Rheinpfalz Faible für Dickschiffe aus den Staaten
Über der Hauensteiner Bahnhofstraße wehen „Stars and Stripes“. Und unter dem Sternenbanner finden sich immer wieder Fahrzeuge ein, deren Design und Ausmaße unschwer auf ihre Herkunft aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten schließen lassen.
Warum dem so ist? Nun: Matthias Engel hat an und in der früheren Esso-Tankstelle seinen „Hilmar’s Speed Shop“ („HSS“) eingerichtet, der zum einen Auto-Aufbereitung jeder Art und Reifenmontage anbietet, sich zum anderen aber auf US-Cars spezialisiert und den An- und Verkauf von Teilen für amerikanische Fahrzeuge im Portfolio hat. „Ich bin mit Benzin im Blut große geworden“, sagt der 28-Jährige, der bei Daimler in Wörth in der Motorenfertigung beschäftigt ist. Sein Vater betrieb in der Heinrich-Keller-Straße eine Spezial-Lackiererei, in der sich auch immer wieder Freunde der amerikanischen Edelbikes Harley Davidson einfanden. „Damit bin ich aufgewachsen“, berichtet Matthias Engel. Auch das Faible für nordamerikanische Schlitten fußt auf einem Stück Familiengeschichte: Großvater Hilmar – er lebt im Namen weiter – war nach Kanada ausgewandert und lebte mit seiner Familie viele Jahre dort. Auch nach der Rückkehr in die Pfalz blieb die Familie der früheren Wahlheimat verbunden. Und so versteht Matthias Engel seinen „HSS“ auch als intensivere Variante eines liebgewordenen Hobbys, das seine Wurzel in der eigenen Vita hat. Er selbst fährt einen Buick aus dem Jahr 1977. Erstanden hat er den schwarz-weißen Straßenkreuzer als Unfallwagen in der Schweiz, hat ihn komplett wieder aufgebaut und repariert. „Eigentlich sollte das ein Gag nur für die Strooßefaasnaacht werden“, berichtet er. Auch deshalb wurde auf dem Dach eine rot-blau lackierte Werkstattleuchte montiert, die dem fast 40 Jahre alten Buick die Anmutung eines amerikanischen Polizeifahrzeugs gibt. „Ich wurde deshalb schon ein paar Mal von der Polizei kontrolliert. Mit dem Ergebnis, dass alles seine Ordnung hat.“ Die technischen Daten des aus dem Hause General Motors stammenden Fahrzeugs mit den ausladenden Sitzen sind beeindruckend: Der V8-Motor hat einen Hubraum von 5,7 Liter, der für 220 PS sorgt und kein Kostverächter ist: Im „Normalfall“ laufen schon 20 Liter Sprit auf 100 Kilometer aus dem Tank in die Maschine. „Bei einer Fahrt ins Allgäu hat er sich aber auch schon mit elf Litern zufriedengegeben, was auch dem Tempomat zu verdanken war“, erzählt Matthias Engel, dessen Fahrzeug auch als „Hochzeitskutsche“ gebucht werden kann. Auf dem Hof steht Engels zweiter US-Car: Ein Chevrolet Stepside ist es, ein Pick-Up aus dem Baujahr 1953, den er in Bundenthal entdeckt hatte: „Zwei Jahre habe ich mit dem Vorbesitzer gekämpft, ehe ich ihn hatte.“ Und mit dem 63 Jahre alten Oldie hat er noch einiges vor. Im Moment wird der Chevy von einem Motor aus einem Opel Monza angetrieben. Das soll aber nicht so bleiben: Übers Internet hat Engel einen Original-V8-Motor gefunden. Auf einem Flugplatz war er eingesetzt, um Segelflugzeuge per Winde in die Luft zu bringen. Jetzt wartet er in der ganz neu eingerichteten Werkstatt der alten Tanke darauf, verbaut zu werden. Bis das soweit ist, wird’s noch dauern: Engel will – und dabei baut er auch auf die Hilfe seines Vaters, der die Rente im Blick hat – den Pick-Up einer sogenannten „frame off“-Restaurierung unterziehen, bei der die Karosserie vom Fahrgestell getrennt wird, um möglichst alle Teile sorgsam restaurieren, konservieren und total neu aufbauen zu können. Mattgrau soll er später lackiert werden. Und gerade, als Engel seine Pläne erläutert, rollt Philipp Seibel mit seinem weißen Ford-Pick-Up F100 aus dem Jahr 1954 auf den Hof. Das Fahrzeug hat die „frame off“-Restauration bereits hinter sich. Fotos belegen, aus welchem Rost- und Schrotthaufen das Schmuckstück entstanden ist. Die alte Tankstelle ist ein Treffpunkt Gleichgesinnter: Bald nach Philipp Seibel kommt Alexander Seibel mit seinem giftgrünen Plymouth Cuda aus den 70ern, den der Hauensteiner in Österreich erworben hat. Engel, die beiden Seibels und Kevin Hofmann planen übrigens einen dreiwöchigen Trip in die Heimat ihrer Fahrzeuge. Im Mai starten sie nach Portland/Oregon: Sie haben vor, sich dort Harleys zu kaufen und damit über Land zu fahren. Und wollen dabei immer Ausschau nach automobilen Schätzchen halten: Matthias Engel hat einen Chevrolet „Hot Rot“ im Auge, ein speziell modifiziertes Modell aus den 1920er bis 1940er Jahren, bei dem in der Regel der Originalmotor durch ein leistungsstarkes Aggregat ersetzt und die Karosserie aus optischen Gründen umfangreich verändert wurde. Und für einen Bekannten soll das Quartett einen 69er Ford Pickup F 250 besorgen. Per Container sollen die Fahrzeuge in die Heimat gebracht werden: „Da sind wir am Rumtelefonieren, wie wir das am cleversten machen.“ Engel will die USA-Reise auch nutzen, um Geschäftskontakte zu knüpfen, die ihm erlauben, die US-Car-Szene der Region künftig verstärkt mit Original-Teilen zu versorgen. Auch sonst hat er einiges vor: Der ehemaligen Tankstelle, die er schon mit ausgedienten Avia-Tanksäulen bestückt hat, will er mit historischer Leuchtreklame die Anmutung einer US-Tankstelle aus den 60ern geben. „Mal sehen, was sich dafür in den Staaten findet“, meint er. Man darf gespannt sein.