Rheinpfalz Burgleben hautnah mitverfolgen

Ritter Norbert von Thule ist sauer. Seine Mannen haben sich soeben von einer Horde eifriger Kinder in die Flucht schlagen lassen. Nichts war’s mit der Eroberung der Burg Altdahn. Niedergeschlagen zieht der Tross von dannen, um sich im eigenen Feldlager auf den nächsten Angriff vorzubereiten. Denn der findet beim „Mittelalterlichen Burgfest“ auf Burg Altdahn seit Donnerstag in regelmäßigen Abständen statt. Und nicht nur die Kinder können an dem bunten Treiben der Felsenburg noch heute und morgen ihren Spaß haben.

Zugegeben: Die grauen Rohrisolierungen, mit denen gerade gekämpft wird, wären nicht unbedingt das erste Mittel der Wahl, wenn es um die Eroberung einer Burg ginge. Aber sie sind nun mal weitaus weniger gefährlich als die schweren Metallwaffen, mit den die „Veyburger Ritterschaft“ kurz zuvor bei Schaukämpfen gezeigt hatte, wie gekonnt sie das Schwert führen kann. Und um des Spaßes Willen darf man dann auch mal kurz die historischen Vorbilder außer Acht lassen. Denn die Veyburger Ritterschaft legt ansonsten größten Wert auf Authentizität. Zu welcher Zeit wurde das Kettenhemd über oder unter dem Wappenrock getragen? Wie sahen zu den jeweiligen Zeiten die Waffen aus? Und wie zog man damals tatsächlich in die Kriege? Mit diesen Fragen haben sich die Hobby-Ritter aus dem Raum Aachen intensiv beschäftigt und ihre Vorführungen entsprechend angepasst. Um es vorweg zu nehmen: Die typischen Ritterrüstungen, mit denen der Laie das mittelalterliche Burgleben automatisch verknüpft, waren im Kampf nicht zu gebrauchen. „Der Ritter war darin viel zu schwerfällig, die Sicht viel zu sehr eingeschränkt“, erläutert Norbert, der Oberritter der Veytaler Ritterschaft. Daher wurde eine solche Vollplattenrüstung nur bei Turnieren zu Pferd getragen. In der Schlacht wurde das leichtere Kettenhemd getragen. Die Veyburger Ritterschaft kämpft aber nicht in den authentischen Gewändern dieser Zeit. Am Rand der Burganlage, hinter dem Turm von Tanstein, hat sie über das gesamte Fronleichnamswochenende ihr Feldlager aufgeschlagen, wo sie das mittelalterliche Leben für die Besucher hautnah praktiziert. Und weil, wie Norbert von Thule sagt, die Ritterschaft ein „Ausbildungsbetrieb“ ist, können Kinder dort mit Holzschwertern erste Rittererfahrungen sammeln – wenn sie nicht zuvor schon mit den grauen Isolierungen den Rittern was auf die Mütze gegeben haben. Gleich neben dem historischen Kran der Burganlage betreibt die Ritterschaft außerdem eine kleine „Seylerey“. Die Besucher erleben dort, wie aus dünnen Hanf- oder Sisalschnüren dicke Taue geflochten werden. Eine „Reeperbahn“ auf Burg Altdahn also, denn diese uralte Technik wandten einst auch die Seeleute in Hamburg an, als sie in der schnurgeraden Gasse, die heute ein ganz anderes Publikum anzieht, ihre langen Schiffstaue – die Reeps – fertigten. Stiller, aber nicht weniger spannend, geht es einige Schritte weiter im Südturm der Altdahn zu. Im dunklen Stallgewölbe zieht „Schäfer Uldarich“ im Schein flackernder Kerzen mit seinen Geschichten nicht nur das jüngere Publikum in seinen Bann. Und wer dann wieder ins Tageslicht zurückgekehrt ist, der kann eintauchen in ein buntes Markttreiben, das mit seinen liebevoll hergerichteten Marketenderständen und dem thematisch passenden Angebot an Räucherwaren, Holzgeschirr, Parfümereien oder Gewändern das mittelalterliche Flair weiter verstärkt. Selbst die Getränke werden hier im urigen Tonkrug ausgeschenkt. Ein Fest für die ganze Familie also, wobei Burgenverwalter Peter Blank betont: „Die Qualität ist höher als in den vergangenen Jahren.“

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