Rheinpfalz
Dahn: Stadt will 2020 besonders an Pater Ingbert Naab erinnern
2020 jährt sich zum 135. Mal der Geburtstag und zum 85. Mal der Todestag des in Dahn geborenen Kapuzinerpaters Ingbert Naab. Dessen publizistischer Kampf gegen den Nationalsozialismus erreichte seinen Höhepunkt mit dem offenen Brief an Adolf Hitler vom 20. März 1932. Seine Geburtsstadt wird bei mehreren Veranstaltungen an ihn erinnern.
Pater Ingbert Naab, der am 5. November 1885 in Dahn geboren und auf den Namen Karl Borromäus getauft wurde, besuchte zunächst die Schule in seinem Heimatort, bevor er 1898 nach Speyer als Internatsschüler an das Bischöfliche Konvikt wechselte. Nach seinem dortigen Abitur im Jahr 1905 trat er ein Jahr später in Oberbayern dem Orden der Kapuziner bei. Im selben Jahr begann er in Eichstätt das Studium der Theologie und empfing dort 1910 die Priesterweihe. Die Primizmesse feierte er in Dahn, daran erinnert das Primizbild, das heute im Besitz der Pfarrei Heiliger Petrus Dahn ist.
Leben und Wirken
In seinem Heimatbistum Speyer wirkte Naab zunächst zwischen 1914 und 1916 im Kapuzinerkloster St. Ingbert, welches ihm seinen Ordensnamen gab. Danach war er für seinen Orden in zahlreichen Ämtern und Funktionen tätig: Lektor der Theologie und Klerikermagister in Eichstätt, Seminardirektor in Regensburg, Guardian in Passau und Eichstätt, Definitor und Generalkustos, Gründer und Schriftleiter verschiedener Jugendzeitschriften sowie Jugendseelsorger in Eichstätt. Pater Ingbert lebte und wirkte ab 1906 mit Unterbrechungen im bayerischen Eichstätt. Bereits ab 1923 warnte Naab vor der Rassenlehre und den Prinzipien des Nationalsozialismus, die sich nicht mit Christentum und allgemeiner Ethik vereinbaren ließen. Anfangs publizierte Naab seine Kritik vor allem in kirchlichen Zeitschriften, bundesweit bekannt machte ihn sein offener Brief an Hitler im Jahr 1932, der 20 Millionen Mal abgedruckt wurde. In diesem Brief fragte Naab Hitler nach seiner Wahl und appellierte an Hitlers Gewissen.
Naab war klar, dass er um sein Leben fürchten musste. Seit Juni 1933 flüchtete er vor den Nazis in die Schweiz, die Tschechoslowakei und Italien unter dem Pseudonym „Peregrinus“ (Latein: Pilger). In Königshofen bei Straßburg starb er am 30. März 1935 um 11.22 Uhr nach langem Todeskampf und Atemnot an Leberkrebs. Am 21. April 1953 wurde er nach Eichstätt überführt und dort feierlich bestattet.
Der Jugendseelsorger
Pater Ingbert Naab sah eine wichtige Aufgabe darin, Jugendliche zum Studium zu bewegen, um von Universitäten her den Geist des Volkes neu zu beleben. Aus Sorge um die Menschen und ihre Zukunft verfasste der Jugendseelsorger eine Publikation mit der Fragestellung „Ist Hitler ein Christ?“ Darin versuchte er, der Begeisterung der Schüler höherer Schulen für den Nationalsozialismus Fakten und Argumente seiner Analyse der nationalsozialistischen Parteiprogramme entgegen zu setzen. So lautete die Antwort auf die Fragestellung eindeutig „nein“.
Theologe, Publizist und Widerstandskämpfer
Ingbert Naab war der wichtigste Mitarbeiter von Fritz Gerlich (ermordet 1934 im KZ Dachau), der die Wochenzeitung „Der gerade Weg“ herausgab. Gerlich und Naab sagten dort zu einem frühen Zeitpunkt und mit erschreckender Deutlichkeit die künftige politische Entwicklung vorher. Naab nannte die von Adolf Hitler in „Mein Kampf“ formulierten rassistischen Gedanken öffentlich „das Handbuch der Demagogie“, das außerdem eine Unvereinbarkeit mit den Zehn Geboten darstelle. Als sich in den Jahren 1931/32 die Wahlerfolge der Nationalsozialisten mehrten, verstärkte Naab seinen publizistischen Kampf. Im Exil lebend, übermittelte er der Deutschen Bischofskonferenz eine Denkschrift, in der er zu geschlossenem Auftreten und zum Abbruch jeglichen diplomatischen Taktierens drängte: „Jetzt müssen die Hirten der Kirche reden, unterstützt vom obersten Hirten der Kirche.“
Quellen
pater-ingbert-naab.de
Buch: Helmut Witetschek (Politikwissenschaftler an der Eichstätter Hochschule), Pater Ingbert Naab – Ein Prophet wider den Zeitgeist, Verlag Schnell & Steiner.