Rheinpfalz Kein Geldgeschäft, kein warmes Essen
Die Stürme, die in den ersten Wochen über die Südwestpfalz gefegt sind, haben im Wald einiges durcheinander gebracht. Doch nicht nur dort: Der Strom fiel infolge beschädigter Leitungen vielerorts aus. Auch gestern war dies wieder der Fall. So drastisch wie bei Sturm „Burglind“ Anfang Januar war es gestern bei „Friederike“ aber nicht. Hunderte Haushalte mussten damals wie berichtet den ganzen Tag ohne Heizung, Kochmöglichkeiten und Telefon auskommen. Aber auch das öffentliche Leben und die medizinische Versorgung sind bei einem solchen Stromausfall betroffen, wie unsere Zusammenstellung zeigt.
Beim Forstamt Wasgau haben die Fachleute inzwischen ihren Schaden im Wald nach oben korrigiert. Anfänglich hätten sie mit einem Windwurf von zirka 10.000 Festmetern Holz gerechnet, sagt dort Lothar Wolf, mittlerweile hätten sie diese Zahl auf schätzungsweise 20.000 erhöht. Bei dem Windbruch handele es sich größtenteils um Fichten und Tannen, aber auch um Eichen. Wenig Schaden sei bei Buchen festzustellen. Besonders betroffen ist der Bereich „Stephansberg“ zwischen Glashütte und Langmühle. Hinzu kommt eine noch nicht abzuschätzende Zahl von „angeschobenen“ Bäumen, das heißt, diese sind bereits entwurzelt, aber noch nicht gefallen. Bad läuft, Kitas improvisieren Der Betrieb im Felsland-Badeparadies konnte, wie Ulrich Naab von den Verbandsgemeindewerken bestätigte, schon bei „Burglind“ ohne Probleme ablaufen, da in der Einrichtung vier Blockheizkraftwerke Strom und Wärme produzieren. Das Gebäude der VG-Verwaltung wurde über ein Notstromaggregat versorgt. Die Feuerwehren in der Verbandsgemeinde fuhren bei „Burglind“ allein zwischen 7.46 Uhr und 14.25 Uhr 24 Einsätze, davon neun, um blockierte Fahrbahnen zu räumen, zwei, um umgefallene Bäume von Stromleitungen zu entfernen. Fünfmal waren überflutete Keller leer zu pumpen, ein Einsatz war erforderlich, um einen umgestürzten Baum von einem Hausdach zu entfernen. Auch „Personenhilfe“ war zu leisten, einer pflegebedürftigen Person musste ein Notstromaggregat geliefert werden, um lebensnotwendige Geräte am Laufen zu halten, in einer Senioreneinrichtung musste ein Rollstuhlfahrer vom Erdgeschoß in eine obere Etage getragen werden, weil der Aufzug ausfiel. Die beiden Dahner Kindertagesstätten hatten mit verständnisvollen Eltern zu tun, bereits um 14 Uhr waren alle Kinder abgeholt. Die Essensversorgung der Hortkinder in beiden Einrichtungen wurde dank des Einfallsreichtums der hauswirtschaftlichen Mitarbeiterinnen gesichert: In der Einrichtung Sankt Elisabeth gab’s heiße Würstchen mit Kartoffelsalat, zubereitet auf dem Holzherd einer hilfsbereiten Nachbarin, für den Kindergarten Sankt Franziskus eine Kartoffelsuppe, zubereitet auf dem Gasherd im Sportheim Schindhard. Klinik und soziale Einrichtungen: Kalte Küche und Ablagearbeit Die Senioreneinrichtung SenVital erklärte nur, dass in ihrem Haus die Infrastruktur aufrecht erhalten werden konnte. Anders im Senioren- und Pflegeheim Haus am Kurpark: Totalausfall von Heizung, Kühlräumen, Aufzügen und Küchengeräten – die Essensversorgung musste mittels „Kalter Küche“ erfolgen, Kühlanlagen für Lebensmittel und Medikamente ständig überwacht werden. Leicht verderbliche Lebensmittel wurden vorsorglich aus den Beständen genommen, die Arzneimittelversorgung konnte mittels papiernen Medikationsplänen erfolgen. „Glücklicherweise haben wir derzeit keine Bewohner, die auf Versorgung mit elektrisch betriebenen Geräten versorgt werden müssen“, hieß es. Die Auskunft vom Conrad-von-Wendt-Haus: „Bei uns ging überhaupt nichts“ – die Verwaltung war sprichwörtlich lahmgelegt, ebenso die Küche. Bewohner und Besucher der Tagesstätte wurden mit belegten Broten versorgt, wobei das Brot per Hand geschnitten werden musste. Türen und Kassen bleiben zu Die Märkte Aldi und SBK mussten nach Informationen der RHEINPFALZ bei „Burglind“ schließen, elektrisch gesteuerte Eingangstüren und Kassen konnten nicht genutzt werden. Um eine Unterbrechung der Kühlkette bei Lebensmitteln zu vermeiden, standen bei Aldi im Industriegebiet innerhalb kurzer Zeit nach dem Stromausfall Gefriercontainer und Kühlwagen zum Umladen der Waren bereit, bei SBK wurden die Kühlregale geräumt, die Waren gelangten nicht wieder in den Verkauf. Geöffnet hatte Lidl, dem Markt stand ein Stromaggregat zur Verfügung. Die Bäckereien in den vom Stromausfall betroffenen Gebieten konnten, soweit sie über mechanische Eingangstüren verfügen, ihre Produkte verkaufen, wurden diese doch schon großteils vor dem Stromausfall gebacken. Nicht funktionierende Registrierkassen konnten durch „Handkassen“ ersetzt werden. Medikamente gibt’s nicht überall In der Arztpraxis Dr. Kammüller-Höger konnten alle Patienten, bei denen eine manuelle Untersuchung erforderlich und ausreichend war, versorgt werden. EKG und Ultraschalluntersuchungen waren nicht möglich. Versichertenkarten waren mittels batteriebetriebenen, portablen Lesegerät (im Einsatz bei Hausbesuchen) einzulesen. In der Praxis gibt es zusätzlich noch papierne Krankenkarteien. Die meisten Apotheken waren, mit Ausnahme der Wasgau-Apotheke in Dahn, geöffnet, hatten allerdings mit Problemen zu kämpfen: Die Friedrich-Apotheke in Bundenthal verfügt über ein modernes elektronisches Ausgabesystem, das das angeforderte Medikament in Sekundenschnelle an den Berater liefert. Bedingt durch den Stromausfall konnten kaum Arzneien ausgegeben werden, da ein manueller Zugriff auf die Bestände nicht möglich ist. Die Kur-Apotheke konnte den Betrieb aufrechterhalten, sie verfügt über einen manuell zu bedienenden Seiteneingang und über eine in Schubfächern alphabetisch geordnete Medikamentenlagerung. Nacharbeit war trotzdem bezüglich der zu zahlenden Gebühren und Privatrezepte erforderlich. Auch die Apotheke Am Jungfernsprung war geöffnet. Die Ausgabe musste aber über die „Notdienstklappe“ erfolgen, weil sich Eingangstür und Sicherheitsgitter nicht öffnen ließen. Allen war gemeinsam: Bei Medikamenten, welche gekühlt gelagert müssen, darf die Kühlkette nicht unterbrochen werden, teilweise schaffte man Abhilfe mit zusätzlichen Akkus für Kühlschränke. In der Felsenlandklinik fiel der Verwaltungsbetrieb aus, die Mitarbeiter beschäftigten sich mit Ablage. Die Behandlungen konnten durchgeführt werden, da es sich fast ausnahmslos um Gesprächstherapien handelt. Die Medikamentenverteilung erfolgte mittels Handakten. Einzig auf ein warmes Mittagessen mussten die Patienten verzichten, Ersatz durch kalte Speisen wurde angeboten. Frisör: Mit nassem Haar heim Das Frisörgeschäft Becker öffnete an diesem Tag erst gar nicht. Liesel Burkhart vom Salon Beauty-Hair hielt am Vormittag den Betrieb so gut als möglich am Laufen. Wie Frisörin Anna Riede mitteilte, hatte man allein schon nicht geschlossen, um Kunden, die einen Termin vereinbart hatten, persönlich abzusagen. Trotzdem ließen sich Kunden bedienen; sie fanden sich mangels funktionsfähiger Trocknungsmöglichkeit damit ab, mit nassem Haar den Heimweg anzutreten. Große Probleme für Hotels Große Probleme hatten Hotels in Dahn zu bewältigen. Rechnungen für abreisende Gäste konnten nicht erstellt werden, Kartenlesegeräte, Kreditkarten nicht genutzt werden. Nacharbeit in Form von Rechnungszusenden war angesagt. Beim „Check in“ für anreisende Gäste konnten die wichtigsten Daten manuell aufgenommen und später nacherfasst werden. Wie Hotelchef Manfred Maus vom Pfalzblick mitteilte, gab es zwar schon beim Mittagstisch erste Probleme, zur Vorbereitung der Speisen war die Zeit, auch nachdem die Stromversorgung wieder funktionierte, zu knapp. Ersatzweise ließ Maus die Grills, vorgesehen für sommerliche Grillabende, auf der Terrasse aufbauen. Alois Ruppert vom Hotel Felsenland berichtet ähnliches: Totalausfall im Wellnessbereich, Ausfall der Pumpen im Bereich der Abwasserentsorgung, in der Küche funktionieren weder Herde noch Abzugshauben und Spülmaschinen. Gäste, die nur noch einen oder zwei Tage weiteren Aufenthalt geplant hatten, reisten vorzeitig ab, ankommende Gäste, die nur eine oder zwei Übernachtungen und Wellnessurlaub geplant hatten, reisten gleich wieder ab. Beim „Frühstück bei Kerzenschein“ ging es noch romantisch zu. Abreisenden Gästen, an diesem Tag zirka 60, musste die Rechnung zugeschickt werden, Ankommenden wurde im „Felsengraf“ eine „Hüttenjause“ serviert. Ein herbeigeschafftes Notstromaggregat deckte nur zehn Prozent des Strombedarfes ab, sorgte aber dafür, dass zumindest die Empfangshalle versorgt werden konnte. Allein den Schaden, der durch 15 vorzeitige Abreisen entstand, beziffert Ruppert auf 8000 Euro. Die R+V-Bank in Dahn hielt ihre Schalter geschlossen, öffnete jedoch um 15.30 Uhr, nachdem Strom wieder da war, für eine Stunde. Die Sparkasse Südwestpfalz in Dahn hatte zwar geöffnet, jedoch nur als Service – um Kunden zu informieren, dass und warum Auszahlungen und sonstige Transaktionen nicht möglich seien.