Lokalsport Südpfalz Breitensport: Die Bewegung managen – Nadja Schaile-Müller und Tina Keiser

Bewegungssteine, eine Aktion des TV Cochem.
Bewegungssteine, eine Aktion des TV Cochem.
Vom Gesundheitsfach: Nadja Schaile-Müller.
Vom Gesundheitsfach: Nadja Schaile-Müller.
Im Ministerium in Mainz: Tina Keiser aus Landau.
Im Ministerium in Mainz: Tina Keiser aus Landau.

„Allein das Bücken ist ja schon ein Bewegungselement“, sagt Nadja Schaile-Müller aus Germersheim. Sie und Tina Keiser aus Landau sind zwei von 30 Bewegungsmanagern im Land. Ihr Auftrag: den öffentlichen Raum mit Aktionen für jedermann zu füllen. Eine Aktion des TV Cochem erfreut sich gerade großer Beliebtheit.

Die Jobbeschreibung hat Nadja Schaile-Müller neugierig gemacht. Gesucht: Bewegungsmanager*innen (M/W/D) für jeden Kreis im Land. Bezahlung als geringfügige Beschäftigung, befristet bis Ende 2021. Schaile-Müller hat sich im Bereich Gesundheitsmanagement selbstständig gemacht. „Gesund³“ ist ihr Unternehmen in Germersheim. Menschen generationenübergreifend zum Bewegen zu motivieren, das Anliegen der Aktion des Landes, ist auch ihr Anliegen. Mitte August fuhr sie nach Mainz, am nächsten Tag hatte sie die Zusage. Seitdem kennt sie Tina Keiser, die Bewegungsmanagerin der Stadt Landau. 30 von 36 Kreisen seien besetzt, sagt Keiser.

Bewegung und Sport seien ein maßgeblicher Einflussfaktor für die Gesunderhaltung, Mobilität und Prävention vielfältiger Erkrankungen, heißt es zur Stellenausschreibung. Mit der Landesinitiative „Rheinland-Pfalz-Land in Bewegung“ sollen weite Teile der Bevölkerung zu mehr Bewegung aktiviert werden. Und zwar im öffentlichen Raum (Plätze, Grünflächen, Freizeit und Spielflächen) sowie in Sport– und Freizeiteinrichtungen in den Kommunen. Von den Bewegungsmanagern werden Sport- und Bewegungsaffinität, gute Organisationsfähigkeit, ausgeprägtes Networking, Teamfähigkeit und die Motivation als „Kümmerer“ erwartet.

Im Juni ein neuer Anlauf

Schaile-Müller machte sich an die Arbeit. Unter anderem zig Projekte hat sie für den landesweiten Bewegungstag am 14. November 2020 angeregt. Corona kam dazwischen. Im Juni wird ein neuer Anlauf unternommen, weiß Keiser.

Sie ist an der Quelle. Tina Keiser (26) stammt aus Hauenstein, dort hat sie Volleyball gespielt. In Frankfurt und Gießen hat sie Sportwissenschaften studiert. Sie wohnt in Landau, hat viel Kontakt mit dem Landauer Sportkreisvorsitzenden Frank Zaucker. Auch sie bewarb sich – und bekam obendrein eine Festanstellung als eine von drei Projektkoordinatorinnen beim Ministerium des Innern und für Sport in Mainz. Kontakte in Landau zu knüpfen, wie sie sie im Bereich Hauenstein habe, sei eine Herausforderung, gibt sie zu. Sie arbeitet auch mit den Inklusionslotsen zusammen: „Es rollt langsam an.“

Beruf und Berufung

Wie Keiser bedauert Schaile-Müller, dass sich kein Bewegungsmanager für den Kreis SÜW gefunden hat. Die Germersheimerin ist 49, verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder. Sie begann als Physiotherapeutin, leitete den Bereich an der Kinderklinik der Uni Mannheim und war präventiv für die AOK und die Rheuma-Liga aktiv. Zu ihrer Berufung kommt sie als Sport- und Gymnastiklehrerin: Menschen darin zu fördern, gesund zu bleiben. Bei „Gesund³“ gehe es um körperliche, psychische und soziale Gesundheit, betont sie. In der Corona-Zeit gibt sie Seminare und Workshops online, es geht beispielsweise um Stressmanagement, um „bewegte Pausen“, betriebliches Gesundheitsmanagement. Im eigenen Kursraum bietet sie sonst Wirbelsäulen-, Faszien-, autogenes Training oder Pilates an.

Schaile-Müller und Keiser können sich vorstellen, dass die Initiative „Land in Bewegung“, die sich präventiv der Vermeidung von „Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus Typ 2“ (im Netz unter land-in-bewegung.rlp.de) annimmt, verlängert wird. Beim Kontakteknüpfen und bei der Partnersuche soll es nicht bleiben. Die Initiative will leben. Und den öffentlichen Raum, der im Corona-Halbschlaf dämmert, beleben.

Regelmäßige Aktivtreffs

Beispiel: Angebote jede Woche zu einer bestimmten Uhrzeit. Ausdauertraining kombiniert mit funktionellen Übungen in Bellheim beim Schützenhaus; Gesundheitswandern im Bellheimer Wald; Reaktiv-Training sowie Boule oder koordinatives Training in Germersheim am Unkenfunk; Spazierengehen in Leimersheim; Modern Dance für Kinder im Sportheim in Arzheim; inklusives Tanzen auf dem Landauer Sportcampus am Ebenberg; Nordic Walking in Rülzheim; Joggen in Wörth. Frei und ungezwungen. Für jeden, der nicht im Sportverein ist, der nicht ins Fitnessstudio geht.

Für Aktivtreffs, die geplant sind, kann Schaile-Müller sich in Germersheim die Rheinwiesen am Schiffsanleger und den beleuchteten Lamotte-Park gut vorstellen. Sie denkt an einen begleitenden Rollatorspaziergang. An leichte Mobilisationsübungen. „Jede Bewegung tut gut“, sagt Schaile-Müller. „Allein das Bücken ist ja schon ein Bewegungselement.“

Die Sache mit den Steinen

Damit spricht sie die Aktion Bewegungssteine des TV Cochem an. Als noch Präsenzunterricht war, hat sie Kitas und Schulen angeschrieben, um sie dafür zu begeistern: Kieselsteine mit Strichmännchen bemalen, die eine Übung anzeigen: fünf Kniebeugen; fünfmal den Hampelmann; drei Liegestütze. Den Stein auf einem Spazierweg ablegen. Wer ihn findet, lässt sich auf die Übung ein, postet das mit einem Foto, nimmt den Stein eine Weile mit und legt ihn an anderer Stelle wieder ab. Mehr als 500 Follower hat die Aktion bei Facebook. „Es funktioniert“, freut sich Keiser. Es werde noch ein Projekt geben mit Steinen, die am Ort bleiben, verrät Schaile-Müller.

Vereine, Schulen, Kindergärten, Behörden, Kirchen und Universitäten können sich einbringen. „Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt Schaile-Müller. „Ich sehe, dass Vereine existenziell um ihre Mitglieder kämpfen.“ Sie stellt klar, dass die Initiative keine Konkurrenz zu Sportvereinen sein soll, sondern Partner der Vereine sein wolle.

Infos und Kontakte

land-in-bewegung.rlp.de

t.keiser@lsb-rlp.de

n.schaile-mueller@lsb-rlp.de