Eisenberg „Bewusstsein muss sich ändern“
Die Entwicklung gibt Anlass zur Besorgnis: Landesweit ist die Zahl der Einbrüche um gut 17 Prozent gestiegen. Zwar schnellt die Fallzahlen-Fieberkurve im Bereich des Polizeipräsidiums Westpfalz nicht so rasant in die Höhe wie im Landes-Schnitt, allerdings ist im Donnersbergkreis ein merklicher Anstieg zu verzeichnen. Die Polizei hat reagiert und ein Maßnahmen-Paket geschnürt. Mit die wichtigste Rolle spielen beim Einbruchschutz die Bürger – die potenziellen Opfer – selbst.
Vor allem gelte eins: Einbrecher müssten nicht auch noch eingeladen werden. Franz-Josef Brandt, Leiter Polizeieinsatz beim Polizeipräsidium Westpfalz in Kaiserslautern, gibt eine Geschichte immer mal wieder zum Besten: Als sich die Fälle örtlich häuften, die Polizei ihre Präsenz vor Ort verstärkt hatte, schauten sich die Beamten auch mal Objekte der Begierde lichtscheuer Zeitgenossen näher an: Wohnungen, Häuser, Autos. „Und was mussten wir feststellen? Autos nicht verschlossen, Fenster gekippt, Haustüren, die offen standen, während die Bewohner irgendwo hinterm Haus oder beim Nachbarn waren“, schildert Brandt. „Das Bewusstsein muss sich ändern“, fordert er. Einbrüche häufen sich. Wenn sich nun die Fallzahlen im Wirkungsbereich des Kaiserslauterer Präsidiums gegen den Trend eines landesweit steilen Anstiegs bewegen, so ist die Nordpfalz wieder eine Ausnahme: Die Fälle haben in den vergangenen beiden Jahren beträchtlich zugenommen. 147 Einbrüche wurden 2014 bekannt (2013: 144). 2012 waren es 90, 2010 sogar nur 64. Der Inspektion in Kirchheimbolanden sind im vergangenen Jahr 88 Einbrüche bekanntgeworden – etwas mehr als doppelt so viele wie 2010 (43). Im Inspektions-Bezirk Rockenhausen hat sich die Zahl seit 2010 sogar fast verdreifacht, ist von 21 auf 59 hochgeschnellt. In Herbst und Winter können Täter den Schutz der Finsternis länger nutzen. Nicht zuletzt deshalb warnt die Polizei zur „dunklen Jahreszeit“ umso eindringlicher: Gegen die „Wohnungseinbruchs-Kriminalität“ gebe es wirkungsvolle Vorbeuge-Maßnahmen. Dass allerdings auch die Polizei gegen die Täter viele Pfeile im Köcher habe, verdeutlichten Führungskräfte des Präsidiums bei einer Pressekonferenz in Kaiserslautern. „Vieles, was wir tun, sieht der Bürger ja gar nicht“, stellte Reinhold Zimmer, Leiter des Sachbereichs Kriminalitätsbekämpfung, klar. „Aber wir haben ein Maßnahmen-Paket geschnürt, das seine Wirkung nicht verfehlt“, versicherte Polizeipräsident Elmar May. Unter anderem beschäftigt sich seit einiger Zeit eine eigens gegründete „AG Bande“ mit Einbruchsdelikten. Damit wird einer der Erkenntnisse der Polizei Rechnung getragen: Die Täter lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen. Zum einen regional ihr Unwesen treibende, in der Gegend beheimatete Kriminelle, zum anderen überregional aktive, gut organisierte Banden, die äußerst mobil sind. Und die vor allem eins wollen: schnell Beute machen – und noch schneller wieder verschwinden. Deshalb hielten sich die Täter erfahrungsgemäß auch nicht lange an schwer überwindbaren Hürden auf, weiß Frank Gautsche, Leiter der Kriminaldirektion Kaiserslautern. Halte ein Fenster, eine Tür dem Einbruchsversuch länger stand, suchten Täter eher das Weite. Daher sei dringend zu empfehlen, das Haus, die Wohnung besser zu schützen. Nicht nur auf das eigene Anwesen solle der Blick gehen. Einige Einbrüche seien nicht zuletzt dank der Hinweise von Bürgern aufgeklärt worden. Gefeit vor einem Einbruch sei letztlich niemand, das Risiko aber lasse sich verringern. Geringer ist es übrigens in eher abgelegenen Gegenden: Die Einbrüche häufen sich an Örtlichkeiten, die nahe der Autobahn liegen. (cha)