Rheinpfalz Das Bauchgefühl des FCK-Vereinsoberhaupts

Bad Waltersdorf. Der erste Mann im Staate der Roten Teufel verströmt sachte Zuversicht. Hand aufs Herz, Stefan Kuntz, was sagt Ihnen Ihr Bauch: Schafft der 1. FC Kaiserslautern den Aufstieg? Der Vereinschef kehrt kurz in sich, dann erklärt er: ”Im Vergleich zum selben Zeitpunkt des vergangenen Jahres habe ich ein besseres Gefühl.”

Die vergangene Saison. Welch ein Drama. Der FCK ließ zu viele Punkte leichtfertig liegen, belegte Rang drei, scheiterte in der Relegation an 1899 Hoffenheim. Im entscheidenden Augenblick fehlte ein Stück weit die Qualität, und dazu gehört auch die mentale Stärke, die Strapazierfähigkeit der Gruppe.

Nicht ohne Grund hat die Führungsriege des FCK in das gestern zu Ende gegangene Trainingslager im österreichischen Bad Waltersdorf teambildende Übungen eingebaut. Ein Beispiel nur: Franco Foda schritt barfuß über eine Spur von Glasscherben, der komplette Tross folgte, lief dem Trainer in die Arme. Das schafft Vertrauen. ”Wir haben in diesem Bereich Entwicklungspotenzial gesehen, waren der Ansicht, dass wir, wenn alle noch ein paar Prozentpunkte drauflegen, einen noch besseren Teamgeist erzielen können”, sagt Kuntz: ”Super, dass die Mannschaft den einen oder anderen, der Hemmungen hatte, so weit gebracht hat, dass alle auch alle Übungen gemacht haben.”

Das kann helfen, allein seligmachend ist es nicht. Damit, sagt Kuntz, könne allenfalls ein Pflänzchen gesät werden. Das Wetter sei gut, alle seien motiviert: Die Effekte des Teambuildings würden erstmals auf die Probe gestellt, wenn Trainer Foda in den kommenden Tagen den Kader reduziere, bis hin zu den 18 Mann, die am 20. Juli im ersten Saisonspiel beim SC Paderborn auf dem Bogen stehen könnten - bis hin zu den Elfen, die schließlich auf den Rasen liefen. Und zu dem Augenblick, an dem es mal nicht so funktioniere, wie man sich dies wünsche. ”Aber wichtig ist, dass diese kleinen Pflanzen erst mal da sind. Und dass man ihnen eine Chance gibt, dass sie wachsen”, sagt Kuntz.

30 Spieler haben in Bad Waltersdorf geschuftet. Nun muss der Führungsstab schmerzhafte Entscheide treffen. Einigen Spielern wird Franco Foda mitteilen, dass sie dauerhaft in die Regionalliga-Mannschaft versetzt werden. Einigen wird er nahelegen, sich um einen anderen Klub zu bemühen. Bemerkenswert, dass der FCK ohne einen wirklich Verletzten nach Hause geflogen ist. Allein Kevin Stöger fehlte, abgesehen von den Rekonvaleszenten, in den letzten Einheiten und beim 0:1 gegen Sigma Olmütz wegen erheblicher Schmerzen im Oberschenkel. Sich ob einer langwierigen Blessur nach Ersatz umsehen zu müssen, ist für die Männer am Regiepult des FCK nicht angezeigt.

Kuntz erlebte im achttägigen Vorbereitungscamp eine ”extremst” homogene Truppe, ein Personal, das trotz großer Belastung und komplexer Aufgaben viel Freude ausstrahlte. ”Ich habe auch den Eindruck, dass vor allem die Neuen in ganz kurzer Zeit schon gut integriert sind”, sagt er, ”dass sie schon einen gewissen Stellenwert haben. Es war aus meiner Sicht bis jetzt eine außergewöhnlich gute Vorbereitung.”

Vor allem finanzielle Erwägungen lagen dem Entschluss zugrunde, das Trainingslager diesmal nicht in der Pfalz, sondern in Österreich zu absolvieren. In Kuntz‘ Brust schlagen diesbezüglich zwei Herzen. Einerseits weiß er um die Vorzüge der Fannähe - andererseits tue es Trainern und Spielern sehr gut, eine ”extreme Ruhe” zu genießen. Diese ist spätestens in eineinhalb Wochen vorüber. Die Spieler, das ist deutlich zu spüren, haben den Zuspruch der Fans nach dem Relegationsrückspiel gegen Hoffenheim nicht vergessen. Sie wollen ihren Anhängern den Aufstieg schenken. Unbedingt. Das schafft auch Druck. Stefan Kuntz zitiert Berti Vogts, unter dem er 1996 mit der deutschen Nationalmannschaft Europameister geworden ist: ”Du musst dich freuen. Je größer der Druck, desto größer ist der Pokal hinterher.” Da ist sicher etwas Wahres dran.

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