Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Die Musikfreunde Wörth stehen vor dem nächsten großen Projekt

In drei Ensembles engagieren sich Menschen aller Generationen von Schülern und Studenten bis zu Rentnern sowie von Anfängern bis
In drei Ensembles engagieren sich Menschen aller Generationen von Schülern und Studenten bis zu Rentnern sowie von Anfängern bis zu versierten Musikern.

Sie nennen sich schlicht Musikfreunde Wörth, sind mit ihren drei Ensembles und Solisten aber alles andere als ein Club beschaulich konsumierender Musikliebhaber.

In der kurzen Zeit seit seiner Gründung 2021 hat der Verein sich einiges Renommee zwischen Baden und der Südpfalz erarbeitet. Die künstlerischen Köpfe sind der Komponist und Geiger Boris Yoffe, der Gitarrist Pavel Khlopowskiy und der Gesangslehrer Christoph Stengel – er ist die Galionsfigur des Vereins. Schnell war ihnen klar, dass es in der Südpfalz musikalisches Potenzial gibt, mit dem sich Projekte verwirklichen lassen, die auf professionellem Fundament ruhen und gleichzeitig den Charme des Spontanen, das Feuer ehrenamtlichen Einsatzes besitzen.

Relativ rasch waren gleich mehrere Ensembles gegründet, ein Kammerchor und ein Kammerorchester, die unter Leitung von Boris Yoffe proben, sowie das fabelhafte Gitarren-Ensemble unter Leitung von Boris Khlopowskiy. Sie treffen sich am Dienstag jeder Wochen jeweils in der Friedenskirche Wörth, die von der Kirchengemeinde als Probenraum zur Verfügung gestellt wird.

Großprojekt 2023: die Barock-Oper „Dido und Aeneas“.
Großprojekt 2023: die Barock-Oper »Dido und Aeneas«.

So füllte sich nach der umjubelten Premiere in der Wörther Stadthalle – im Juni 2022 war das und Lieder von Franz Schubert und Bachs h-Moll-Suite nebst „Kaffee-Kantate“ standen auf dem Programm – der Konzertkalender zwischen Südpfalz, Rastatt, Speyer, Brühl und Neustadt. Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ trafen ebenso auf positive Resonanz wie etwa Quartette von Joseph Haydn, Pergolesis „Stabat Mater“ und nicht zuletzt die bemerkenswerte und überaus aufwendige Produktion der Barock-Oper „Dido und Aeneas“ von Henry Purcell 2023, von Publikum wie Kritik hochgelobt.

Wer sind die Macher? Boris Yoffe, geboren 1968 in Leningrad, emigrierte 1990 nach Israel und übersiedelte 1997 nach Deutschland. Er studierte Komposition bei Wolfgang Rihm, der „seinen Klangsinn als außerordentlich“ bezeichnete und ihn als „hochsensiblen Instrumentalisten und tiefsinnigen Theoretiker“ lobte. Er selbst bezeichnet sich als Grenzgänger zwischen Kulturen – deutsch, jüdisch, russisch – und Genres – Musik, Poesie, Philosophie und Wissenschaft. In seinem zwar tonalen, doch höchst persönlicher Kompositionsstil hat er ein breites Oeuvre geschaffen. Dazu gibt es vielbeachtete musiktheoretische sowie philosophische Schriften. 2000 erhielt Yoffe den renommierten Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Für die Projekte steht der Fundus des Staatstheaters Karlsruhe für Leihgaben offen.
Für die Projekte steht der Fundus des Staatstheaters Karlsruhe für Leihgaben offen.

Pavel Khlopowskiy, geboren 1975, entwickelte sich schon im Studium an der Musikhochschule Lübeck zu einem Gitarristen der Extraklasse und schloss seine Meisterklasse beim legendären Gitarren-Guru Oscar Ghiglia an der Musikakademie Basel mit Auszeichnung ab. Wettbewerbspreise in Italien und Japan folgten. Aktuell ist Khlopowskiy als Pädagoge und freischaffender Solist in Karlsruhe und Umgebung tätig.

Dass die Wörther Musikfreunde auch mit Vokalsolisten recht gut ausgestattet sind, verdanken sie Christoph Stengel. Denn neben Orchester und Chor sind in den Opernproduktionen auch Solopartien zu vergeben. Mit den beiden Sopranistinnen Caroline Jakobi und Anna Kroll sowie der Altistin Sabine Polgar stehen schon mal geschulte Stimmen für die Frauenpartien zur Verfügung.

Die Musikfreunde eint eint die unbändige Lust am vorzeigbaren Musizieren und die Begeisterung, mit den Matadoren am Pult gelegen
Die Musikfreunde eint eint die unbändige Lust am vorzeigbaren Musizieren und die Begeisterung, mit den Matadoren am Pult gelegentlich auch mal über sich selbst hinauswachsen zu dürfen.

Und dann gibt es noch Yoffes Ehefrau Angela, eine mehrfach ausgezeichnete Pianistin mit festem Job als Korrepetitorin am Staatstheater Karlsruhe. Durch ihre Beziehungen steht den Musikfreunden der Karlsruher Kostüm- und Kulissenfundus für Leihgaben offen.

In den drei Ensembles engagieren sich Musizierende aller Generationen von Schülern und Studenten bis zu Rentnern; von Anfängern bis zu versierten Instrumentalisten und Chorsingenden. Sie alle eint die unbändige Lust am vorzeigbaren Musizieren und die Begeisterung, mit den Matadoren am Pult gelegentlich auch mal über sich selbst hinauswachsen zu dürfen.

Aktuell steht wieder eine größere Produktion eines eher selten gespieltes Werk aus dem klassischen Opernkanon mit gleich vier Aufführungen an: Die an der Schwelle von Opéra Comique und deutschem Singspiel angesiedelte und 1760 in Wien uraufgeführte Oper „Der bekehrte Trunkenbold“ des Mozart-Zeitgenossen Christoph Willibald Gluck. „Ich schaue halt, was eignet sich für unseren Solistenstamm, was passt fürs Orchester“, erklärt Boris Yoffe die Wahl. „Dann spielt auch die dramatische Qualität eine Rolle. Das liebenswerte kleine Lustspiel bietet musikalisch wie szenisch viel Raum für Witz, Esprit, fordert uns auch musikalisch aufs Anregendste.“ Davor wird es noch ein „Muttertagskonzert“ in kleinerer Besetzung geben.

Termine

„Muttertagskonzert“ am Sonntag 11. Mai, 17 Uhr, in der Alten Winzinger Kirche in Neustadt mit Werken von Johann Sebastian Bach (5. Brandenburgisches Konzert), Joseph Haydn, Robert Schumann und Fritz Kreisler.

Gitarrenkonzert mit Pavel Khlopowskiy am 5. September, 17 Uhr, im Café Mandelring in Neustadt.

Christoph Willibald Glucks Oper „Der bekehrte Trunkenbold“ am 18. Juni in der Festhalle Wörth, am 19. Juni im Gemeindehaus der Stiftskirche Landau, am 19. September, Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe sowie am 21. September in der Festhalle Rheinzabern. Beginn ist jeweils 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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