Rheinpfalz Insektenforscher: „Weltuntergang? Nicht mein Ding“
Ein Mann streift durch Vorderpfälzer Wiesen und zählt kleine weiße Punkte: Schmetterlingseier. Josef Settele macht das seit knapp drei Jahrzehnten. Der Professor aus Halle ist aber nicht nur Insektenjäger, sondern Vorsitzender eines Teams von 150 Experten aus aller Welt, die für die UN einen Bericht zur biologischen Vielfalt erarbeiten.
Brütende Hitze. Der beige-farbene Outdoor-Sonnenhut hilft ein wenig. Josef Settele stapft durchs schon länger nicht mehr gemähte Grün und hält Ausschau nach Krausem Ampfer und Großem Wiesenknopf. Auf diesen Pflanzen nistet sich ein, weswegen der Ökologe, der sonst am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle arbeitet, jeden Sommer in die Pfalz kommt: Schmetterlinge. Genauer gesagt geht’s ihm um deren Eier, denn die Flugzeit der Falter ist schon vorbei. An diesem Nachmittag werden wir nur noch eine Handvoll Schmetterlinge vorbeihuschen sehen. Die Fluginsekten haben ihren Nachwuchs auf der Wiese verteilt, und Josef Settele ist mit Tütchen, Kamera und Fragebogen-Klemmmappe ausgestattet, um auf Volkszählung zu gehen. Stichprobenartig natürlich. Das geht manchmal ganz fix. „Aber ich habe auch schon eine Stunde lang etwa 1000 Blätter angeschaut und erst zum Schluss ein Ei gefunden“, berichtet der 57-Jährige. Geduld ist also gefragt bei der Schmetterlingseierzählerei. Es ist Setteles letzter Tag in der Pfalz. Er ist mit zwei Mitarbeiterinnen in den Reiterwiesen bei Landau-Godramstein unterwegs. In den zehn Tagen zuvor hat Settele mit seinem Team schon die ganze Vorderpfalz abgegrast. Acht bis zehn Stunden sind sie dafür täglich auf den Beinen. Römerberg, Dudenhofen, Hanhofen, Schwegenheim, Schifferstadt, Niederkirchen, Deidesheim, Bad Dürkheim, Herxheim, Rohrbach, Rülzheim, Wörth, Maximiliansau, Oberotterbach, Albersweiler, Eußerthal ...