jacke aus dem Auto geholt werden, derweil Seibel gerade in diesem Augenblick darüber informiert, dass die Burg in mittelalterlichen Zeiten keine Fenster hatte und nur drei Räume geheizt waren. „Wir kalt muss es da erst im Winter gewesen sein?“, bemüht sich der Profi, sich in die damalige unwirtliche Zeit zurück zu versetzen.
Über Burgküche und Folterkammer geht es hinauf zur ersten Terrasse. Fototermin mit den Fans. Seibel bemüht die Fußballersprache: Der berühmteste Berwartstein-Bewohner, Hans Trapp, habe vom Papst die „Rote Karte“ gezeigt bekommen. Und wer sich in den „Strafraum“ zwischen Burg und Vorburg Kleinfrankreich begab, hatte größere Probleme ...
Noch eine Etage höher auf die nächste Terrasse. Hier, mit den von der abendlichen Sonne bestrahlten Pfälzerwaldgipfeln und dem Burgdorf Erlenbach im Hintergrund, ist das eigentliche Spielerporträt geplant. Der Burgführer hat einen Ritterhelm organisiert. Den stülpt sich der Fußballprofi gleich über – um sich dann erst mal selbst mit dem Handy zu fotografieren. Spaß gehört dazu. Auch beim kurzen Smalltalk vor laufender Kamera des FCK-TV über die Fans und die Region und bei den anschließenden Fotos behält Karl den blechernen Schutz auf. „Ganz schön schwer, das Ding“, findet er, „aber wenigstens hatte man dafür früher den Kopf noch drauf“.
Ganz ohne Helm geht’s dann noch in den Hof zu Rammbock und Katapult. Ja, das wäre auch was, um die gegnerische Abwehr zu durchbrechen, scherzt Karl. „Des nemme mer mit uf Münche“, greift einer der Fans diese Steilvorlage auf. Denn am 16. April muss der Zweitligist im Pokal-Halbfinale beim haushohen Favoriten, dem FC Bayern München, antreten. Der Profi lacht. „Ja, das wär’s ...“
Den Abschluss bildet, wie bei jeder Burgführung, die Begehung des nur mit einigen Kerzen spärlich erleuchteten Geheimgangs. In der Burgschänke bekommen die Fans dann noch ihre Autogrammwünsche erfüllt und können noch etwas mit dem Bundesligaprofi plaudern.
Dem hat sein Besuch in der Südwestpfalz auch etwas gebracht. „Wenn ich bedenke, dass die Fans von hier zu jedem Heimspiel über diese Strecke fahren, dann habe ich davor höchsten Respekt.“
Das Spielerporträt von Markus Karl auf dem Berwartstein erscheint im Stadion-Magazin des FCK zum Heimspiel gegen den VfL Bochum am 6. April. Im abopflichtigen FCK-TV ist zu diesem Termin der komplette Filmbeitrag zu sehen. Ein verkürzte Version wird dann auch frei zugänglich bei Youtube eingestellt.