Rheinpfalz Gutachten entlasten BASF
Ludwigshafen. Gut ein halbes Jahr nach der tödlichen Explosion im Nordhafen der BASF in Ludwigshafen, hat der Chemiekonzern gestern den Inhalt einiger Gutachten zu dem Unglück bekanntgegeben. Die Untersuchungen stellen demnach keine Versäumnisse oder Mängel bei dem Chemiekonzern fest, die den Störfall ausgelöst hätten.
Das Unternehmen bezieht sich auf ein Störfallgutachten, das der Tüv Süd im Auftrag der BASF und auf Anordnung der Gewerbeaufsicht bei der Struktur- und Genehmigungsbehörde (SGD) Süd vorgenommen hat. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor: Demnach bescheinigen die Tüv-Gutachter dem Chemiekonzern, dass es keine Defizite bei der Sicherheitstechnik und dem Zustand der Anlagen vor dem Störfall gab. Auch beim Umgang mit Fremdfirmen und dem Notfallmanagement seien keine Versäumnisse oder Mängel bei der BASF festgestellt worden, die das Unglück ausgelöst hätten. Das Störfallgutachten ist in drei Teilbereiche gegliedert. Dabei wurde der „Stand der Technik vor dem Unglück“ untersucht, das „Kontraktoren- und Notfallmanagement“ sowie die Ursache und Abfolge des Störfalls. Das Gesamtgutachten liegt noch nicht vor, aber Teilergebnisse, auf die sich die BASF nun beruft. Es seien „keinerlei Defizite identifiziert worden, die ursächlich für das Ereignis gewesen wären“, hieß es in der gestrigen Mitteilung des Konzerns. „Wie üblich fordern die Überwachungsbehörden nach einem Störfall den Betreiber auf, Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, eine Wiederholung eines solchen Ereignisses zu verhindern“, sagte BASF-Werksleiter Uwe Liebelt. „Dazu liefern die Störfallgutachten wertvolle Hinweise, die wir in unser Konzept zum Wiederaufbau einfließen lassen werden.“ Beim Wiederaufbau der zerstörten Anlagen im Nordhafen, der im Laufe des Jahres abgeschlossen sein soll, will die BASF die Kennzeichnung von Pipelines verbessern, um zu verhindern, dass Rohrleitungen bei Arbeiten verwechselt werden. Das war laut Staatsanwaltschaft dem Mitarbeiter einer Fremdfirma passiert, der mit einem Winkelschleifer eine gefüllte statt eine leere Pipeline angeschnitten und so das Unglück ausgelöst haben soll (wir berichteten). Außerdem will die BASF bei Schneidearbeiten nur noch funkenarme Werkzeuge zulassen. Um die Explosion einer Pipeline zu verhindern, sollen Rohrleitungen künftig mit einer feuerbeständigen Beschichtung isoliert werden. Über die Gutachten und die neuen Sicherheitsmaßnahmen informierte der Konzern gemeinsam mit der Stadt gestern Abend bei einem zweiten „Bürgerdialog“ zu dem Unglück. Noch immer liegt ein verletzter Mitarbeiter der Werkfeuerwehr im Krankenhaus. Er ist einer von 29 Menschen, die bei der Explosion mit nachfolgenden Bränden verletzt wurden. Vier Menschen kamen dabei ums Leben.