Rheinpfalz „Inhumane Situation“

Manfred Peschel musste im Westpfalz-Klinikum von seiner sterbenden Mutter Abschied nehmen. Zwei Tage lang rang sie in einem Dreibett-Zimmer mit dem Tod. Für die Familie, aber auch für die Mitpatientinnen ein sehr belastender Abschied.
Manfred Peschels Mutter litt an Krebs. Zum Schluss hatte der Tumor gestreut, eine medizinische Hilfe gab es für die 86-Jährige nicht mehr. Die Frau war freitags eingeliefert worden. Ihre Familie war mittwochs darauf vom Stationsarzt verständigt worden, dass sie ins Westpfalz-Klinikum kommen sollte, um von ihrer Angehörigen Abschied zu nehmen. Am Donnerstagnachmittag sei seine Mutter verstorben, schildert der Sohn, der in Landstuhl wohnt. Die Situation sei „sowohl für uns Angehörige als auch für die beiden Patientinnen“, die ebenfalls in dem Zimmer untergebracht waren, sehr unangenehm gewesen, sagt Peschel. Die anderen Patientinnen seien ebenfalls schwerst krank gewesen. In dieser „leidensgeprägten Situation“ miterleben zu müssen, wie eine andere Kranke „vor ihren Augen langsam verstirbt“, sei eine psychische Belastung, die man nur erahnen könne, beschreibt Peschel. Erst nach einer Arztvisite bei den Mitpatientinnen sei wenigstens ein Paravent zum Abschirmen aufgestellt worden. Peschel beklagt, dass es keine Möglichkeit „in diesem riesigen Komplex“ gibt, in einem separaten Raum „von der sterbenden Person in Ruhe und Würde“ Abschied zu nehmen. Die ärztliche und pflegerische Behandlung seiner Mutter sei „sehr liebevoll und einfühlsam“ gewesen, hebt der Sohn trotz aller Enttäuschung hervor. Er möchte im Nachhinein in erster Linie auf die unbefriedigende räumliche Situation aufmerksam machen und hofft, dass diese deprimierende Erfahrung künftig vielleicht anderen Patienten und Angehörigen erspart bleibt. Das Personal habe mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln versucht, seiner Mutter „die letzten Tage und Stunden schmerzfrei zu gestalten“, hebt er hervor. Sowohl der Chefarzt als auch die behandelnden Ärzte haben sich bei den Angehörigen entschuldigt und um Verständnis gebeten. Aus Platzmangel könnten sie keine andere Lösung anbieten, hatten sie erklärt. Peter Förster, Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums, kennt und bedauert die Situation. Wenn es den Mitarbeitern möglich sei, würden sie sterbende Patienten in einem anderen Zimmer unterbringen. Eine Verlegung war in diesem Fall jedoch nicht möglich, da kein anderes Zimmer frei gewesen sei. Das sei nicht zufriedenstellend, doch habe es sich um eine Ausnahmesituation gehandelt. „Es war tatsächlich alles belegt. Die Station war über einige Tage total ausgelastet“, so Förster. Intern werde diskutiert, wie eine Lösung in solchen Fällen aussehen könne, die für Patienten und Angehörige zufriedenstellend sei, sagt Förster. Das sei schwierig, denn umgekehrt könne ein so großes Haus wie das Westpfalz-Klinikum nicht auf jeder Station ein Zimmer für sterbende Patienten vorhalten. Das sei auch gegenüber den Patienten nicht sinnvoll, wenn sie „abgeschoben“ würden. Der Klinikums-Geschäftsführer betonte, dass Ärzte und Pfleger in solchen Fällen um eine „pietätvolle Lösung“ bemüht seien. (ita)