Klingenmünster RHEINPFALZ Plus Artikel „Die unheilige Johanna von Orléans“ als Freilufttheater auf der Burg Landeck

Brigitte Urhausen spielt den intensiven Monolog.
Brigitte Urhausen spielt den intensiven Monolog.

Das Programm der Kulturinitiative Winzergasse Gleiszellen wächst und wächst. In diesem Jahr kommt zum Stationentheater noch ein Freilichttheater-Wochenende auf der Landeck.

Die Gelegenheit war so günstig, die konnten sich die Theaterleute um die Schauspielerin Brigitte Urhausen und den Bühnenbildner Jörg Brombacher einfach nicht entgehen lassen. Die beiden Wahl-Südpfälzer waren bei der Produktion von Rafael David Kohns Stück „Die unheilige Johanna von Orléans“ für das Kasemattentheater Luxemburg beteiligt: Sie spielt als gebürtige Luxemburgerin die Hauptrolle in dem Theatermonolog, er hat das Bühnenbild geschaffen.

Im November war Uraufführung. Wie die meisten freien Produktionen wurde das Stück nach fünf Vorstellungen abgesetzt, dann sei das Besucherpotenzial des kleinen Landes ausgeschöpft, erzählt Brombacher. Das Kasemattentheater mit seinen 80 Plätzen sei eins von mehreren freien Theatern, die vom Förderfonds des Vielsprachenstaats gut unterstützt würden. Es gebe deutsche, französische und luxemburgische Bühnen.

Doch die Produktion sei zu schade, um sie einfach einzustampfen, fanden die Kollegen, und überließen sie den Winzergässlern von Gleiszellen, ohne eine Produktionskostenbeteiligung einzufordern. Nur der Autor erhält zehn Prozent der Eintrittsgelder als Tantiemen, sagt Brombacher.

Das Bühgnenbild mit dem stilisierten Scheiterhaufen aus Stahl stammt von Jörg Brombacher.
Das Bühgnenbild mit dem stilisierten Scheiterhaufen aus Stahl stammt von Jörg Brombacher.

So kam es also, dass das Stück auch in der Südpfalz gespielt werden kann: bei zwei Vorstellungen auf der Burg Landeck bei Klingenmünster. Hier war die Kulturinitiative 2025 schon mit ihrem „Faust“-Stationentheater zu Gast. Und die Erfahrungen vom Landeckverein seien so gut gewesen, dass die Truppe gerne wieder kommen darf, sagt der Vorsitzende Ralf Altherr. „Die Vorstellungen mit der tollen Atmosphäre passen hervorragend in das Konzept des Landeck-Vereins, der mehr Kultur auf die Burg bringen will.“ Hier ist es auch kein Problem, wenn die Winzergässler von Besuchern schier überrannt werden wie 2025 bei der letzten Vorstellung auf dem Slevogthof.

Und darum geht’s in dem intensiven Stück: Der Autor Rafael David Kohn, einer der produktivsten Luxemburgs, der auch Stationentheater für die Winzergässler schreibt, spinnt eine Erzählung weiter, die sich in manchen Überlieferungen findet. Der zufolge ist auf dem Scheiterhaufen eine andere an Jeanne d’Arcs Stelle verbrannt. Jedenfalls soll eine Frau in Luxemburg aufgetaucht sein, die ihr sehr ähnlich sah. Und Johannas Brüder sollen Zeugnis abgelegt haben über die Echtheit der Heeresführerin, die während des Hundertjährigen Krieges dem Dauphin und späteren französischen König Karl VII. zu einem Sieg über Engländer und Burgunder verhalf. Ihr Motiv: Sie wollten den gesellschaftlichen Stand nicht verlieren, der ihnen die geadelte Schwester garantierte.

Die Frau als Heilige und Hure von den Männern instrumentalisiert.
Die Frau als Heilige und Hure von den Männern instrumentalisiert.

Im Zentrum von Kohns Monolog steht der innere Konflikt der Frau, die als Mutter zweier Kinder gar nichts mit der heiligen Johanna am Hut hat und jetzt Angst vor einer Enttarnung haben muss. In diese Zerrissenheit wird sie von der Männerwelt getrieben. Für Brombacher ein #MeToo-Thema: eine Frau als Spielball von Männern.

Brigitte Urhausen, die vor allem durch ihre Rolle als Kommissarin im Tatort aus Saarbrücken bekannt ist, war beim ersten Lesen des Stücks gleich gepackt, wie sie telefonisch am Rande von Proben für eine andere Produktion in Luxemburg erzählt. Man wisse nie genau, als wer sie gerade spricht. „Sie lebt schon so lange in der Haut von Jeanne d’Arc, dass sich die Grenzen zu ihrem wahren Ich verwässert haben, fast wie bei einer multiplen Persönlichkeit.“

Ihr erster Eindruck von dieser Figur: Was für eine Hochstaplerin! „Sie wollte so gar nicht in das heilige, heldenhafte Bild einer Jeanne d’Arc passen. Und dann haben wir festgestellt, dass sie eine Antiheldin ist und zutiefst menschlich. Sie legt in einer Stunde alles offen, was an Gedanken und Gefühlen in ihr brodelt, und ist dabei zutiefst ehrlich mit sich selbst.“ „Die unheilige Johanna von Orléans“ sei ein „feministisches Antikriegsstück“, in dem die Erkenntnis reife, wie viel Verantwortung Macht mit sich bringt, wie leicht und unnötig Kriege am Laufen gehalten werden. „Man möchte es herausschreien“, sagt die Schauspielerin.

Das Jazztrio von Pianist Adrian Rinck mit Bassist Jan Kappes und Schlagzeuger Julian Losigkeit begleitet die Vorstellungen.
Das Jazztrio von Pianist Adrian Rinck mit Bassist Jan Kappes und Schlagzeuger Julian Losigkeit begleitet die Vorstellungen.

Regie führte Sara Goerres, die auch eng mit der Kulturinitiative verbunden ist. Brombachers Bühnenbild besteht aus einem stilisierten Scheiterhaufen aus Stahl, in dem Rebknorzen aufgeschichtet liegen. Es soll im Hof der Landeck aufgebaut werden. Lichtstimmungen machen einen großen Reiz der Inszenierung aus. Daher soll das Stück erst gegen 21.30 Uhr nach Einbruch der Dunkelheit starten. Zuvor stimmt das Jazztrio von Pianist Adrian Rinck mit Bassist Jan Kappes und Schlagzeuger Julian Losigkeit ab 20 Uhr auf den Abend ein und wird später auch die Vorstellung mit groovigen Klangcollagen begleiten.

Eingeladen ist die Produktion auch für den 27. September zum Freistil-Festival der Freien Szene Saar in der Völklinger Hütte. Auch für andere Festivals wollen sie sich damit bewerben. Außerdem überlegt der Autor sogar, das Stück ins Französische zu übersetzen, um es im Nachbarland zeigen zu können.

Termine

„Die unheilige Johanna von Orléans“ am 12. und 13. Juni auf der Burg Landeck bei Klingenmünster. Zur Burg verkehrt ein kostenpflichtiger Shuttle. 250 bis 300 Zuschauer sollen im Burghof Platz finden. Bewirtet werden sie ab 18 Uhr von Burgschenkenwirt Jürgen Stern und Leonardo Muschetta, dem früheren Mitinhaber des Piccola Italia in Landau zusammen mit den Weingütern Frank Meyer und Porzelt. Karten gibt es unter kulturinitiative-gleiszellen-gleishorbach.de und beim RHEINPFALZ Ticket Service.

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