Rheinpfalz Jede Bohne zählt

Ketsch. Kaffee lässt an Afrika, Asien und Südamerika denken. Doch eine deutsche Kaffeemetropole liegt nur einen Steinwurf weit entfernt. Bereits seit 1973 wird das schwarze Gold in Ketsch geröstet, gemahlen und verpackt – in der Kaffeerösterei von Aldi Süd. Die RHEINPFALZ darf als erste Redaktion überhaupt dabei zuschauen. Ein Besuch vor Ort, ein Blick hinter die Kulissen.
Ein unscheinbares Industriegebiet in Ketsch (Rhein-Neckar-Kreis). Von außen sind nur das Aldi-Süd-Logo und eine Anlieferungsstelle für Silo-Lkw zu sehen. Keine Spur von Kaffeebohnen, nicht mal der bekannte Duft. Doch der Schein trügt. Hier in Ketsch werden laut Michael Körnig, dem Leiter der Rösterei, täglich 100.000 Kilogramm Rohkaffee verarbeitet. Die Vermutung, Discounter-Kaffee wäre ein Massenprodukt, ist falsch: „Unser Röstvorgang dauert je nach Sorte bis zu 14 Minuten“, betont Michael Körnig, während er die Produktionshallen zeigt. Für die Filter- und Padkaffeesorten der Eigenmarke „Amaroy“ und die Espressomarke „Tizio“ verwendet Aldi Süd hochwertige Arabica- und Robusta-Bohnen. Die Bohnen werden aus den Kaffeeanbaugebieten Afrika, Asien und Südamerika bis nach Hamburg und Bremen in Containern verschifft und auf der Straße in die Rösterei geliefert. Die Kaffeerösterei in Ketsch ist eine der modernsten Anlagen weltweit. Der Kaffee wird in Silo-Lkw angeliefert und durch ein Rohr in das Innere der Rösterei befördert. Alle ankommenden Kaffeeladungen sind verplombt. Allerdings schafft es nicht jede Bohne in die Röstung. „Jede unserer Kaffeemischungen hat ein bestimmtes Tassenprofil, das wie ein Geschmacks-Steckbrief funktioniert. Da schaue ich beispielsweise nach der Säure, dem Aroma, dem Körper und der Fülle“, erklärt Kaffeesommelière Sandra Unverdorm, die am Institut für Kaffee-Experten-Ausbildung in Wien studiert hat. Unverdorms Arbeitsplatz sieht überhaupt nicht nach einer industriellen Rösterei aus, sondern gleicht eher einem kleinen Café. Hier reihen sich verschiedene Kaffeemaschinen und Kaffeesorten aneinander. In ihrer Testküche probiert die Sommelière auch Mischungen der Konkurrenz und überprüft täglich die Qualität des hauseigenen Aldi-Kaffees. „Wir probieren den Kaffee immer kalt und er wird so ähnlich geschlürft, wie Wein bei einer Weinprobe, sodass sich der volle Geschmack des Kaffees im Mund entfaltet“, erklärt die Fachfrau. Laut Unverdorm schmeckt man oft gewaltige Unterschiede. Vor allem merke man schnell, wenn es mal eine schlechtere Bohne in die Tasse geschafft hat. Bevor die eigentliche Röstung beginnen kann, wird von den angelieferten Rohbohnen eine Teströstung gemacht, um sie nochmals auf Farbe und Qualität zu überprüfen. Den kompletten Röstvorgang können die Mitarbeiter im Röstleitstand, einer Art Schaltzentrale, über eine Software mitverfolgen. 80 Mitarbeiter zählt die Rösterei. Danach geht alles ganz schnell. Die Filterkaffeesorten werden in überdimensionalen Kaffeemühlen gemahlen, während die Sorten mit ganzen Bohnen schon auf dem Weg in die Verpackung sind. Die Kaffeerösterei in Ketsch ist eine von zwei Aldi-Süd-Kaffeeröstereien in Deutschland. Der zweite Standort befindet sich in Mülheim an der Ruhr. Von insgesamt 31 Aldi Süd Regionalgesellschaften in Deutschland beliefert Ketsch 16 Standorte. Von Mülheim aus werden außerdem England, die USA und Australien beliefert. Von Ketsch aus erreicht der Kaffee auch Österreich, Ungarn und Slowenien.