Rheinpfalz „Die Polizei wird jünger“
KAISERSLAUTERN. Dem Polizeipräsidium Westpfalz in Kaiserslautern steht ein Generationswandel bevor. Julia Luttenberger hat sich mit Polizeipräsident Elmar May über die Herausforderungen unterhalten, die auf die Polizisten der neuen Generation zukommen.
Der demografische Wandel ist bei uns in vollem Gange. Im Moment haben wir hohe Pensionierungsraten, 2015 waren es 71 Beamten, die wir in den Ruhestand verabschiedet haben, 2016 wird die Zahl noch höher liegen. Was bedeutet das für die Dienststellen? Die Polizei verändert sich gerade, sie wird jünger. Das bringt zweierlei mit sich. Zum einen besteht die Gefahr, dass Wissen und Erfahrungen verloren gehen. Eine gewisse Routine ist in unserem Beruf gut, die muss man aber erst bekommen. Da stellt sich uns die Frage, wie sich Wissen konservieren und an die jungen Kolleginnen und Kollegen weitergeben lässt. Zum anderen haben die jungen Leute neue Ideen, ihnen stehen etwa die digitalen Welten offen. Unsere Aufgabe ist es, die Teams so zu mischen, dass man beides gut nutzen kann – Erfahrung und neue Ideen. Was uns fehlt, ist das mittlere Alter. Intern bedeutet das, dass wir uns überlegen müssen, wie wir uns um ältere Kollegen kümmern können, die nicht mehr ständig Nachtdienste machen können. Über welchen Zeitraum reden wir? Die Zusammensetzung des Polizeipräsidiums wird sich deutlich verändern und es wird sehr schnell gehen. In drei bis vier Jahren ist das Präsidium verjüngt. Dabei wird der Frauenanteil deutlich steigen, zurzeit liegt er etwa bei 14 Prozent. Wie sieht es in Sachen Nachwuchs aus, wie sind die Bewerberzahlen? In diesem Jahr werden 500 Beamte an der Polizeischule am Flughafen Hahn ausgebildet. Wir haben zurzeit hohe Bewerberzahlen, die zwischen 3000 und 4000 Bewerbern liegen. Einen Rückgang spüren wir momentan nicht. Der Polizeiberuf ist ein sicherer Beruf, und das ist immer ein Pfund. Zudem ist es ein Beruf mit Sinn, man kann anderen helfen und er ist abwechslungsreich. So viel zu den positiven Aspekten, immer wieder hört man, dass die Polizei mit Respektlosigkeit zu kämpfen hat. Wie sieht es bei uns aus? Die Gewalt gegen Polizei nimmt zu, Polizisten müssen zwar auch was aushalten können, aber wenn Beamte geschlagen und bespuckt werden, geht das gar nicht. Ich wünsche mir, dass den Menschen in der Polizei mehr Respekt entgegengebracht wird. Was macht die Arbeit in unserer Region besonders? Wir haben hier mit Ramstein und dem US-Hospital als exponierteste amerikanische Liegenschaft außerhalb der USA und mit einer militärstrategischen Bedeutung eine einzigartige Situation. Als Polizei unterhalten wir eine enge Verbindung zu den Amerikanern, wir tauschen uns regelmäßig aus und veranstalten gemeinsame Übungen. Auch der FCK ist etwas besonderes, das gibt’s in der Republik nur einmal, dass 30.000 Menschen zu Zweitligaspielen kommen. Der Fußball liegt hier im Blut. Wie sehen die Schwerpunkte bei der Arbeit 2016 aus? Zurzeit gibt es drei Schwerpunkte. Als erstes das Thema Wohnungseinbruch. Hier gibt es eine hohe Steigerungsrate, vor allem im Grenzbereich zu Frankreich. Die Ermittlungen übernimmt eine spezielle Ermittlungsgruppe Bandenkriminalität. Hier gilt es, den Kontakt zu den französischen Kollegen zu pflegen. Doch auch jeder Einzelne kann sich schützen, wir beobachten immer wieder, dass die Menschen sehr leichtsinnig sind, Türen und Fenster offen lassen. Die Polizei bietet kostenlose Beratung an, was man tun kann, um sich besser vor Einbrüchen zu schützen. Das zweite große Thema sind die Flüchtlinge. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums liegen die Erstaufnahmestellen in Kusel, Meisenheim und der Zweibrücker Flughafen, von wo aus die Menschen in die Kommunen kommen. Zurzeit gibt es eine große Unsicherheit in der Bevölkerung. Unserer Erfahrung nach gibt es bisher ganz wenige Taten von Flüchtlingen, wenn, dann waren es Bagatelldelikte. Bei uns sehen wir das Problem eher in der anderen Richtung: Die Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte sind stark gestiegen. Da müssen wir einen genauen Blick darauf haben. Zur Unterstützung hat das Polizeipräsidium zum 1. Dezember 2015 fünf zusätzliche Streifen bekommen. Das dritte Thema ist die Terrorgefahr. Die Anschläge in Paris zeigen, dass man vorbereitet sein muss. Wir sind zudem mit dem Schutz amerikanischer Einrichtungen betraut. Da gilt es zu prüfen, ob jemand einen Anschlag vorbereitet, verdächtige Personen müssen im Blick behalten und beobachtet werden, wer sich radikalisiert. Gänzlich ausschließen lässt sich ein Anschlag zwar nicht, wenn er passiert, muss die Reaktion aber vorbereitet und eingeübt sein, um den Schaden nicht noch größer zu machen. Außerdem müssen wir uns zunehmend mit dem Thema „Hetze im Internet und in sozialen Netzwerken“ beschäftigen. Wir führen regelmäßig zielgerichtete Recherchen und Sichtungen durch und gehen konsequent gegen Hetze vor, wenn wir strafrechtlich relevante Sachverhalte feststellen.