Rheinpfalz Da ist das Ding

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Heute in einer Woche wird die wichtigste Trophäe im US-Sport zum 50. Mal ausgespielt. Im Super Bowl in San Francisco stehen sich die Carolina Panthers und die Denver Broncos gegenüber. Doch was heute das größte Einzelsportereignis der Welt ist, tat sich anfangs ziemlich schwer. Und lieferte inzwischen so manche Kuriosität.

Eigentlich war der Super Bowl ein Kunstprodukt. Entstanden aus der Fusion zweier Ligen, sollte das Finale ein sichtbares Bindeglied sein. Der in den 20er Jahren entstandenen National Football League war Anfang der 60er eine neue, unliebsame Konkurrenz erwachsen. Lamar Hunt, ein junger ÖL-Millionär aus Texas, hatte bei der NFL angefragt, ob er denn ein eigenes Team haben und sich ihr anschließen dürfe. Doch die NFL-Teambesitzer, ein eher konservativer, elitärer Kreis, wiesen den jungen Mann zurück. Hunt (2006 gestorben, Foto) gab nicht auf, suchte sich einige schwerreiche, an Football interessierte Kollegen und rief 1959 seine eigene Profiliga ins Leben. Die American Football League. Die NFL reagierte auf die Herausforderung, indem sie weitere eigene Teams gründete. Doch die Herablassung, mit der die alten NFL-Herren auf den Emporkömmling und seine Mitstreiter herabblickten, schlug bald in Entsetzen um. Denn Letztere wagten es doch tatsächlich, mit Geld um sich zu werfen und die besten Nachwuchsspieler aus dem College an sich zu binden. Über mehrere Jahre hinweg spielte sich ein regelrechter Krieg um die Stars von morgen ab, bei dem eigens gegründete Sicherheitseinheiten die begehrtesten Jungspieler tagelang von der Außenwelt – und vor allem der Konkurrenzliga – abschirmten, bis diese ihre Verträge unterschrieben hatten. 1966 wurde es allen Beteiligten zu viel – auch weil die Gehälter der Jungen im Bieterwettstreit durch die Decke gingen und die Veteranen mit deutlich schlechter dotierten Verträgen meuterten. Die Rivalen beschlossen, die beiden Ligen NFL und AFL schrittweise zu vereinen, dabei in wesentlichen Teilen aber die bisherige Struktur zu erhalten. So entstanden die beiden Conferences NFC und AFC, die noch heute Bestand haben. Beide sollten weiter ihren eigenen Meister ausspielen – und am Ende sollten beide Meister gegeneinander antreten. Im AFL-NFL-World Championship Game, wie es in den ersten beiden Jahren hieß. Sechs bis zwölf Dollar kosteten die Eintrittskarten für die Premiere im Memorial Coliseum in Los Angeles. Aktuell liegt der Nennwert der Super-Bowl-Tickets bei 1200 bis 1600 Dollar, auf dem freien Markt ist kaum eine Karte für weniger als 4000 Dollar zu haben. Und trotz des niedrigen Preises blieben damals, im Januar 1967, mehr als 30.000 Plätze im Stadion frei – für die Verantwortlichen ein Horror. Der erste Super-Bowl-Champion waren übrigens die Green Bay Packers. Das deutlich 35:10 des NFL-Serienmeisters gegen die Kansas City Chiefs bestärkte die Skeptiker in ihrer Meinung, dass die Teams des Emporkömmlings AFL ohnedies nie eine Chance gegen die etablierten NFL-Vertreter hätten, dass dieses Finale ein Muster ohne sportlichen Wert sei. Selbst Vince Lombardi, der legendäre Packers-Trainer, der auch Super Bowl II gewann (Foto) und nach dem die Siegestrophäe benannt ist, machte aus seiner Herablassung keinen Hehl, sprach von einer „Micky-Maus-Liga“. Eine ganz andere Geschichte schrieb Super Bowl IV – die des berühmtesten „Gatecrushers“, also eines Fans, der ohne Ticket zum Spiel ging. Er zog sich eine Teamjacke der Minnesota Vikings an und wartete vor der Einfahrt. Als deren Bus kam, winkte er sie durch das Tor; vorbei an den Wachmännern, die glaubten, einen Vikings-Mann vor sich zu haben. Damit nicht genug: Während des Spiels stellte er sich in seinem Outfit neben die Vikings-Trainerbank; und alle Ordner glaubten, er gehöre dazu. Als sich aber abzeichnete, dass die Kansas City Chiefs gewinnen würden, fasste er in seine Tasche, holte eine Chiefs-Jacke heraus, zog diese an und wanderte nun zur Trainerbank des späteren Siegers, wo er die letzten Spielminuten miterlebte. Bei Spielende hob er den Chiefs-Cheftrainer auf seine Schultern und lief mit ihm jubelnd aufs Spielfeld Die Künstler haben spätestens seit Mitte der 80er Jahre wesentlich dazu beigetragen, den Super Bowl in jene Sphären der Popularität zu heben, in denen er heute kreist. Die NFL lässt sich die gut 15-minütigen Showauftritte in der Halbzeit geschätzt 20 Millionen Dollar kosten. Madonna, Michael Jackson, Paul McCartney, Prince, Phil Collins, Tina Turner: die Liste der Stars, die im Laufe der Jahre aufgetreten sind, liest sich wie ein Who-is-Who der Rock- und Popmusik. In diesem Jahr wird die Band Coldplay die Show zum Sport servieren. Garderoben-Probleme wie in Houston sind dabei eher nicht zu erwarten. Damit wir zum Abschluss wenigstens noch ein bisschen Sport haben: Die Pittsburgh Steelers sind mit sechs Siegen das erfolgreichste Super Bowl Team, gefolgt von den San Francisco 49ers und den Dallas Cowboys mit jeweils fünf. Die traurigsten Teams sind die Minnesota Vikings und die Buffalo Bills, die viermal im Endspiel standen und nie gewannen. Die Bills schafften dabei sogar das Kunststück, Anfang der 90er Jahre gleich viermal hintereinander zu verlieren. Bis heute wird gespottet, „Bills“ sei die Abkürzung für „Babe, I love losing Super Bowls“ – Ich liebe es, Super Bowls zu verlieren. Wer den Schaden hat

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