Landau
Betty Beier prangert mit Erdschollen Umweltzerstörung an
Um auf die weltweite Katastrophe aufmerksam zu machen und ein Publikum anzusprechen, das nicht unbedingt Kunstvernissagen besucht, greift Betty Beier zu einem ungewöhnlichen Mittel: Sie nimmt seit 1997 in Ländern, die von Klimawandel und gigantischen Umweltzerstörungen besonders betroffen sind, einen Abdruck der Erdoberfläche – genau ein Quadratmeter groß. Sie nennt das „forensische Spurensicherung“.
Mit einer dieser „Bürgerschollen“, wie sie die Abdrücke nennt, zieht sie in einem maßgenauen Koffer auf dem Anhänger eines selbstgebauten Lastenfahrrads umher. Schon an den vergangenen beiden Wochenenden war Beier in der Landauer Innenstadt unterwegs. Mit dabei eine Erdscholle, die aus dem Regenwald im Amazonasgebiet stammt.
Seltsames Gefährt sorgt für Aufmerksamkeit
Auf dem Erdabdruck sind große Fruchtschalen zu sehen. „Sind das Kokosnüsse?“, ist meistens die erste Frage von Passanten, die das seltsame Gefährt in Augenschein nehmen. Nein, es handelt sich um Fruchtschalen von Paranüssen, die von Einheimischen in Brasilien gesammelt und verkauft werden, um überleben zu können.
Die Aufmerksamkeit ist geweckt, und Betty Beier beginnt zu berichten von dem gewaltigen Zerstörungswerk, das sich weit entfernt von Europa abspielt und doch so viel mit unserer Industrie und unserem Konsumverhalten zu tun hat. Am Amazonas wurde der gigantische Belo-Monte-Staudamm gebaut – mit unermesslichen Folgen: Abholzung und Brandrodung des Regenwalds mit weltweiten Auswirkungen auf das Klima, zunehmende Trockenheit und Versteppung, Verlust der Wohnungen und der Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung. Wer sich wehrt gegen ein Projekt wie dieses, gerate in Lebensgefahr, sagt Beier.
Auch Erdabdrücke in Wörth genommen
Freundlich, interessiert und sehr aufgeschlossen seien die Leute gewesen, als sie durch die belebte Landauer Innenstadt gezogen ist. Manche Passanten hätten von ihren eigenen Bemühungen erzählt, im Einklang mit der Umwelt zu leben. Beiers „Zukunftskunst“ bezieht sich übrigens nicht nur auf ferne Länder. Auch in Deutschland war die Erdschollensammlerin schon einige Male aktiv. Zum Beispiel auf dem Daimler-Versuchsgelände bei Wörth, wo eine landwirtschaftliche Nutzfläche von rund 555.000 Quadratmetern vernichtet worden sei.
Ihr aktuelles Projekt lenkt den Blick auf ein fränkisches Landschaftsschutzgebiet von „unglaublicher Biodiversität“. Dort sei durch Biopiraterie eine Fülle von wertvollen Küchenschellen gestohlen worden. Beier: „Die Küchenschelle hat für unsere Ökoregion den gleichen Symbolcharakter wie der Eisbär für die Arktis.“
Termin
Betty Beier ist am 13. November etwa von 10 bis 14 Uhr noch einmal in der Landauer Innenstadt unterwegs. Ihre Arbeiten sind bis 21. November in der Ausstellung „Weltenbrand“ in der Villa Streccius zu sehen: Di-Mi 17-20 Uhr, Do-So 14-17 Uhr.