Rheinpfalz „Gewaltbereitschaft ist gestiegen“

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Jede Menge uniformierte Polizisten im Publikum und am Rednertisch: Die Verbandsgemeinde Oberes Glantal hat am Dienstagabend im Dittweilerer Bürgerhaus den Kriminalpräventiven Rat offiziell ins Leben gerufen. Wie der Name schon sagt, dient das Gremium der Präventions- und Aufklärungsarbeit: Bürger sollen informiert, Senioren unterstützt und dadurch potenzielle Verbrechen verhindert werden.

Statistiken können viel aussagen: Dass Frankfurt die Stadt mit der höchsten Kriminalitätsrate Deutschlands ist und dass man in München am sichersten ist. Doch Zahlen entsprechen selten der menschlichen Wahrnehmung. „Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen objektivem und subjektivem Sicherheitsempfinden“, merkte Verbandsbürgermeister Christoph Lothschütz gleich zu Beginn der Versammlung an. Ein einziger Zwischenfall könne bereits dazu beitragen, dass man sich in seiner Heimatgemeinde nicht mehr sicher fühle. Die Zahl der Fälle von Gewaltkriminalität ist gleich geblieben, wie Wolfgang Schäfer, Leiter der Polizeidirektion Kaiserslautern, bekundete: „Aber die Art der Ausführung hat sich verändert. Die Bürger haben Angst: Es besteht eine viel höhere Bereitschaft zur Gewalt in unserer Gesellschaft als noch vor einigen Jahren. Und die Respektlosigkeit nimmt zu.“ Um diesen sozialen Veränderungen gerecht zu werden, hat sich jetzt auch im Oberen Glantal ein Gremium namens Kriminalpräventiver Rat – oder kurz: Krimi-Rat – gebildet. Diese Gruppe, bestehend aus Kommunalpolitikern, Sozial- und Jugendarbeitern, Sicherheitsberatern und anderen, nimmt eine Vermittlerposition zwischen Behörden, staatlichen Institutionen, kommunalen Einrichtungen und der Bevölkerung ein. In den früheren Verbandsgemeinden Waldmohr und Schönenberg-Kübelberg hatte es bereits jeweils einen solchen Rat gegeben; mit der Neugründung wird nun auch die ehemalige Verbandsgemeinde Glan-Münchweiler eingeschlossen. Wolfgang Schäfer sprach davon, dass Phänomene beobachtet werden müssen, auf die man mit dem Rat dann entsprechend reagieren kann. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ nannte er ein Beispiel: „Fällt eine oder fallen gar mehrere Personen in der näheren Umgebung auf den Enkeltrick herein, kann man diesbezüglich zum Beispiel eine Infoveranstaltung einberufen, um die Menschen zu warnen.“ Der Enkeltrick ist eine inzwischen bekannte Betrugsmasche, bei der Täter sich gegenüber tendenziell älteren, hilflosen Personen als deren Verwandte ausgeben, um an Geld oder Wertgegenstände zu gelangen. Zu allen möglichen Themen lag aber auch am Dienstag bereits reichlich Infomaterial aus: Sicherheitsvorkehrungen gegen Einbrüche, Schutz vor Taschendieben und Bankkartenbetrügern, Umgang mit „falschen Polizeibeamten“ an der Haustür. Mit Veranstaltungen wie etwa Präventionstagen will der Krimi-Rat die Bürger künftig zusätzlich für solche Gefahren sensibilisieren. Auch sei die Gründung von anlass- oder themenbezogenen Projektgruppen möglich. Auf Vorschlag aus dem Publikum wurde Christoph Lothschütz zum Vorsitzenden des Rates gewählt. Die ehrenamtlichen Senioren-Sicherheitsberater erhielten jeweils eine Urkunde. Applaus und lobende Worte für die Gründung des Gremiums gab es unter anderem von Landrat Otto Rubly und Thomas Auler von der Leitstelle Kriminalprävention im Innenministerium in Mainz. Von 100 Krimi-Räten in Rheinland-Pfalz sei etwa ein Drittel nicht mehr aktiv, bemerkte Auler. Lothschütz reagierte prompt darauf: „Das soll bei uns natürlich auf keinen Fall passieren.“ Für Mittwoch, 11. Juli, ist bereits ein Präventionstag in Quirnbach angesetzt.

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