Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Händels Oper „Atalanta“ bei den Festspielen

Die Christuskirche in hellem Licht bei der freudigen Schlussszene von Händels Oper „Atalanta“. Rechts Lars Ulrik Mortensen am Pu
Die Christuskirche in hellem Licht bei der freudigen Schlussszene von Händels Oper »Atalanta«. Rechts Lars Ulrik Mortensen am Pult des ganzen Ensembles.

Neben „Tamerlano“ und „Rinaldo“ gibt es bei den Händel-Festspielen in diesem Jahr noch eine weitere Oper des Meisters: „Atalanta“ konzertant in der Christuskirche.

In zwei Jahren werden die Karlsruher Händelfestspiele (die zuerst Händel-Tage hießen) 50 Jahre alt und finden (wegen der Corona-Absage 2021) zum 50. Mal statt. Nach der Aufführung der Oper „Atalanta“ jetzt und der Ankündigung, dass im kommenden Jahr „Faramondo“ und „Il Floridante“ gespielt werden, ist der Verdacht sehr, sehr groß, dass 2028 noch „Sosarme“ (oder dessen Fassung als „Fernando“) kommt und dann in 50 Jahren alle 42 Opern Händels in Karlsruhe gezeigt sein werden.

Die Hirtenoper „Atalanta“, komponiert 1736 zur Feier der Hochzeit des englischen Thronfolgers Friedrich Ludwig mit Prinzessin Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg, erlebte als Ganzes nun konzertant ihre Karlsruher Erstaufführung in der Christuskirche. Ein sehr eingängiges Stück aus dieser Oper gab es schon prominent vor 41 und 40 Jahren bei den Festspielen. Denn in seinem legendären „Pasticcio“ benutzte Jean-Louis Martinoty 1985 und 1986 den Schlusschor aus „Atalanta“ auch als jubelndes Finale.

Dennis Orellana als Meleagro in Händels Oper „Atalanta“.
Dennis Orellana als Meleagro in Händels Oper »Atalanta«.

Das reizvolle Stück im Hirtenmilieu mit einem Nichts an Handlung, bei dem am Ende zwei Paare nach ein bisschen Verwirrung ihr Glück finden, ist sicher in historischer Inszenierung (wie 2005 in Göttingen) gut zu machen. Eine moderne Regie erscheint eher schwierig, so dass die Wahl einer konzertanten Aufführung vernünftig war.

Sehr erfreulich ist die Wiederbegegnung mit dem dänischen Cembalisten und Dirigenten Lars Ulrik Mortensen, einem der prägenden Figuren der Alte-Musik-Szene. Er hatte in Karlsruhe unter anderem schon den „Hercules“ 2022 und 2023 einstudiert und war ein Wunschkandidat der Deutschen Händel-Solisten, die damit auch in diesem Jahr mit einer eigenen neuen Opernproduktion neben der „Rinaldo“-Wiederaufnahme und den Konzerten vertreten sind.

Caterina Sala als Atalante in Händels Oper „Atalanta“.
Caterina Sala als Atalante in Händels Oper »Atalanta«.

Lars Ulrik Mortensen erfüllt die in ihn gesetzten Erwartungen eindrucksvoll und bietet eine außerordentlich lebendige und schillernde Wiedergabe der Musik Händels, die in diesem Fall vorwiegend positiv gestimmt ist, auch wenn es zu einigen amourösen Irrungen und Wirrungen kommt. Die Deutschen Händel-Solisten sind hörbar freudig bei der Sache und folgen Lars Ulrik Mortensen bei seinem facettenreichen und genau ausgestalteten Vortrag der Partitur.

Den Chorpart hat der Kammerchor an der Christuskirche in der Einstudierung von Peter Gortner übernommen, der diesen auswendig, klangschön und feurig singt.

Die Christuskirche in hellem Licht bei der freudigen Schlussszene von Händels Oper „Atalanta“. Rechts Lars Ulrik Mortensen am Pu
Die Christuskirche in hellem Licht bei der freudigen Schlussszene von Händels Oper »Atalanta«. Rechts Lars Ulrik Mortensen am Pult des ganzen Ensembles.

Die männliche Hauptrolle des Stücks ist König Meleagro, der als Hirte Tirsi in arkadischen Gefilden lebt. Händel schrieb die Partie für den Soprankastraten Gioacchino Conti genannt Gizziello, der eine sagenhafte Höhe gehabt haben muss (Händel schrieb nur für ihn die einzigen hohen Cs in seinem Opernwerk). Eine strahlende Höhe hat auch der Sopranist Dennis Orellana aus Honduras, der im vergangenen Jahr glanzvoll den Farinelli-Wettbewerb in Karlsruhe gewonnen hat. Dennis Orellana glänzt jetzt abermals mit seiner bestechenden Virtuosität und berückenden Gesangskunst und macht so seinem berühmten Kollegen alle Ehre.

Die Titelrolle wird von Caterina Sala mit viel Intensität und Spannung, aber auch großer Koloraturenkunst und Wohllaut gesungen. Dem Hirten Aminta gibt der Tenor Moritz Kallenberg eine ebenso noble wie bewegliche musikalische Prägung – und auch Noa Beinart als Irene überzeugt durch Stimmkultur und Stilgefühl. Der Bariton Ögulcan Yilmaz gibt den kleineren Partien des Nicandro und Mercurio prägnantes Profil.

Info

Eine zweite Vorstellung ist am 8. März um 16 Uhr.

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