Kultur Südpfalz Bibelworte in klaren Tönen

Vor vier Jahren im November war Enoch zu Guttenberg mit seinem Orchester der Klang-Verwaltung mit Mozart in der Landauer Festhalle, vor zwei Jahren im November mit Beethoven und Mozart. Nun dirigierte er im Festspielhaus Baden-Baden an Allerheiligen das „Deutsche Requiem“ von Brahms.

Es war nach zwei Bruckner-Konzerten mit den Sinfonien sechs und sieben sowie dem Te Deum sein dritter Auftritt im Festspielhaus. Und wieder überzeugte der Dirigent, der auch in der Landauer Festhalle stets ein dankbares und begeistertes Publikum fand, durch die unbedingte Intensität seines Musizierens. Interessant war ja auch der unmittelbare Vergleich zur Aufführung des „Deutschen Requiem“ vor wenigen Wochen bei Palatina-Klassik unter Leo Kraemer in der Landauer Marienkirche. Und das vor dem Hintergrund, dass beide Musiker von der historisch informierten Aufführungspraxis geprägt sind und den geistigen und geistlichen Hintergrund der Musik immer mit im Blick haben. Was Enoch zu Guttenbergs Brahms-Deutung in dieser Hinsicht besonders auszeichnete, war ihre klangliche Durchsichtigkeit und ausgefeilte Artikulation. Der Dirigent schlug konsequent flüssige Zeitmaße an, schon im gerne verschleppten ersten Teil. Der Klang der Chorgemeinschaft Neubeuern, im Prinzip ein Laienchor, der in bayerischer Tracht auftritt, war nicht zuletzt im Blick auf die Größe der Besetzung faszinierend klar und beweglich. Das fast vibratofreie Spiel des einmal mehr exzellenten Orchesters der Klang-Verwaltung sorgte für einen überaus farbenreichen und durchsichtigen Brahms-Ton. Enoch zu Guttenberg konnte so seine Ausdrucksabsichten völlig frei von klanglicher Trägheit entfalten. Brahms’ Vertonung der biblischen Texte bekam so statt weihevollem Pathos eine packende Sprachkraft und anrührende existenzielle Tiefe in mal rhythmisch aufgewühlten, mal zarten Gesten. Kontraste wurde markant herausgearbeitet, dynamische Bewegungen zwingend auf den Punkt gebracht. Als Gesangssolisten überzeugten die lyrisch weich singende Sopranistin Martina Janková und der sehr plastisch und differenziert agierende Bariton Florian Boesch. Nach Aufführungen des Werks mit dem Windsbacher Knabenchor (schon zwei Mal) und dem Kammerchor Stuttgart unter dem Pfälzer Frieder Bernius war das eine weitere eindrucksvolle Begegnung mit dem Werk in einem November-Konzert im Festspielhaus. Heute Abend um 19 Uhr wird es dort trotz Herbststimmung eher mediterran und feurig beim Konzert des peruanischen Tenors Juan Diego Flórez, der Lieder und Arien aus französischen Opern von Berlioz, Bizet, Delibes, Gounod, Offenbach und Massenet singt. Am Klavier begleitet ihn Michele D’elia. Kein Geringerer als sein Tenor-Kollege Luciano Pavarotti bescheinigte Flórez „mühelose Höhe und enorme Konzentration“. Auch Placido Domingo zeigte sich entzückt über „eine großartige Technik und eine Stimme wie Champagner“. Mit Bartóks „Musik für Saiteninstrumente“, Ligetis „Lontano“ und „Atmosphères“ sowie Georg Friedrich Haas „Limited approximations“ präsentieren François-Xavier Roth und das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg morgen ab 18 Uhr im Festspielhaus Baden-Baden ein der Moderne gewidmetes Programm. Traditionellere Töne schlägt das Orchester unter seinem Chefdirigenten auf seiner jüngsten CD-Einspielung mit Werken von Richard Strauss (Hänssler Classics CD 93320) an: „Also sprach Zarathustra“ wird die weniger bekannte frühe Sinfonische Fantasie „Aus Italien“ gegenübergestellt. Roth geht es weniger um Effekt, sondern um Partiturausleuchtung und besonders die von der guten Aufnahmetechnik unterstützten kontrapunktischen Schichtungen beim „Zarathustra“. „Aus Italien“ hätte trotz der hervorragenden Orchesterleistung einen energischeren Zugriff vertragen können. (rg/gt)

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