Kultur Südpfalz Jubiläumsfeier unter neuen Vorzeichen

Proppenvoll war der Hohenstaufensaal beim Jubiläumskonzert des Kreisjugendorchesters.
Proppenvoll war der Hohenstaufensaal beim Jubiläumskonzert des Kreisjugendorchesters.

Ein brillanter Hörgenuss war das Jubiläumskonzert zum 30-jährigen Bestehen des Kreisjugendorchesters Südliche Weinstraße am Samstag im Hohenstaufensaal Annweiler. Zugleich gab der neue musikalische Leiter Jochen Schnepf sein gelungenes Debüt. Im Mix aus Filmmusik, Musical, Rock und Pop sowie sinfonischer Blasmusik zeigte der Klangkörper seine hohe Qualität mit zartem Klangschmelz, mitreißender Dynamik und feuriger Exotik.

Proppenvoll war der Saal. Landrat Dietmar Seefeldt würdigte in seiner Begrüßung den vor 13 Monaten verstorbenen langjährigen Leiter Dietmar Wiedmann, der dem Orchester 30 Jahre vorstand und ihn zu dem Klangkörper formte, der er heute ist. Mit dem 28-jährigen Dernbacher Jochen Schnepf stehe „ein Eigengewächs der Kreismusikschule“ auf dem Podium, dem er viel Glück wünsche. Der Landrat wies auf die bisherigen Glanzzeiten des Orchester und seine vielen Auszeichnungen hin. Adrian Rinck, Leiter der Kreismusikschule, dankte dem Landrat und seiner Vorgängerin Theresia Riedmaier für die „sehr gute Zusammenarbeit“. Er erinnerte auch an Wiedmann und den vor wenigen Tagen verstorbenen Peter Leiner, die das Orchester geprägt haben. Er lobte zudem die über 50 engagierten Musiker, die sich in der schwierigen Überbrückungszeit selbst organisiert hatten. Orchestermitglied Jan Brieger, der mit Carola Rong den Abend anekdotenreich moderierte, dankte besonders dem seit 1998 bestehenden Förderverein, namentlich dessen langjährigem Vorsitzenden Klaus Wolf sowie allen Spendern für die hilfreichen Investitionen. Gleich beim Auftaktstück „Lord Tullamore“ (Carl Wittrock) sprang der Funke über bei irischer Volksmusik mit anspruchsvollen Passagen und gefühlvollen Klängen. Es folgte Musik aus dem Musical „Elisabeth“ mit wuchtig-dramatischen Akzenten, die zur Ruhe fanden und sich zu Walzertakten und schnellem Fox wandelten. Auf „The New Village“ (Kees Vlak), einem Stück mit flottem Marsch, bedächtigen Tönen und rasanten Schnitten, folgte „Robin Hood“ (Michael Kamen/Lavender). Auch der Vortrag der Filmmusik über den Helden mittelalterlicher Balladen, der in England schlitzohrig Reiche bestiehlt und Armen hilft, gelang dem Orchester ganz ausgezeichnet. Zuvor hatte sich der neue Leiter, der seit 1998 im Orchester spielte, dem Publikum vorgestellt. Ihn habe die heitere Art Wiedmanns motiviert, sagte der mehrfache Preisträger von „Jugend musiziert“ und Absolvent der Musikhochschulen Saarbrücken und Stuttgart, wo er Trompete studierte. Mit Humor warb das frühere Mitglied mehrerer Landesjugendorchester, der auch bei der Jungen Deutschen Philharmonie spielt, um neue Mitglieder für das Kreisjugendorchester. Mit dem Blasorchester-Klassiker „El Camino Real“ (Alfred Reed), einer Herausforderung für jedes Orchester dieser Art, begeisterten die Musiker mit zündenden lateinamerikanischen Rhythmen. „Ross Roy“ (Jacob de Haan) bot donnernde Paukenschläge, „tanzende“ Flöten, Geigen und Klarinetten sowie ein wunderbar pointiertes Zusammenspiel mit den anderen Instrumenten. Schlusspunkt war die „Jungle Fantasy“ (Naohiro Iwai), mit der das Orchester nach Brasilien „entführte“. Das Publikum wähnte sich so sehr im Dschungel, dass es zwischen wildromantischen Tierlautmalereien, exotischem Vogelgezwitscher, Sambarhythmen und faszinierenden instrumentalen Dialogen spontan Zwischenapplaus spendete. Am Ende gab es Bravorufen und verdient langem Applaus im Stehen für die Musiker. Vom Orchester gab es als Zugabe „Hootenanny“ (Harald Walters), ein mitreißendes amerikanisches Folksong-Medley. Schlagwerker Mischa Becker dankte schließlich dem neuen Chef für den tollen Auftakt, Jan Brieger, Rolf Kaiser und Philipp Schneider für die Zeit zuvor und der scheidenden Carolin Hei-necke für ihren großen Einsatz.

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