Kultur Südpfalz Englische Weihnacht

Stiftskantor Stefan Viegelahn hat für das Adventskonzert am 14. Dezember, 18 Uhr, in der Stiftskirche drei weihnachtliche Werke für Chor, Soli und Instrumente aus dem England der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgesucht.

So ist die 1912 entstandene „Fantasia on Christmas Carols“ von Ralph Vaughan Williams beseelt von einem wunderbar frischen, melodieseligen Duktus – und scheint doch am Ende mit vierfachem Piano in der nachdenkliche Stille des „Fin de Siècle“ zu verglimmen. Vier beliebte Weihnachtschoräle und Fragmente weiterer englischer „Gassenhauser“ hat Williams zu effektreichen Trialogen zwischen Solist (Bariton), Chorgruppen und dem mit Streichern, Orgel und Glocken wirkungsvoll besetzten Orchester verknüpft. Ende der 1940er-Jahre schrieb Gerald Finzi, Brite mit italienisch-deutsch-jüdischen Wurzeln, sein „In Terra Pax“, das die Weihnachtsgeschichte anhand der Verkündigung an die Hirten durch den Engel musikalisch bebildert. Eingebettet in zwei lyrische Erzählungen des Bariton-Solisten nach Worten des Dichters Robert Bridges dramatisieren Sopran-Solistin und Chor die nächtliche Hirtenszene, wie sie das Lukas-Evangelium beschreibt. Zum technisch teils hochanspruchsvollen Part der Streicher gesellt sich das besondere Kolorit der üppigen Harfen-Kaskaden (Bibiana Rost, Stuttgart). Das titelgebende Werk, „Saint Nicolas“, entstand 1948 als Auftragswerk für die Hundertjahrfeier des Lancing Colleges in Sussex, der Text stammt von Eric Crozier. Benjamin Britten selbst bezeichnete seine Komposition bescheiden als Kantate, obwohl das dramatisch aufbereitete Geschehen die Abfolge von bewegten Chor-Passagen, Chorälen, ariosen und rezitativischen Teilen, dazu die farbig wechselnde und überhaupt aufwendige Besetzung eher die Bezeichnung Oratorium nahelegen. In neun Abschnitten wird das wohltätige Leben des Heiligen Nikolaus, Bischof zu Myra, geschildert und Britten – Dramatiker durch und durch – operiert sehr präzise mit seinem bereitgehaltenen Fundus. Der ist nicht eben karg. Zur instrumentalen Basis aus Streichern, Orgel und zwei Klavieren gesellt sich ein opulentes Arsenal an Percussion, der vierstimmige Chor separiert sich gelegentlich in Frauen- und Männerstimmen, ein Kinderchor agiert explizit von der Empore (mit Ko-Dirigent), Nicolas, der Titelheld, ist eine leuchtende Tenor-Partie. Dass Britten diese Komposition für eine zumindest teilweise aus Laien bestehende Besetzung schrieb, schmälert keineswegs den musikalischen Rang des Werks, erst recht nicht tat es seiner Popularität Abbruch. Unter Stefan Viegelahn musizieren mit der Landauer Stiftskantorei Veronika Wiedekind, Sopran, Andreas Wagner, Tenor, Michael Marz, Bariton, Verena Börsch und Karl-Heinz Simon, Klavier, Bastian Bohrmann, Orgel, die Landauer Jugendkantorei (Ko-Leitung: Clara Steuerwald) und das Südpfälzische Kammerorchester.

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