Karlsruhe
Farinelli-Gala bei den Händel-Festspielen
Zu einem großen Vergnügen und einem entsprechend umjubelten Publikumserfolg wurde die Farinelli-Gala mit zwei Sopranisten und drei Countertenören bei den Karlsruher Händel-Festspielen, die gleichsam den abgesagten Farinelli-Wettbewerb ersetzte.Mangels qualifizierter Teilnehmer wurde der Wettbewerb bekanntermaßen für 2026 abgesagt. 2028 soll der nächste stattfinden. Anstelle des großen Finales gab es eine Farinelli-Gala mit gleich fünf hoch singenden Männern. Schon 1997 hatte es ein Konzert mit drei Countertenören gegeben (2025 wieder eines), 2012 gar eines mit vieren, aber fünf an einem Abend: Das war nun in der Tat etwas ganz Besonderes.
In dem von Intendant Christian Firmbach freudig moderierten Abend waren drei Gewinner des Farinelli-Wettbewerbs vom vergangenen Jahr wieder zu hören, der erste Preisträger Dennis Orellana, der Zweite Rémy Brès-Feuillet und der Gewinner des Publikumspreises Lidor Ram Mesika. Lawrence Zazzo, der derzeit wieder den Rinaldo singt, war der Vierte im Bunde – und schließlich gab der brasilianische Sopranist Bruno de Sá sein Karlsruhe-Debüt. Er wird in „Il Floridante“ im kommenden Jahr wieder zu den Festspielen kommen.
Welche Aussichten! Denn Bruno de Sá gehört zur Stunde zu den größten Stars seiner Zunft, was er bei der Gala mit der furiosen Arie „Disserratevi, o porte d’Averno“ aus Händels „La Resurrezione“ und der Sterbeszene des Aci „Verso già l’alma col sangue“ aus „Aci, Galatea e Polifemo“ auf schlichtweg sensationelle Weise belegte. Dabei fasziniert er nicht allein durch den Glanz seiner Höhe, sondern ebenso durch die Brillanz seiner Zierfiguren und die Ausdruckstiefe seines Vortrags, die nicht zuletzt in der Aci-Arie absolut Staunen machte.
Dennis Orellana ist auch Sopranist. Zwei Tage nach seinem Auftritt in „Atalanta“ begeisterte er zunächst mit „Non son sempre vane larve“ aus „Arminio“ und wandelte damit abermals auf den Spuren des Soprankastraten Gizziello. Furios sang er „Come nube che fugge“ aus „Agrippina“. Rémy Brès-Feuillet sang das berühmte „Verdi prati“ aus Händels „Alcina“ und „Aure, deh, per pietà“ aus „Giulio Cesare“: beides mit großem Stilgefühl und erlesen geführter Stimme. Lidor Ram Mesika, der auch Bariton ist, zeigte seine virtuose Vielseitigkeit als „rasender Roland“ nach Ariost mit „Fammi combattere“ aus Händels „Orlando“ und „Nel profondo“ aus Vivaldis „Orlando Furioso“.
Lawrence Zazzo, der vor 28 Jahren zum ersten Mal in Karlsruhe bei den Festspielen war, belegte seine reife Gestaltungsintensität in „Ombra cara“ aus Händels „Radamisto“ und dem Farinelli-Klassiker „Alto Giove“ aus Porporas „Polifemo“. Die Arie „A dispetto d’un volto ingrato“ aus „Tamerlano“ teilten sich hinreißend Rémy Brès-Feuillet und Lidor Ram Mesika.
Köstlich war auch das Liebesduett aus „Giulio Cesare“ mit Lawrence Zazzo als Cesare und Dennis Orellana als Cleopatra (die hat er wirklich gerade erst auf der Bühne an der Deutschen Oper am Rhein gesungen).
Ein Terzett für drei hohe Stimmen ist „Temi lo sdegno“ aus Porporas Oper „Germanico in Germania“. Bei der Gala jetzt in Karlsruhe wurde es zum Quintett, denn alle fünf bestens gelaunten Sänger teilten die drei Stimmen lustvoll unter sich auf.
Luca Quintavalle leitete vom Cembalo aus das vorzügliche Karlsruher Barockorchester, das einige spritzige Orchesterstücke beisteuerte und die fünf Sänger auf kunstvolle und animierende Weise begleitete.
Es war ja eigentlich nicht die erste Farinelli-Gala bei diesen Festspielen, denn schon am zweiten Tag des Festivals hatte der Sopranist Maayan Licht zusammen mit den Deutschen Händel-Solisten unter Attilio Cremonesi ein berauschendes Konzert gegeben, bei dem er mit sagenhafter Gesangskunst und atemberaubenden Koloraturenfeuerwerken nicht zuletzt auf den Spuren von Farinelli wandelte. Der israelische Sänger glänzte mit einem Kunststück nach dem anderen, sang so manchen Hit der Barockoper von Händel und Zeitgenossen (auch Arien für Frauen) in schillernder und betörender Weise. Zum Schluss pfiff er sogar das Dacapo einer Arie.
Eine aparte Fügung: Bei Maayan Lichts Konzert und der Farinelli-Gala jetzt gab es dieselben Zugaben, nur in umgekehrter Reihenfolge: „Lascia ch’ìo pianga“ aus „Rinaldo“ und „Da tempeste“ aus „Giulio Cesare“. Bei letzterer gab es bei Licht dessen „Pfeifkonzert“ zum Ausklang, bei den Sängern der Gala markierte Almirenas Klagegesang den Abschluss – und das im zartesten Piano und im teilweise a capella gesungenen mehrstimmigen Satz der fünf. Das war nun wirklich ein ebenso einmaliges wie beglückendes musikalisches Erlebnis. Intendant Firmbach hatte da nicht zu viel versprochen.