Kaiserslautern Die Vorbereitungen für das Barbarossa-Land sind fast abgeschlossen (mit Bildergalerie)

Letzte Aufbauarbeiten: Am Donnerstagnachmittag waren an vielen Fahrgeschäften nur noch Kleinigkeiten zu erledigen.
Letzte Aufbauarbeiten: Am Donnerstagnachmittag waren an vielen Fahrgeschäften nur noch Kleinigkeiten zu erledigen.

Es sieht aus wie eine kleine Oktoberkerwe – doch für die Beteiligten ist der mobile Freizeitpark in vielerlei Hinsicht eine große Sache. Mit dem Barbarossa-Land wollen die Schausteller beweisen, dass man trotz Corona in Fahrgeschäften Spaß haben kann. Doch nicht nur das Wetter könnte ihnen dabei einen Strich durch die Rechnung machen.

Donnerstagnachmittag, Ortstermin auf dem Messeplatz. Die Fahrgeschäfte und Buden stehen schon, auf den Wegen sind weiße Pfeile zu erkennen. „Wir haben eine Einbahnstraßenregelung“, erklärt Susanne Henn-Marker, Vorsitzende des Schaustellerverbands Barbarossa Saar-Pfalz. Damit soll der Besucherstrom gelenkt werden. Unter der Ägide ihres Verbands ist der mobile Freizeitpark, das Barbarossa-Land, auf die Beine gestellt worden. Gleich mehrere Kinder-Karussells, Auto-Scooter, Geisterbahn, Achterbahn und weitere Fahrgeschäfte warten ab Freitag auf gut der Hälfte der Messeplatz-Fläche auf Gäste.

Letzte Aufbauarbeiten: Am Donnerstagnachmittag waren an vielen Fahrgeschäften nur noch Kleinigkeiten zu erledigen.
Letzte Aufbauarbeiten: Am Donnerstagnachmittag waren an vielen Fahrgeschäften nur noch Kleinigkeiten zu erledigen.
Die Regeln auf einen Blick: die Barbarossa-Land-Organisatoren Andreas Göbel, Roswitha Henn-Nickel und Susanne Henn-Marker (recht
Die Regeln auf einen Blick: die Barbarossa-Land-Organisatoren Andreas Göbel, Roswitha Henn-Nickel und Susanne Henn-Marker (rechts) zeigen eins der Hinweisschilder.
Die Riesenrutsche ist, der Name verrät’s, riesig – und schon aus der Ferne zu sehen.
Die Riesenrutsche ist, der Name verrät’s, riesig – und schon aus der Ferne zu sehen.
Essen und Getränke gibt’s im Barbarossa-Land auch – natürlich mit reichlich Abstand.
Essen und Getränke gibt’s im Barbarossa-Land auch – natürlich mit reichlich Abstand.
Roswitha Henn Nickel: "Am Eingang und auf dem Gelände wird Security unterwegs sein und darauf achten, dass sich die Besucher an
Roswitha Henn Nickel: „Am Eingang und auf dem Gelände wird Security unterwegs sein und darauf achten, dass sich die Besucher an die Regeln halten.“
Die Wilde-Maus-Achterbahn gehört zu den größten Attraktionen im Barbarossa-Land auf dem Messeplatz.
Die Wilde-Maus-Achterbahn gehört zu den größten Attraktionen im Barbarossa-Land auf dem Messeplatz.
Organisatorin Susanne Henn-Marker: "Sollten die Zahlen stark steigen, könnte dass das Aus für das Barbarossa-Land bedeuten. Trot
Organisatorin Susanne Henn-Marker: „Sollten die Zahlen stark steigen, könnte dass das Aus für das Barbarossa-Land bedeuten. Trotz aller Vorsicht.“
Für alle Altersklassen soll es in den kommenden drei Wochen auf dem Messeplatz etwas zu tun geben.
Für alle Altersklassen soll es in den kommenden drei Wochen auf dem Messeplatz etwas zu tun geben.
Abstands- und Hygieneregeln dürfen an keinem Fahrgeschäft fehlen.
Abstands- und Hygieneregeln dürfen an keinem Fahrgeschäft fehlen.
Die XXL-Schaukel wäre derzeit – ohne Corona – eigentlich im süddeutschen Raum unterwegs. Nun steht sie statt auf der Münchner Wi
Die XXL-Schaukel wäre derzeit – ohne Corona – eigentlich im süddeutschen Raum unterwegs. Nun steht sie statt auf der Münchner Wiesn auf dem Lautrer Messeplatz.

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Dass die kommen dürfen, daran hat Marktmeister Dietmar Keller keine Zweifel. Er schaut sich gerade mit Michael Schober vom Ordnungsamt den temporären Park an, ist bereits seit Wochen eng in die Planung mit eingebunden. Drei Meter Abstand zwischen den Geschäften – ob Fahr-, Spiel- oder Essengeschäft – sind Pflicht, Hinweise aufs Maskentragen und Abstandhalten ebenso. Schober: „Auf den Wegen muss keine Maske getragen werden, in den Fahrgeschäften und den Schlangen der Geschäfte dagegen schon.“ Er kündigt an, dass das Ordnungsamt immer mal wieder auf dem Gelände vorbeischaut.

„Wir wollen zeigen, dass Kerwe geht“

Roswitha Henn-Nickel, ebenfalls Schaustellerin aus Kaiserslautern, erläutert: „Am Eingang und auf dem Gelände wird Security unterwegs sein und darauf achten, dass sich die Besucher an die Regeln halten.“ Die beiden Schaustellerinnen wissen, dass viel auf dem Spiel steht: „Mit Blick auf das nächste Jahr wollen wir zeigen, dass Kerwe geht. Damit die Stadtverwaltung 2021 die Maikerwe veranstalten kann.“ Ihre Branche leide massiv unter den Coronaverordnungen, erzählen die beiden Frauen: „Deswegen sind alle froh, die hier in Kaiserslautern ihr Geschäft aufbauen können. Es ist ein Anfang gemacht.“

Erfahrungen mit einem solchen mobilen Freizeitpark hat Andreas Göbel in seiner Heimatstadt Worms gemacht. Dort war für einige Wochen das Nibelungen-Land aufgebaut, von dem einige Schausteller jetzt nahtlos nach Kaiserslautern gewechselt seien: „Dort hat das Konzept mit Hygiene und Abstand bestens funktioniert.“ Göbel sagt: „Corona wird uns auch noch im kommenden Jahr begleiten, und wenn wir Schausteller jetzt einfach sang- und klanglos aus der Öffentlichkeit verschwinden würden, käme irgendwann der Punkt, an dem man uns nicht mehr vermisst.“

Die Fahrpreise trotz allem nicht erhöht

Damit genau das nicht passiert, sind im Barbarossa-Land ein paar richtig große Attraktionen zu finden, beispielsweise eine Wilde-Maus- Achterbahn oder eine Riesenrutsche. Stolz ist das Trio – die Henn-Schwestern und Göbel – auf eine XXL-Schaukel, die derzeit eigentlich im süddeutschen Raum unterwegs gewesen wäre, nun aber statt auf der Münchner Wiesn auf dem Lautrer Messeplatz stehe. Dazu gibt’s Essensstände und Spielbuden. Henn-Marker betont: „Wir haben die Preise nicht erhöht. Familien sollen eine gute Zeit bei uns erleben können.“

Doch selbst wenn sich auf dem Gelände alle der maximal 1200 gleichzeitig erlaubten Besucher penibel an die Vorgaben halten, könnten steigende Corona-Zahlen den Schaustellern böse mitspielen, befürchtet Henn-Marker: „Sollten die Zahlen stark steigen, könnte das das Aus für das Barbarossa-Land bedeuten. Trotz aller Vorsicht.“ Und ihre Schwester ergänzt: „Perspektivisch ist dann der Weihnachtsmarkt mit dem neuen Konzept ebenfalls gefährdet.“ Beide appellieren an das Verantwortungsbewusstsein aller, sich angemessen zu verhalten.

Gutes Miteinander zwischen Schaustellern und Verwaltung

Dass die Stadtverwaltung mit Rat und Tat bei der Planung zur Seite stand, rechnen ihr die Schaustellerinnen hoch an. Ebenso, dass keine Platzgelder verlangt werden und der Messeplatz kostenfrei zur Verfügung steht. Durch Absperrungen, Security und die Sanitäranlagen kommen allerdings dennoch Kosten zusammen, die von den Schaustellern gemeinsam getragen werden – und zum Teil vom Zwei-Euro-Eintritt der Besucher gedeckt werden. Als Gegenwert gibt’s vier 50-Cent-Bons, die an allen Geschäften eingelöst werden können.

Info

Das Barbarossa-Land auf dem Messeplatz ist vom 9. Oktober bis zum 1. November jeweils Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 22 Uhr geöffnet. Besucher müssen sich am Eingang mit Namen und Kontaktdaten registrieren, in bestimmten Bereichen des umzäunten Geländes gilt eine Maskenpflicht.

Einwurf: Herausforderung Barbarossa-Land

Die Rahmenbedingungen für ein Gelingen des Barbarossa-Lands sind, sagen wir mal, herausfordernd: Das Wetter ist für Aufenthalte unter freiem Himmel derzeit eher suboptimal, da zu nass. Die Corona-Infektionszahlen steigen (bundesweit) von Tag zu Tag, und alle Aktivitäten, die nicht zwingend sein müssen, werden vermehrt hinterfragt werden. Man will mit den Schaustellern wirklich nicht tauschen, denn der Aufwand, der ins Barbarossa-Land fließt, ist beträchtlich, während das Auskommen fraglich ist. Eins beweisen die Männer und Frauen aber, die in den kommenden Wochen auf dem Messeplatz an ihren Fahrgeschäften und Essensbuden stehen: Willen. Den Willen, trotz aller Widrigkeiten zu zeigen: Wir sind noch da!