Kultur Südpfalz Händels „Messias“ zum Einstand
Die neue Aufgabe liege vor ihm wie ein offenes Feld, mit unzähligen Möglichkeiten, es zu beackern, sagt Wolfgang Heilmann. Der neue evangelische Bezirkskantor von Germersheim und Bad Bergzabern mit Dienstsitz Kandel, blickt tatkräftig und neugierig, durchaus auch mit einer Spur heiterer Gelassenheit auf ein Amt, das den 27-jährigen Berufsanfänger nicht ganz frei von „Altlasten“ empfängt. Am 1. Oktober ist Dienstbeginn, die offizielle Einführung in der St. Georgskirche Kandel ist auf 20. Januar, 14.30 Uhr, terminiert. Bad Bergzabern-Germersheim, das im Zuge der Neuausrichtung der protestantischen Kirchenbezirke ebenfalls neue kirchenmusikalische Kantoren-Konstrukt mit Dienstsitz in Kandel, ist neben Landau das zweite Bezirkskantorat in der Südpfalz. 2014 wurde Pirmasens aus dem traditionellen Doppelkantorat mit Bad Bergzabern entlassen und Letzteres mit Germersheim fusioniert. Der erste Kantor im neuen Betätigungsfeld erwies sich als Fehlbesetzung. Man trennte sich gütlich und schuf ein Interim, um Chorarbeit und Orgeldienste abzusichern. Dass die zweite Runde der Kandidaten-Kür für den neu geschaffenen Amtsbereich nach dem personellen Desaster von 2015 nicht einfach werden würde, war allen Beteiligten gewärtig; zumal angesichts eines Stellenprofils, das Schwierigkeiten durch lokale Verzweigung, noch dazu in verschiedenen Kirchenbezirken, und den offensichtlichen Bedarf an Aufbauarbeit beinhaltet. Dass mit Wolfgang Heilmann nun ein äußerst qualifizierter, in allen geforderten Disziplinen versierter und zudem hochmotivierter Kirchenmusiker unter Vertrag steht, stimmt nicht zuletzt Landeskirchenmusikdirektor Jochen Steuerwald zuversichtlich. Der hat den Werdegang des begabten Vorderpfälzers aufmerksam beobachtet und begleitet. Heilmann ist quasi ein „Eigengewächs“, bestens prädestiniert, das frisch kreierte Amtsgebilde zu vitalisieren und nach Kräften zusammenzuführen. Aufgewachsen ist Heilmann in Bad Dürkheim – die Eltern sind Physiker – zusammen mit vier Geschwistern. Als Jugendlicher hat er so ziemlich alles ausgeschöpft, was im kirchenmusikalischen Topf für einen hochbegabten Jugendlichen zubereitet ist. Im Alter von sechs Jahren war er Mitglied der Kurrende an der Schlosskirche, hat im Posaunenchor lokal und landeskirchlich mitgewirkt, erhielt Klavier- und Orgelunterricht und als Sänger in der Evangelischen Jugendkantorei der Pfalz auch chorische Ensemble-Schulung von Feinsten. Das Kirchenmusikalisches Seminar beendete er 2009 mit der C-Prüfung und dem Prädikat „sehr gut“. Nach dem Abitur am Dürkheimer Werner Heisenberg-Gymnasium startete Heilmann sein Kirchenmusikstudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart unter anderem beim „Orgel-Guru“ Ludger Lohmann. Und natürlich war er begeistert vokal in etlichen honorigen Ensembles unterwegs, so dem Württembergischen Kammerchor und dem Philharmonia Chor Stuttgart, zeitweise auch dem Arnold-Schoenberg-Chor in Wien. Praktische Erfahrung als Chorleiter hat Heilmann schon 2010 in Herxheim am Berg gesammelt. Während des Studiums dann in Kirchberg an der Murr, als Regionalkantor für St. Fidelis in Stuttgart und im kirchenmusikalischen Praktikum in Nürtingen. Eine hohe integrativ-soziale Kompetenz spiegelt sich in seinem Engagement als Organisator des Tages für Kirchenmusik und als zeitweises Mitglied des Fakultätsrats, der Studienkommission Kirchenmusik und des Senats der Musikhochschule Stuttgart wider. Im Wintersemester 2016/2017 war Heilmann Erasmus-Stipendiat. Begeistert ist der junge Kantor von der freundlichen Aufnahme in Kandel und der schon jetzt prächtigen Zusammenarbeit mit dem Pfarrer-Ehepaar Mirjam und Arne Dembek. Mit der aktuellen Restaurierung der historischen Stier-Orgel, so Heilmann, eröffneten sich wunderbare Möglichkeiten. Ideen für eine Orgelkonzert-Reihe hat er auch schon. Mit großer Hochachtung verneigt er sich vor Vera Steuerwald. Sie habe die Kantorei Bergzabern über die Vakanzzeit nicht nur am Leben erhalten, sondern auch „ganz fein geschult“, lobt Heilmann, der schon im September in die Probenarbeit zu Händels „Messias“ eingestiegen ist. Am zweiten Adventssonntag, 9. Dezember, soll die Aufführung sein. Neue Sänger können noch dazu kommen. „Über jedes neue Gesicht freue ich mich, biete notfalls noch Sonderproben für Werk-Neulinge an“, wirbt der Kantor. Immer donnerstags, 20 Uhr, trifft sich die Kantorei zur Probe im Haus der Familie, Luitpoldstraße 22, in Bad Bergzabern.