Lokalsport Südpfalz Interview: Winterlauf in Rheinzabern – „Breite Akzeptanz“ für Absage

Daniel Hochmuth führt die Rheinzaberner Leichtathleten.
Daniel Hochmuth führt die Rheinzaberner Leichtathleten.

Auf einen Schlag 2500 Starts weniger: Die Winterlaufserie des TV Rheinzabern ist neben dem Bienwaldmarathon in Kandel der größte Wettbewerb in der Region und wegen Corona ebenfalls abgesagt worden. Wie erklärt Rheinzaberns Abteilungsleiter Daniel Hochmuth die Absage?

Herr Hochmuth, wie reagiert die Social-Media-Gemeinde?
Die überwiegende Mehrheit kann unsere Entscheidung absolut nachvollziehen. Sie findet es gut, dass wir die Serie rechtzeitig abgesagt haben und nicht „herumgeeiert“ haben. Wir sind da auf eine breite Akzeptanz gestoßen. Viele wollen sich, aber auch alle am Lauf Beteiligten schützen.

1026 plus 910 plus 663 Läufer nahmen an den drei Läufen der 38. Serie teil. Die Startgebühren fehlen nun. Sind die Rheinzaberner Leichtathleten pleite?
Nein, zum Glück nicht. Wir können auch in 2021 Leichtathletik anbieten. Es stimmt aber, dass uns mit der Absage viel Geld verloren geht. Da geht es uns nicht anders als den anderen Sportvereinen, die ihre Veranstaltungen absagen mussten. Nun zahlt es sich aus, dass wir gut gehaushaltet haben und noch ein paar Rücklagen vorhanden sind. Größere Investitionen müssen wir aber nächstes Jahr hinten anstellen, zum Beispiel Neuanschaffungen von Sportgeräten.

Sie hatten sich Gedanken gemacht, wie so eine Veranstaltung unter Corona-Regeln aussehen könnte. Die optimistischste Variante?
Anfahren – laufen – abfahren. Keine Siegerehrung, kein Wirtschaftsbetrieb, kein Finisher-Bier, keine kalten Duschen in der Sporthalle. Die traditionelle Winterlaufserie wäre als solche nicht mehr erkennbar gewesen, das ganze Drumherum hätte gefehlt. Wir hätten das Gelände mit Bauzäunen oder dergleichen abgesperrt, sodass nur die Teilnehmer den Veranstaltungsbereich hätten betreten können. Zuschauer und Trainer wären nicht erlaubt gewesen. An den Eingangstellen hätten wir Temperatur gemessen, Hände desinfiziert und Mund-Nasen-Schutz verteilt. Es hätte nur Voranmeldungen gegeben, sodass die Kontaktdaten nachvollziehbar gewesen wären. Das Starterfeld hätten wir dann in 30er-Blöcker eingeteilt und im Fünf-Minuten-Takt gestartet. Dafür hätten wir Zelte gebraucht für den Fall, dass es regnet oder schneit, sodass die Läufer dort im Trockenen auf ihren Start warten können. Das wäre viel Aufwand gewesen. Über eine Brutto-Netto-Zeitnahme wäre eine Ergebnisliste möglich gewesen. Problem: Wir haben eine Rund- und Wendepunktstrecke, die Läufer begegnen sich mindestens zweimal. Zudem hätten wir ein großes Verkehrschaos verursacht. Da möchten die ersten Teilnehmer bereits abfahren, reisen die Läufer des letzten Starterblockes gerade erst an. Zudem hätten wir bei etwa 600 Teilnehmern den halben Tag die Strecke gesperrt. Manchem Anwohner hätte das sicher nicht gefallen. Weiteres Problem ist, dass unsere alte Sporthalle gerade renoviert wird. Wir hätten Teilnehmern keine Möglichkeit geben können, sich im Warmen, Trockenen umzuziehen. Sich im Freien umzukleiden, das kann man im Sommer machen, nassgeschwitzt im Winter nicht.

Was meinen Sie: Wie viele von den 1026 Läufern, die am 15. Dezember 2019 die 10 km angingen, werden 2021 dabei sein, sollte ein normaler Wettbewerb wieder möglich sein?
Ich denke schon, dass uns da der eine oder andere Teilnehmer verloren geht. Ob dies aber unbedingt auf die Pandemie zurückzuführen ist oder einfach dem generellen Schwund der Läuferszene geschuldet ist, können wir ja am Ende nicht nachvollziehen. Zurzeit wären aber viele Läufer froh, wenn sie wieder unter Wettkampfbedingungen laufen könnten. Unsere Serie ist darauf aufgebaut, dass sie als Vorbereitung zum Marathon in Kandel führt. Vielleicht sind es am Ende 200, 300 Läufer weniger. Wir werden sehen. Interview: Thomas Cattarius