Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Das Programm fürs Zeltival im Tollhaus wächst stetig

Compota de manana (ein Wortspiel von compota de manzana, also Apfelkompott) nennt sich die Band aus Barcelona, die die Latinszen
Compota de manana (ein Wortspiel von compota de manzana, also Apfelkompott) nennt sich die Band aus Barcelona, die die Latinszene aufmischt mit Alternatimba.

Der Sommer wird heiß: Der Schwerpunkt für die sechs Wochen vom 26. Juni bis 9. August liegt auf Musik aus Südamerika. Zwei Abende sind bereits ausverkauft.

Tocotronic, The Wombats, Von wegen Lisbeth – Indie-Rock ist beim Zeltival in diesem Jahr stark vertreten. Aber noch mehr legen die Festivalmacher ihr Augenmerk auf Lateinamerika. Bislang sind Bands aus Brasilien, Argentinien und Kolumbien gebucht. Und für das Tollhaus eher ungewohnte Töne bringt am 3. Juli Josh mit seinen eingängigen Pop-Hymnen. „Cordula Grün“ ist der große Hit des österreichischen Sängers.

Doch der Reihe nach. Der erste Programmpunkt steht für den 26. Juni: Les Yeux D’La Tête entführen spielfreudig mit Sinti-Swing, französischer Chanson und poetischem Punk nach Paris in die Spelunken, die ganz eigene Untergrund-Welt der Metrostationen und an die Ufer der Seine.

Von wegen Lisbeth präsentieren ihr Album „Strandbad Eldena“.
Von wegen Lisbeth präsentieren ihr Album »Strandbad Eldena«.

Mit dem im Dezember erschienenen vierten Studioalbum „Strandbad Eldena“ kehrt die Berliner Indie-Pop-Band Von Wegen Lisbeth nach einem Jahr ohne Tour zurück auf die Bühnen – am 27. Juni in Karlsruhe. Benannt ist die neue Platte nach einem Strandbad bei Greifswald – auf der kürzesten Verbindung von Berlin zum Meer. Die Lieder darauf erzählen mit viel Witz von Alltagsbeobachtungen.

Die Dänin Tina Dico und der Isländer Helgi Jonsson lassen auf der dritten gemeinsamen Tour die Zuhörer wieder an der Geschichte ihrer Liebe teilhaben. Das Singer-Songwriter-Traumpaar verspricht für den 28. Juni magische Momente beim Zeltival.

Ihr Auftritt in Karlsruhe ist heiß begehrt: (von links) René Bosem, Robert Memmler, Bodo Wartke und Franky Fuzz.
Ihr Auftritt in Karlsruhe ist heiß begehrt: (von links) René Bosem, Robert Memmler, Bodo Wartke und Franky Fuzz.

Jetzt schon ausverkauft ist das Konzert von Bodo Wartke und der SchönenGutenA-Band am 30. Juni. Der Klavierkabarettist, Liedermacher, Rapper und Schauspieler präsentiert seine Klassiker und neue Lieder mit René Bosem (Bass), Franky Fuzz (Gitarre) und Robert Memmler (Schlagzeug).

Obwohl sie aus Spanien kommt und nicht aus Lateinamerika, zählt die Compota de Manana aus Barcelona zu den originellen Acts der zeitgenössischen Latinszene. Die Band steht für Alternatimba: eine explosive Mischung aus kubanischer Timba, Rap, Rock und Jazz. Am 1. Juli ist die Gruppe um den Perkussionisten und Sänger Erik Castillo mit dem jüngsten Album „Cuestión de Tiempo“ (2025) in Karlsruhe zu hören.

Die Afropop-Gruppe Freshlyground aus Kapstadt, bekannt für einen Mix afrikanischer und zeitgenössischer Stile, stellt am 2. Juli ein neues Bandmitglied beim Zeltival vor: die Sängerin Mbali Makhoba.

Tocotronic sind mit dem Album „The Golden Years“ auf Tour.
Tocotronic sind mit dem Album »The Golden Years« auf Tour.

Tocotronic werden am 4. Juli erwartet mit dem jüngsten Album „The Golden Years“. Die Hamburger zählen zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Rockbands der letzten Jahrzehnte. Dirk von Lowtzow, Jan Müller und Arne Zank kombinieren kraftvollen Gitarrenrock mit klugen, poetischen und politischen Texten.

Die Musik der Großformation Barbatuques aus São Paulo findet sich in Filmmusiken, Werbekampagnen, Videospielen und Remixen von DJs wieder. Das brasilianische Vokalkollektiv lässt am 5. Juli staunen, was sich aus phonetischen, rhythmischen, harmonischen und melodischen Möglichkeiten von Körper- und Vokalmusik machen lässt.

Spannende Vokalformation: Barbatuques aus São Paulo.
Spannende Vokalformation: Barbatuques aus São Paulo.

Wieder dabei sind am 7. Juli der norwegische Jazz-Saxofonist Jan Garbarek und der indische Perkussionist Trilok Gurtu. Mit Pianist Rainer Brüninghaus und Bassist Yuri Daniel wollen die beiden wieder Klangwelten von meditativer Tiefe und großer Weite zaubern.

Soul, Punk Rock und Gospel verbindet Curtis Harding mit viel Power zu einem ganz eigenen Stil, der schon Kollegen wie Jack White und Iggy Pop inspiriert hat. Sein Auftritt am 8. Juli dürfte für Tanzwütige schweißtreibend werden.

Ausverkauft ist auch schon das Gastspiel von Großstadtgeflüster am 10. Juli. Mit radikalem Realismus und Berliner Schnauze haben Jen Bender (Gesang), Raphael Schalz (Synths) und Chriz Falk (Drums) auf inzwischen sieben Studioalben Ohrwürmer veröffentlicht wie „Feierabend“, „Ich muss gar nix“, „Fickt-Euch-Allee“ und zuletzt „Ich kündige“.

Omar Dahl kommen aus Tamanrasset im Süden Algeriens.
Omar Dahl kommen aus Tamanrasset im Süden Algeriens.

Klänge aus Tamanrasset im Süden Algeriens bringen Imarhan am 12. Juli nach Karlsruhe. Auf ihrem Album „Essam“ verweben sie aus der Tradition der Tuareg hypnotische Synthesizerklänge mit Wüstenblues.

Gilsons nennt sich eine Band, die 2018 Kinder und Enkel der brasilianischen Musikikone Gilberto Gil zusammengeführt hat. Das Trio, das am 13. Juli beim Festival spielt, verbindet die klassische Música Popular Brasileira der 1960er-Jahre mit zeitgenössischen Sounds wie Pop-Rock, Samba, Reggae und bahianische Rhythmen.

Auf eine feste Fangemeinde kann beim Festival Shantel mit seinem Bucovina Club Soundsystem zählen. Am 17. Juli mixt er wieder Musik aus Südosteuropa, Griechenland und dem Nahen Osten mit elektronischen Klängen.

Shantel ist mit seinem Bucovina Club Soundsystem quasi jedes Jahr dabei.
Shantel ist mit seinem Bucovina Club Soundsystem quasi jedes Jahr dabei.

Mit Mica Miller kommt am 18. Juli die markanteste zeitgenössische Soul-Stimme Großbritanniens nach Karlsruhe. Seit ihrem Debütalbum „Heaven Knows“ (2022) hat sie sich konsequent über Branchenkonventionen hinweggesetzt und internationale Anerkennung erlangt: Sie managt sich selbst, produziert ihre Songs und betreibt ihr eigenes Label. Im Gepäck hat sie jetzt ihre zweite Platte „A Little Bit of Me“. Durch Zusammenarbeit mit den Prince-Weggefährten Ricky Peterson und David Z gewann Mica Millar den Jazz FM Award als Soul Act des Jahres .

Am 21. Juli stellt sich die brasilianische Singer-Songwriterin Mari Froes mit ihrem Sextett vor. Songs von poetischer Intimität und rhythmischer Wärme wie „Moça“, „Rosa e Laranja“ und „Vaitimbora“ brachten ihr den internationalen Durchbruch.

Die Musik von Mari Froes aus Brasilien verbindet poetische Intimität und rhythmische Wärme .
Die Musik von Mari Froes aus Brasilien verbindet poetische Intimität und rhythmische Wärme .

Auch der Isländer Ásgeir schafft emotional tiefe Musik. Schon mit seinem Debütalbum „Dýrð í dauðaþögn“ brach der damals gerade 20-Jährige 2012 alle Rekorde – die Platte gilt bis heute als meistverkauftes Album Islands. Es folgten „In the Silence“ 2014, „Afterglow“ 2017, „Burry the Moon“ 2020 und „Time on My Hands“ 2022. Zerbrechlich und eindringlich klingt seine Stimme, verträumt, beinahe engelsgleich. Am 29. Juli tritt er beim Zeltival auf.

Seit „A Guide to Love, Loss & Desperation“ (2007) zählen The Wombats zu den prägenden Stimmen des Indie-Rock. Mit Hits wie „Let’s Dance to Joy Division“ und „Greek Tragedy“ sorgen sie seit 20 Jahren für ausgelassene Stimmung vor der Bühne. Am 30. Juli präsentieren sie bei ihrem Konzert-Debüt in Karlsruhe ihr neues Album „Oh! The Ocean“.

Der Franzose Charles Pasi erobert mit seiner rauen Stimme und seiner Mundharmonika die Welt von Reggae und Blues. Am 31. Juli kann man sich von seinen vielfach gerühmten Live-Qualitäten überzeugen.

Der Franzose Charles Pasi überzeugt mit großer Bühnenpräsenz.
Der Franzose Charles Pasi überzeugt mit großer Bühnenpräsenz.

„10 Jahre hoffnungslos hoffnungsvoll“ kommt Joris am 1. August nach Karlsruhe – das ist der mit dem „Herz überkopf“. Es hat lange gedauert mit den neuen Songs. Doch es gab Wichtigeres in seinem Leben. Nachdem seine Freundin schwer erkrankte, stellt er sich den Herausforderungen als Partner und junger Familienvater. Im Song „eigentlich“ fasst er seine Motivation in Worte: „schau in zwei kleine Augen, blindes Vertrauen und nichts bleibt wie es war“.

Das Doppelkonzert von MOS (Music Omotenashi Sisters) und Ukulele Death Squad am 2. August verspricht Live-Energie. Die vier japanischen MOS-Schwestern verbinden japanische Blasmusiktradition mit tanzbarer Party-Power. Und die Australier zelebrieren mit viel Theatralik Ukulele-Gypsy-Jazz, R&B und Folk.

Am 5. August erwartet die Zuschauer ein farbenfrohes, extravagantes Spektakel voller Tanz, Freude und kultureller Vielfalt mit dem in der kolumbianischen Subkultur entstandenen Systema Solar, das bis heute eng mit vielen sozialen und ökologischen Bewegungen verwoben ist und Afro-Roots und Hip-Hop verbindet.

Top 15 sind teurer geworden

Aus den Top 10 der vergangenen Jahre, einer Reihe von Konzerten mit niederschwelligem Eintrittspreis, sind jetzt die Top 15 geworden, also Konzerten mit 15 Euro Eintritt. Die Reihe bringt Bands wie Lézard aus Belgien und einer hochenergetischen Mischung aus Post-Punk, Disco, Glam Rock, New Wave und Electro-Clash (16. Juli), die Kölner Indie-Popper Kekse und Kakao (19. Juli), die siebenköpfige Berliner Afro-Soul-Formation Jembaa Groove (28. Juli), den höchst produktiven schwedischen Musiker Stuzzi (6. August) und das argentinische Latin-Rap-Projekt Chocolate Remix (7. August). Das belgische Quartett Omar Dahl reist mit traditioneller arabischer Instrumentierung wie dem Ney an (8. August). Und die Band von Ítalo Caramuru, der aus dem Norden Brasiliens stammt und in Karlsruhe seine neue Heimat gefunden hat, stellt zum Festivalabschluss am 9. August sein neues Album vor.

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Infos unter tollhaus.de

Joris ist zurück aus seiner Familienzeit.
Joris ist zurück aus seiner Familienzeit.
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