Rheinpfalz „Habe meinen Platz gefunden“
57 Jahre war es her, dass in Bruchweiler ein Neupriester die erste Messe in seiner Heimat feiern konnte. Am Sonntag nun beging Thomas Schied in der Pfarrkirche Heilig Kreuz seine Heimatprimiz. Am 30. April war er in Altötting von Kardinal Sean O’Malley zum Priester geweiht worden.
Zu seiner Priesterweihe war ein Bus mit Angehörigen der Pfarrei aus Bruchweiler nach Altötting gefahren. Schied arbeitete als Diakon im Pfarrverband Isarvorstadt bei München und wird dort nun als Kaplan tätig sein. Die Kirche in Bruchweiler war am Sonntag bis auf den letzten Platz besetzt. Mit dem Neupriester am Altar standen Pfarrer i.R. Benno Preiß, der Schied in seiner aktiven Zeit in Bruchweiler getauft hatte, Kaplan Nils Schubert aus Dahn, Bruder Harald Weber, der Ausbildungsverantwortliche der Kapuziner in Deutschland, und Provinzial Bruder Marinus Parzinger, der Leiter der Kapuziner in Deutschland, der die Predigt hielt. Angehörige der Pfarrei waren seit 6 Uhr morgens auf den Beinen, um die Kirche zu schmücken und das Pfarreifest im Anschluss an den Gottesdienst vorzubereiten. Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Kirchenchor Bruchweiler gestaltet. In seiner Begrüßung zeigte sich Schied bewegt von der großen Anteilnahme in der Pfarrei: „Viele Menschen sind heute hier, die mich auf verschiedenen Wegstationen begleitet haben.“ Parzinger erinnerte zu Beginn der Predigt an große Kapuziner aus der Pfalz, wie Pater Ingbert Naab aus Dahn oder Pater Joseph Anton Kessler, der in Harsberg geboren wurde und als Bauherr der Altöttinger St. Anna-Basilika gilt, in der Schieds Priesterweihe stattgefunden hatte. Die Initiative zu einer Entscheidung für das Priesteramt komme nicht allein vom Menschen, sondern von Gott, sagte Parzinger. „Er lädt uns ein, unseren Platz zu finden.“ Mit dem Abschluss der Ausbildung sei ein Priester noch lange nicht „fertig“. Es gehe darum, immer weiter zu lernen, den Dienst aus der Kraft des Glaubens heraus zu tun, zu dem auch Unsicherheiten gehörten. Letztlich komme es nicht auf Leistung und Perfektion, sondern auf Vertrauen an. Und das gelte für alle Gläubigen. An vielen Orten mache sich heute die Angst breit, Menschen leiden unter „Modernisierungsstress“, kommen nicht mehr mit. Man setze häufig auf einen Rückzug auf traditionell überlieferte Formen, sowohl im Politischen als auch innerhalb der Kirche. Dabei komme die Suche nach Kreativität zu kurz. Profilschärfung ziele oft auf Abgrenzung. Letztlich gehe es auch für den Priester darum, mit Menschen unterwegs und in Beziehung, ein Gott-Suchender und Brückenbauer zu sein. „Der Priester soll Gemeinschaft stiften, denn Gott ist Gemeinschaft“, so Parzinger. Gott gebe nie nur einen Auftrag, sondern immer auch eine Marschkarte und die nötige Ausstattung. „Deshalb kannst Du und können wir alle unseren Weg als Glaubende gehen.“ Als Geschenk der Pfarrei überreichte Elisabeth Farbacher eine Stola in den Farben des Regenbogens. Bürgermeister Michael Zwick zollte dem Neupriester seine Hochachtung: „In einer Zeit, wo viele sich von der Kirche abwenden und der Mainstream in eine andere Richtung verläuft, hälst du an deiner Überzeugung fest.“ Für die Bruchweilerer Vereine gratulierte Hans Rösch.