Rheinpfalz Endlich

1491c400cd16ff12.jpg

Deutschland gewinnt gegen Italien nach Elfmeterschießen und beendet damit

den Fluch gegen die „Squadra Azzurra“. Erstmals setzt sich die DFB-Elf bei einem großen Turnier gegen Italien durch.

Da ist er endlich, der ersehnte erste Turniersieg über Italien. Im EM-Viertelfinale hat ihn der Weltmeister gestern Abend endlich unter Dach und Fach gebracht. Aber es war reines Glück, denn er kam im Elfmeterschießen zustande. Nach 90 Minuten hatte es 1:1 gestanden, nach abermaliger Verlängerung immer noch. Und so standen am Ende die Torhüter Manuel Neuer und Gianluigi Buffon im Mittelpunkt. Es war eine reine Nervenschlacht mit Fehlversuchen von Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil, der nur den Pfosten traf. Doch am Ende der Lotterie setzte Jonas Hector den Ball zum Sieg in die Maschen. Zuvor hatte Neuer den Ball von Matteo Darmian pariert. Joachim Löw hat gegen die starken Italiener eine Überraschung landen wollen. In Benedikt Höwedes kehrte ein gestandener Weltmeister in die Startelf zurück – und zwar als rechter Mann einer Dreierkette. Mit einer solchen war ja auch am 29. März der 4:1-Testspielsieg über Italien gelungen. Das hieß dennoch nicht, dass Joshua Kimmich draußen war, er war nur weiter vorne auf dem rechten Flügel. Für Kimmich weichen musste der Matchwinner vom Achtelfinale, Julian Draxler. Müller bekam, was er so gut gebrauchen kann: alle Freiheiten der Welt und teilte sich den Job ganz vorne mit Mario Gomez. Vor vier Jahren hatte Löw im EM-Halbfinale sich gegen die „Azzurri“ verzockt, als er Toni Kroos als Beschatter für Andrea Pirlo einbaute. Nun also das Gegenteil, Deutschland im Angriffsmodus mit zwei Spitzen. Im defensiven Mittelfeld war das Duo Khedira/Kroos schnell gesprengt. Nach einer Viertelstunde musste Khedira nämlich verletzt raus. Für ihn kam Bastian Schweinsteiger, der sich nahtlos einfügte. Das Spiel war so wie es hatte erwartet werden können. Die Italiener ließen ihren Gegner mal machen. Es ist ja auch clever den anderen die Drecksarbeit machen zu lassen, um dann – wenn sich die Gelegenheit bietet – eiskalt zuzuschlagen. Kurz vor der Pause war sie da. Ein Ball auf Emanuele Giaccherini schien zu lang, doch er holte ihn sich noch und brachte ihn sehr gefährlich nach innen. Es herrschte kurze Verwirrung. Stefano Sturaros abgefälschter Nachschuss ging knapp am Tor vorbei. Es schien alles ganz gut zu laufen, aber die zündenden Ideen fehlten gegen das Defensivbollwerk vor Gigi Buffons Tor. Nach der Pause wurde es besser. Und endlich gab es auch eine erste richtig gute Chance. Gomez legte unter Bedrängnis ab. Müller hätte getroffen, wenn Florenzi nicht artistisch den Fuß an die Kugel gebracht hätte (54.). Der Gegner hingegen übte sich in der ersten Viertelstunde nach dem Seitenwechsel in einer anderen Disziplin: Karten sammeln. Drei Stück gab es in den 15 Minuten. Und die deutschen Fans sangen „Vaffanculo“ und „Scheiß-Italiener“. Wenig später hatten sie dann Besseres zu tun. Nämlich das 1:0 zu bejubeln, das Mesut Özil machte (65.). Mario Gomez hatte sich auf der linken Seite gut durchgetankt und traumhaft durchgesteckt für Jonas Hector, der den Ball nun noch in die Mitte schieben musste und da war Özil, der allerdings Glück hatte, dass das Zuspiel abgefälscht worden war. Der legte Gomez nur drei Minuten später auch einen Traumball auf, doch er scheiterte bei seinem klasse Versuch mit der Hacke am super reagierenden Buffon. Der Plan war auf dem besten Weg aufzugehen. Die Mannschaft war nicht in Rückstand geraten, hatte dafür ihr Tor gemacht. Aber der eine Treffer reichte nicht. Bei einer Hereingabe Florenzis wird Jérôme Boateng am Oberarm erwischt. Und Bonucci verwandelte den folgenden Handelfmeter ganz sicher gegen Neuer (79.). Die letzten zehn Minuten der regulären Spielzeit wurden zu einem offenen Schlagabtausch, wobei Italien nun mehr investierte. Aber nicht genug für ein Tor. Es ging in die Nachspielzeit, in der die „Azzurri“ mit sehr viel Biss zur Sachen gingen. Einen starken Konter gab es für Löws Mannschaft. Doch Draxler spielte auf Müller einen zu steilen Ball (109.). Zuviel riskieren wollte der Weltmeister nicht. Bei der EM in Frankreich ist bisher alles ruhiggeblieben, und doch hat der die Welt erschütternde Terror gestern Abend das Turnier erreicht. Nach der Geiselnahme in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, bei der neun italienische Staatsbürger ihr Leben gelassen haben, gab es vor dem Anpfiff eine Schweigeminute – die eine Klatschminute wurde.

1491c40011296ade.jpg
x