Rheinpfalz Keine Negativzinsen geplant

Die Zahl der Mitglieder der VR-Bank Westpfalz ist im Jahr 2015 um 1277 auf 11.471 gestiegen. Sie dürfen pro Mitgliedsanteil, den sie halten, mit einer Dividende von 3,25 Prozent rechnen, wenn die Vertreterversammlung im Mai dem Vorschlag des Vorstandes folgt. Darüber informierten am Dienstag die Vorstände der Bank, Karlheinz Stemler und Alexander Kostal, bei der ersten Bezirksmitgliederversammlung.
Im vergangenen Geschäftsjahr waren es noch vier Prozent Dividende gewesen. Man müsse genau schauen, was hinter den Prozentzahlen stehe, was sie in der Summe bedeuten, trat Kostal Kritik von Mitgliedern entgegen, die darauf verwiesen, dass andere Genossenschaftsbanken 6,25 Prozent Dividende zahlen würden. Da sei beispielsweise ein Jubiläumsbonus enthalten, sagte Kostal, und dann seien die Geschäftsvolumina und die Mitgliederzahlen der Genossenschaftsbanken, die hier verglichen würden, überhaupt nicht miteinander zu vergleichen. Bei der Vertreterversammlung im Mai in Waldfischbach wird die anvisierte Fusion der VR-Bank Westpfalz mit der Volksbank Kaiserslautern-Nordpfalz ein wichtiges Thema sein. Im April hatten beide Geldinstitute vermeldet, dass sie eine Verschmelzung anstreben, um eine ertragsstarke Genossenschaftsbank für die Westpfalz zu gestalten, die zusammen 280 Mitarbeiter beschäftigen wird, davon 17 Auszubildende (die RHEINPFALZ berichtete). Über 77.000 Kunden mit 170.000 Konten zählen die beiden Genossenschaftsbanken in der Addition und weisen zusammen 30.000 Mitglieder aus. Die vorbereitenden Gespräche und Verhandlungen laufen, und wie im Fusionsplan vorgesehen, sollen die Vertreter im ersten Halbjahr 2016 ihr Votum zur Fusion abgeben. Auf welcher Geschäftsbasis die VR-Bank steht, verdeutlichte Karlheinz Stemler im Bericht zur Geschäftsentwicklung. Nach den vorliegenden vorläufigen Zahlen erwartet die Bank für das Jahr 2015 einen Jahresüberschuss von 900.000 Euro, damit 100.000 Euro weniger als im Geschäftsjahr 2014. Die Bilanzsumme von 489,7 Millionen Euro bleibt unverändert gegenüber dem Vorjahr. Ein Hauptgrund für den Rückgang des Gewinns ist, wie bei allen anderen Geldinstituten auch, die Lage auf dem Kapitalmarkt, das niedrige Zinsniveau. Der Zinsüberschuss habe sich um 700.000 Euro auf 10,6 Millionen Euro verringert, verdeutlichte Stemler. Und die Aussichten zeigen, dass der Zinsüberschuss weiter sinken werde. Das gelte für alle Banken. Da derzeit sowohl hoch verzinste Kreditverträge von Kunden als auch höher verzinste Kapitalanlagen der Bank auslaufen, lasse sich absehen, dass die Bank hier im Schnitt pro Jahr eine Million Euro Einnahmen weniger verbuchen könne, verdeutlichte Kostal mit Blick auf die allgemeine Zinsentwicklung. Für 2016 kalkuliert die Bank mit einem Zinsüberschuss von 9,7 Millionen Euro. Aber: „Mit negativen Zinssätzen für die Kunden rechnen wir weiterhin nicht“, sagte Stemler. Aktuell beschäftigt die Bank 115 Mitarbeiter und acht Auszubildende. 14 Mitarbeiter haben Altersteilzeitverträge geschlossen. In diesem Jahr wird mit Personalkosten von 6,3 Millionen Euro kalkuliert. Wenn Einnahmen sinken, muss an der Kostenschraube gedreht werden. Deshalb müsse der Verwaltungsaufwand verringert werden, unterstrich Stemler. Mit ein Grund für die geplante Fusion. Bei der Vertreterversammlung im Mai wird die Bank auch einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden zu wählen haben. Amtsinhaber Georg Spieß (Geiselberg) muss aus Altersgründen ausscheiden. „Ich erlebe zum ersten Mal, dass ich für ein Amt zu alt bin“, sagte Spieß lachend. (add)