Rheinpfalz Geldeintreiber für die gute Idee
Was haben ein Bunker in Zweibrücken, vegane Schuhe aus Pirmasens und ein Wunder-Schlüssel aus Blieskastel gemeinsam? Eigentlich nichts. Nur: Die Macher aller drei Projekte sammelten Startkapital im Internet ein. Über Crowdfunding.
Die Idee stammt aus den USA und hat sich in den Gründerzentren Deutschlands mittlerweile etabliert. Von dort aus verbreitet sie sich langsam in der Republik. Axel Koch, Leiter der Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer der Universität des Saarlandes, sieht im Crowdfunding großes Potenzial auch für das Saarland und die Westpfalz. „Es gibt viele junge Leute, die vor allem kleine Beträge brauchen. Für sie ist es nicht einfach, Investoren zu finden. Denn die Großinvestoren oder öffentlichen Förderbanken bedienen diese Kleinstkredite nicht. Crowdfunding schließt diese Lücke und wird zunehmen.“ Davon ist Koch überzeugt. „Es finanziert sich nicht jedes zweite Team, das zu uns kommt, über Crowdfunding, aber einige haben sich so schon Geld beschaffen können.“ Sarah Pollinger und Paul Stüssel aus Berlin sind diesen Weg gegangen. 15.000 Euro sammelten sie 2014 per Crowdfunding für ihre Idee, vegane Schuhe herzustellen. Nun werden die Schuhe gefertigt – beim Maßschuhfertiger Ralf Siebert in Pirmasens. Jedoch sind ureigene Gründer in der Südwestpfalz und der Saarpfalz rar. „In der Region spielt Crowdfunding noch keine große Rolle“, berichtet Bernhard Lorig vom Gründungsbüro der Universität und Hochschule Kaiserslautern. Das bestätigt auch die Industrie- und Handelskammer. Es gibt eine Vielzahl von etablierten Wegen, Geld für Unternehmensgründungen zu bekommen. Thomas Pitz von der IHK Saarland bringt es auf den Punkt: „Der klassische Unternehmensgründer lässt sich nicht sponsern.“ Auch der Aufwand schreckt viele ab, die mit dem Gedanken spielen. „Das wird sehr unterschätzt. Für eine Kampagne, die anderthalb Monate dauert, muss man sechs Monate Arbeit investieren“, erklärt Lorig. Tamay Zieske vom Kreativzentrum Saar ist der gleichen Ansicht: „Crowdfunding eignet sich als Finanzierungsmittel für bestimmte Projekte und Produktdetails.“ Den Leuten sei aber oft nicht klar, welcher Aufwand nötig ist. Crowdfunding ist also kein Mittel zur Unternehmens-, allenfalls der Projektfinanzierung. Nicht die großen Summen kommen bislang zusammen. So sammelten Yannik Pfister, Ayan Celebi und Andreas Hemmerling im August lediglich 13.000 Euro. Das reichte aber, um von Blieskastel aus ihren „Wunder-Key“ an den Start zu bringen. Die drei Gründer haben ein innovatives Ordnungssystem für Schlüssel aller Art entwickelt. Verkauft wird über den eigenen Online-Shop. Für größere Vorhaben ist Crowdfunding aber ein gutes Werkzeug, mit dem man prüfen kann, wie eine Idee ankommt. Wer im Internet genug Unterstützer findet, hat ein gewichtiges Argument bei Verhandlungen mit klassischen Geldgebern. Das musste Fabian Krüger mit seinem Projekt eines Gamer-Bunkers auf dem Zweibrücker Flughafengelände erfahren. Von den anvisierten 1,5 Millionen kamen zwar nur 18.000 Euro zusammen. Aber die Idee fand großes Interesse, die Kampagne brachte Krüger in Kontakte mit möglichen Investoren. Eine Marktforschung mit Folgen. Für Kai Utzinger von Start-up Westpfalz ist Crowdfunding „eine ganz tolle Sache. Aber in der Westpfalz existiert die Gründerszene kaum, die es nutzen könnte. Die müssen wir zuerst entstehen lassen“. Und: Es braucht mehr öffentliches Anliegen. „Unterstützer kommen zuerst meist aus dem Bekanntenkreis“, erklärt Sebastian El-Halabi von der Universität Saarbrücken. „Fremde zu überzeugen, ist viel schwieriger.“ Mindestens regional muss man sich erst mal bekanntmachen. (sach)