Rheinpfalz Grenzüberschreitend und barrierefrei
Während an vielen Orten Europas die Zeichen auf Abgrenzung stehen, schlagen die Verantwortlichen der grenznahen Kommunen einen anderen Weg ein. Michael Zwick, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Dahner Felsenland, und Jean-Marie Haas, Präsident der Verbandsgemeinde Sauer-Pechelbronn, haben eine Unterstützungserklärung zur Förderung des grenzüberschreitenden Fahrradtourismus unterschrieben.
Drei Zielen haben sich die Akteure gesteckt: Grenzüberschreitend sowie barrierefrei sollen die Wege sein und am Ende soll es eine gemeinsame Vermarktungsstrategie geben. Insgesamt 2,2 Millionen Euro sollen zwischen September 2018 und August 2021 in das Radwegenetz zwischen den beiden Kommunalverbänden investiert werden. Die Hälfte davon soll als Zuschuss über Interreg, ein Programm zur Förderung grenzüberschreitender Zusammenarbeit durch die Europäische Union, finanziert werden. Anne Glock, Projektleiterin, und Til Harres, Technischer Leiter, beide von der Verbandsgemeinde Sauer-Pechelbronn, stellten das Projekt beim grenzüberschreitenden Bürgermeister-stammtisch vor. Von deutscher Seite hatten bei der Antragstellung Klaus Burkhart von der Verwaltung der VG Dahner Felsenland und Jaques Noll von der VG-Touristik mitgearbeitet. „Das Projekt ist gut aufgestellt, die technischen Hürden geschafft, nun warten wir auf die politische Absegnung im Juni, die aber kein Problem mehr darstellen sollte“, sagte Glock. Das Ziel des Projektes geht jedoch über eine Radwegeanbindung hinaus. Erreicht werden soll eine grenzüberschreitende Partnerschaft im Radtourismus mit einer gemeinsamen Strategie, die nicht nur die Schaffung der Infrastruktur, sondern auch die anschließende Vermarktung und Platzierung am Markt mit einschließt. Von den 1,1 Millionen Euro, die die Verbandsgemeinden finanzieren müssen, wird der Löwenanteil, nämlich 858.000 Euro, in die Infrastruktur fließen, 129.000 sind für Dienstleistungen vorgesehen und 125.000 für Verwaltungskosten. Die Kosten teilen die beiden Verbandsgemeinden unter sich auf, „aber nicht 50 zu 50, sondern so, wie der Aufwand noch betrieben werden muss“, sagte Charles Schlosser, Bürgermeister der französischen Gemeinde Lembach. „Ihr Deutschen seid uns da ein großes Stück voraus, ihr habt schon viel in euer wunderbares Radwegenetz investiert“, sagte er. „Wir haben hier noch größeren Nachholbedarf und müssen noch verschiedene Partner wie den Forst mit ins Boot holen“. Die VG Sauer-Pechelbronn übernimmt einen Anteil von 891.000 Euro und die VG Dahner Felsenland 221.000 Euro. Zwick machte klar, dass die VG Dahner Felsenland in den vergangenen drei bis vier Jahren 120.000 Euro in den Unterhalt, die Grundsanierung und den Bau von Radwegen investiert habe. „Wenn wir das so weiter finanzieren, sollte es keine größeren Probleme geben. Ich finde, wir sollen, wollen und können uns das leisten im Hinblick auf die Weiterentwicklung des Tourismus in unserer Region“, so Zwick. Jean-Marie Haas dankte allen Beteiligten, die sich „miteinander die Köpfe zerbrochen und Ideen entwickelt haben, wie wir miteinander weiter kommen können und die vor allem auch die in Brüssel, die das Geld geben, von ihren Ideen überzeugen konnten“. Mit dem Projekt könne realisiert werden, wovon man seit über zehn Jahren spreche. Radtourismus sei „in“, sagte Zwick, und wenn es gelinge, in die angestrebte Zertifizierung mit dem neuen Prädikat „barrierefrei“ zu kommen, „können wir ein echtes Alleinstellungsmerkmal erreichen“. Mit einigen Bürgermeistern sei er kürzlich auf der Tourismusmesse in Stuttgart gewesen und habe den Eindruck, dass die, die dabei waren, „verstanden haben, dass wir nicht allein auf dieser Welt sind und dass wir Leistung bringen müssen, denn von alleine kommen die Leute nicht zu uns“.