Harthausen
Jubiläum bei der „Tabakernte“
Kleinkunst im kleinen Dorf gibt es inzwischen häufig. Dennoch bleibt sie besonders. In der Tabakgemeinde Harthausen sind das Format, die offene Form und die Bühne exzeptionell: Der Historische Tabakschuppen ist ein idealer Schauplatz. Zum zehnten Mal wird dort am 8. März die „Tabakernte“ eingebracht. Die „Zehnte“ ist eigentlich die „Zwölfte“. Corona ist schuld daran. Aber die „Tabakernte“ hat die Pandemie überlebt.
Das beweist Stehvermögen der „Königskinder“. Den Namen hat den Harthausenern ihre Treue zu Prinzregent Luitpold von Bayern während der freiheitlich-demokratischen Revolution von 1848/49 beschert. Er hat ihnen zum Dank 1851 den Tabakschuppen errichten lassen. Es war der erste im „Tabakdorf“, dringend notwendig zum Trocknen der Blätter und ein Segen für die Gemeinde.
Wohnzimmer der Gemeinde
Heute gibt es keinen Tabakanbau mehr im Ort. Der Schuppen aber steht noch. Und er ist nach wie vor ein Segen für die Gemeinde. Er hat sich zum „Wohnzimmer“ gewandelt. Darin spielt das vielfältige Leben der Gemeinde. Unter rauen Balken wird gefeiert, getrauert, beraten, gelacht - und regelmäßig Kleinkunst gespielt. Erfinder dieser „Harthäuser Tabakernte“ ist Gabriel „Gabs“ Salzmann, ein Hesse aus Darmstadt. Der 45-Jährige ist aber längst angekommen und gnadenlos unkompliziert im Dorf aufgenommen. Was die Toleranz und Offenheit der „Indigenen“ und eine ausgeprägte „Witzischkeit“ des Hessen beweist.
„Ja, sowas können wir mal versuchen.“ Das war laut Salzmann die „lakonische“ Reaktion der Verantwortlichen beim Kultur- und Heimatverein (KHV), als er Idee und Konzept einer Comedy-, Kabarett-, Musik-, Poetry-, Burleske-, kurz für alle Spielarten offenen Kleinkunstshow vorstellte. So erinnert er sich an seine Ideen-Vorstellung vorm erlauchten Gremium.
Gelungene Premiere
Als Optimist und positiver Mensch wertet Salzmann das KHV-Urteil als Ermutigung. „Das Konzept, eine Veranstaltung anzukündigen, ohne so ganz genau zu wissen, wer auftreten wird, und was an dem Abend passiert, erzeugt natürlich erst einmal Irritation und Skepsis“, zeigt er noch immer Verständnis für die „Euphorie“ auf dem Dorf. Doch die Entwicklung gibt ihm recht: „Der Zulauf, den die Tabakernte bei ihrer ersten Ausgabe erlebte, war gigantisch. Etwa 100 Leute kamen, um sich das anzusehen. Es war unmöglich, im Tabakschuppen umzufallen, so voll war es“, freut er sich heute noch über die gelungene Premiere. Sein Konzept geht bis heute auf: Menschen, die an diesem Abend zum allerersten Mal überhaupt auf einer Bühne stehen, spielen neben Profis. Salzmann, im Hauptberuf Erzieher und Theaterpädagoge sowie Kitaleiter, ist ein Kleinkunst-Profi mit einschlägiger Erfahrung. Er moderiert und spielt selbst Nummern. Alleine oder mit Partner. Er macht Stand Up und interagiert permanent mit dem Publikum. Die Gäste des Abends kann er individuell und pointiert ansagen. „Das Publikum trägt jeden einzelnen Künstler. Genau diese Mischung macht uns so besonders.“
Wesentlich mit entscheidend für den Erfolg sei laut Salzmann die Location: Der Tabakschuppen wirke als besonderer Ort auf alle Künstler gleichermaßen. Die Bühne sei nicht sehr tief. Daher entstehe eine besondere Nähe zwischen Publikum und Künstlern. Gespielt werde nur bei Saallicht. „Das heißt, alles ist für alle zu jeder Zeit zu sehen. Auch das ist sehr besonders“, weiß Salzmann. Außerdem: „Da niemand weiß, wer an dem Abend auftritt, und was genau passieren wird, kann ja auch niemand enttäuscht sein.“
Termin
„10. Harthäuser Tabakernte“, Samstag, 8. März 2025, 19 Uhr, im Historischen Tabakschuppen Harthausen (Hanhofer Straße), Eintritt frei. Es wird um eine Spende gebeten. Der Kultur- und Heimatverein versorgt mit Speisen und Getränken.
Zur Person
Gabriel „Gabs Salzmann: Anfang der 2000er Jahre unternimmt Gabriel Salzmann als Zivi seine ersten Schritte im Comedy-Bereich. „Ich hatte mein erstes Programm geschrieben und war im Hofgarten-Kabarett, dem Kleinkunsttheater von Urban Priol in Aschaffenburg, bei einer Mixed-Show angemeldet“, erzählt er.
Es sei schlimm gewesen, in der Garderobe zu sitzen und an der Wand die Plakate der Großen zu sehen, die diese Bühne schon bespielt hatten: Nuhr, Mittermeier, Hoffmann. Und er selbst nun dazwischen. „An diesem Abend waren Laien und Profis auf der Bühne, und Priol selbst hat das Opening gemacht. Es war ein prägender Abend“, berichtet er.
Anschließend darf er in Darmstadt selbst den „Comedy Monday“ moderieren. Es entstehen Kontakte in die Szene, Salzmann kann sich weiter ausprobieren und mit „vielen tollen Menschen auf der Bühne stehen“, wie er sagt. Gerne kann „Gabs“ weitere große Namen droppen: Roberto Capitoni, Gregor Mönter, John Doyle. Unter anderem habe er in Uelzen ein Open-Air-Festival moderiert. Dabei auf der Bühne: Michy Reincke („Taxi nach Paris“), die Rodgau Monotones („Erbarmen, die Hessen kommen“) und eine junge Band namens „Tokio Hotel“.
Die Leidenschaft für Comedy und Kabarett lässt Salzmann nicht mehr los. Neben der „Tabakernte“ spielt er als Solist und mit wechselnden Partnern seine überwiegend selbst erarbeiteten Programme auf Bühnen der Region.