Eisenberg „Erdogan soll in der Türkei bleiben“

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Heute um 17 Uhr wird der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in der Kölner Lanxess-Arena vor mehr als 20.000 Anhängern sprechen. Offizieller Anlass ist das zehnjährige Jubiläum der Union Europäisch-Türkischer Demokraten. Andere sind der Meinung, Erdogan betreibe Wahlkampf bei den Türken in Deutschland. Was sagen die türkischstämmigen Menschen in Eisenberg, einer Stadt mit einer großen türkischen Gemeinde, dazu?

Ender Önder, der für die SPD bei der Wahl zum Eisenberger Stadtrat, zum Verbandsgemeinderat und zum Donnersberger Kreistag antritt, verteidigt den kontrovers diskutierten Auftritt: „Erdogan war schon öfter hier, nur jetzt wird das in den Medien so gepusht.“ Seiner Meinung nach haben die in Deutschland lebenden Türken das Recht darauf, ihren Ministerpräsidenten anzuhören. Es sei normal für einen Regierungschef, andere Staaten zu besuchen und mit seinen Landsleuten zu sprechen. Der seit 1995 in Deutschland lebende türkischstämmige Unternehmer findet, der Grund für Erdogans Besuch sei nicht der Wahlkampf in der Türkei. „Wenn er sachlich bleibt, ist doch alles gut.“ Önder selbst besitzt zwar das aktive Wahlrecht in der Türkei, geht aber selbst nicht zur Wahl. Mit der aktuellen Politik in der Türkei habe er sich zu wenig befasst, begründet er das. „Wenn man wählt, muss man auch überlegen, wie man wählt“, findet Önder. Er betont, es sei jedem selbst überlassen, was er von Erdogans Auftritt hält. Ihn störe allerdings, dass die Medien es zum Thema machten. Wenn der Besuch so kontrovers diskutiert wird, so Önder, sei das ein Zeichen dafür, dass Integration in Deutschland nicht geklappt hat. „Erdogan soll in der Türkei bleiben“, findet hingegen Ali Cil. Der türkischstämmige Dönerimbiss-Betreiber wird heute zusammen mit über 30.000 Menschen in Köln sein. Nicht aber, um dem türkischen Ministerpräsidenten zuzujubeln, sondern um gegen ihn zu demonstrieren. Er findet, Erdogan sei ein Faschist und habe in einem Land mit freiheitlich-demokratischen Grundsätzen nichts zu suchen. Cil war auch schon bei vorherigen Demonstrationen gegen Erdogans Politik in Dortmund und Berlin. „In der Türkei wird er als Rechtsradikaler bezeichnet und hier macht er einen auf Demokrat“, sagt Cil, der seit 1974 in Deutschland lebt. Er hat zudem Angst, dass die – in seinen Augen faschistische – türkische Politik nach Deutschland gelangt. Es sei eine schlimme Politik, die dort betrieben wird, findet er und berichtet von türkischen Organisationen, die versuchten über ihre Anhänger die deutsche Politik zu unterwandern. „Man muss aufpassen, dass solche Personen nicht in unsere Parlamente kommen“, sagt er. Der Deutsch-Türke kennt jedoch auch viele Menschen mit türkischem Migrationshintergrund, die sich positiv in der deutschen Politik engagieren. Sowohl auf kommunaler, als auch auf Landes- und Bundesebene. Yasar Cimsit, Vorsitzender des Beirates für Migration und Integration der Stadt Eisenberg, ist von der nicht gewusst, dass Erdogan einen Wahlkampfauftritt in Deutschland habe, sagt er. „Ich habe mich ausschließlich auf die Kommunalwahlen vorbereitet“, betont der 50-jährige, der als Spitzenkandidat der Grünen für den Eisenberger Stadtrat antritt und auch in den Verbandsgemeinderat einziehen will. An der türkischen Politik habe er kein Interesse, sagt Cimsit, der von 1999 bis 2012 Vorsitzender des Regionalverbands Rhein-Neckar-Saar der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs war, die ihre Wurzeln im türkischen Nationalismus hat.

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