Rheinpfalz Knatsch bei den Knaschts
Weihnachten ist das Fest der Liebe. Nicht ganz so im Hause Knascht. Der etwas abgewandelte Name „Knatsch“ dürfte schon eher die Stimmung im Haus von Erwin (Thomas Kaminski) und Traudel (Karin Backmund) widerspiegeln. Trotz allen Frusts und Ärgers, trotz Geizes, einiger Ungereimtheiten und Intrigen, ein wenig Liebe keimt dennoch im Hause Knascht auf. Exakt so wie mitten im Leben in vorweihnachtlicher Zeit. Spielfreude und Textsicherheit kennzeichneten einen unterhaltsamen Theaterabend.
War die Premiere des Dreiakters „Die wilden Weihnachtstriebe“ der Theatergruppe „Kienholzraspler“ am Samstag nicht ausverkauft , so war die Aufführung am Sonntagnachmittag mit Kaffee und Kuchen im Vorspann bis auf den letzten Platz besetzt. Das hohe Fest Weihnachten steht vor der Tür, und seit Heinz Beckers „Christbaumerlebnisse“ oder Loriots Feststellung „früher war mehr Lametta“ wissen alle: Es läuft nicht immer alles rund, wenn es sich um den Weihnachtsbaum dreht. So auch bei den Knaschts. Aber der Reihe nach. Traudel Knascht (Karin Backmund) überzeugte resolut und temperamentvoll in ihrer Rolle als Ehefrau, Tochter und Mutter. Sie hat ein paar Probleme. Zunächst ist da ihr geiziger Ehemann Erwin, dessen Hauptbeschäftigung – neben seinem Beamtenjob – das Studieren der Sonderangebote in den Werbeblättchen ist. Der unbequeme Gatte ist es auch, der ständig die Heizung runterdreht, egal welche Temperatur herrscht. Das ärgert besonders Opa Klaus Mockel (Bruno Traudt und Traudels Vater), der in seinem eigenen Haus friert. Während also Erwin überall den Geizhals gibt, geht Opa auf die Barrikaden, spielt Revoluzzer und Motzer, dreht die Heizung auf, geht am helllichten Tag einen trinken und isst schon vor Weihnachten das Gebäck seiner Tochter auf. Bei so viel häuslichem Widerstand kann sich Traudel nur mit Freundin Karin Helmi (Petra Bimber) entspannen, natürlich bei einem Gläschen gutem Sekt. „Mir san awwer, wenn de Erwin kommt, der Sekt ist vom Aldi“, bittet Traudel ihre Freundin. Darüber kann Karin nur schmunzeln: „Ich habe die vier F’s: frisch, fromm, fröhlich und frei“, weil gerade geschieden. Aber ganz so zufrieden ist sie mit ihrer Freiheit dann doch nicht, denn „an Weihnachten alleine zu sein, das ist sehr hart“. Deshalb lädt Traudel ihre Freundin zum großen Fest ein. Das wiederum ist Erwin zu viel: „Noch ein Esser mehr“. Gerade hatte Traudel ihrer Freundin Karin noch erzählt, wie froh sie ist, dass (Erb-)Tante Kätche (Gabi Cronauer, einmal mehr in einer Paraderolle für sie), Erwins einzige Verwandtschaft, nicht kommt, da rappelt das Telefon: Tante Kätche kündigt ihren Weihnachtsbesuch doch an. Diese Nachricht wiederum erfreut den sparsamen Hausherrn, denn „Tante Kätche hat immer ein dickes Kuvert dabei“. Deshalb darf Traudel auch einen großen Karpfen kaufen, den die Tante gerne isst. Traudel setzt den lebenden Fisch mal vorsorglich in die Badewanne. Das zieht manches Durcheinander nach sich. Das ist aber der richtige Zeitpunkt, ihrem Mann zu eröffnen, dass sie bei Karl „Kalli“ Fister (Fred Braun mit charmantem Bühnenauftritt), dem Förster, einen Weihnachtsbaum bestellt hat. Er soll 20 Euro kosten. Erwin flippt aus. „Dem Waldheini wird das Geld in den Rachen geworfen“, lehnt er ab. Bei all diesem Hickhack kommt Tochter Rosi (Sarah Lang mit einer sehr gelungenen Bühnenpremiere) nicht dazu, ihren Vater endlich von ihrer Liaison mit Kalli zu informieren. Opa Klaus erzählt, wie man früher zu seinem Weihnachtsbaum kam; dass man sich über Tag im Wald eine Tanne aussuchte, sie am späten Abend selbst schlug und nach Hause brachte. Daraufhin stiehlt sich Geizkragen Erwin davon. Das schmucke Wohnzimmer ist fast leer. Opa schnarcht angetrunken nach seinen diversen Nikolausauftritten auf dem Sofa, als Tante Kätche stinksauer ankommt: „Kääner hat mich abgeholt. Ich hab mich beschdimmt verkält. Das koschd se e 100er. Ich brauch jetzt mol e Vollbad.“ Man erinnere sich an den Karpfen ... Erwin stürzt ins abgedunkelte Wohnzimmer. Blutverschmiert, mit zerrissenen Kleidern, den Fuchsschwanz in der Hand. Er hat im Wald offenbar Schlimmes erlebt. Schnell verschwindet er. So füllt sich das Wohnzimmer wieder und Tante Kätche verkündet der zu Tode erschrockenen Traudel, dass sie für immer hierbleiben könnte. Dagegen protestiert Opa Klaus: „Nicht in meinem Haus“. Die beiden Alten keifen sich bitterböse an. Die Frage, wer schläft nun wo, weil Tante Kätche da ist, wird heftigst diskutiert. Tochter Rosi schlichtet nicht ganz uneigennützig: „Ich zieh’ zu Kalli.“ Weil ihr Neffe Erwin immer noch nicht aufgetaucht ist – Traudel behauptet, er würde den Weihnachtsbaum bei ihrer Freundin Karin aufstellen –, fragt sich Tante Kätche, „ob der net e Verhältnis mit dere Person hat. Die is jo schließlich allää.“ Unruhig werden die Knaschts, als Kalli von draußen vom Walde heimkommt und erzählt, dass er jemanden im dichten Schneetreiben beim Tannenklau gesehen habe. Den Knaschts schwant Schlimmes. Als Erwin dann, abgerissen, verstört und verpflastert, auftaucht, ist das Chaos perfekt. Was war mit Erwin passiert? Wie verhält es sich eigentlich zwischen Rosi und ihrem „Sahneschnittchen“? Woher bekommen die Knaschts doch noch ihren Weihnachtsbaum? Das lassen wir mal noch im Weihnachtsdunkel. Die Lösung gibt’s noch mal am Freitag und Samstag (20 Uhr, Einlass 19 Uhr) im Bürgerhaus.