Rheinpfalz Beim Weißwurstessen geht‘s um Petersen

Bremen. Bremens neuer Geschäftsführer Thomas Eichin ist am Rande des heutigen Bundesliga-Auswärtsspiel von Werder beim FC Bayern München in heikler Mission unterwegs. Es geht für ihn darum, über die Bayern-Leihgabe Nils Petersen zu verhandeln. Der Stürmer scheint wechselwillig.
Eichin, der Mann, der Klaus Allofs als Manager nachfolgte, gestand vor dem heutigen Spiel, dass er noch nie in seinem Leben Weißwürste gegessen habe. Die spielen insofern eine Rolle, weil sie beim traditionellen Treffen der Chefetagen vor dem Nord-Süd-Gipfel serviert werden. ”Ich weiß auch gar nichts von diesem Essen”, legte der Bremer Sportdirektor ein weiteres Geständnis ab, ”aber es wird sicherlich die Gelegenheit geben, mit den Bayern am Rande der Partie zu reden.”
Worüber er mit Hoeneß & Co. reden will, liegt auf der Hand: Über Werders besten Stürmer Nils Petersen, der nur bis zum Saisonende vom FC Bayern ausgeliehen ist und dort einen Vertrag bis 2015 besitzt. Petersen weiß zwar wie eine Weißwurst schmeckt, aber er weiß noch nicht, wo er in der Saison 2013/14 Fußball spielen wird.
Der 24-Jährige hat signalisiert, dass er gerne in Bremen bleiben wolle. ”Etwas anderes als Werder kann ich mir kaum vorstellen, dazu fühle ich mich hier viel zu wohl”, sagte er in dieser Woche. Für Werder spielt und trifft er regelmäßig, bisher elfmal in der Bundesliga. In München wäre er nur Stürmer Nummer vier. Sollten die Bayern Robert Lewandowski holen, gar nur die Nummer fünf. Und auf Einsatzzeiten in der Regionalliga Bayern für die Reserve des Rekordmeisters ist Petersen nicht gerade erpicht.
Ohne seine Leistungen schmälern zu wollen; es ist in der Tat kaum vorstellbar, dass die Bayern Nils Petersen zurückhaben wollen. An der Säbener Straße wird in anderen Dimensionen gedacht. Zudem tritt im Sommer ein neuer Trainer seinen Job in München an, der aus der besten deutschen Mannschaft möglichst die beste der Welt machen soll. Und es ist nicht unbedingt anzunehmen, dass Petersen in den Planungen von Pep Guardiola eine gewichtige Rolle spielt. ”Ich glaube, der kennt mich gar nicht”, sagte der Spieler unlängst.
Im Sommer 2011 war der gebürtige Wernigeroder als bester Torschütze der Zweiten Liga aus Cottbus an die Isar gewechselt. Jupp Heynckes, der sich für den Transfer stark gemacht hatte, ließ ihn zu Saisonbeginn des Öfteren spielen, doch schließlich wurde Petersen genau das, was ihm sein ehemaliger Trainer in Cottbus, Claus-Dieter Wollitz, prophezeit hatte: ein Bankdrücker.
Dass die Bremer sich die Dienste ihres treffsichersten Angreifers gerne langfristig sichern würden, ist kein Geheimnis. ”Nils ist ein richtig guter Typ”, sagte Eichin gestern. Er sagte aber auch: ”Das Heft des Handelns liegt nicht bei uns. Und ich kenne die genauen Gedankengänge der Bayern nicht.”
Immerhin hat deren Präsident Uli Hoeneß unlängst erklärt, dass sie sich ”zu gegebener Zeit” mit Werder zusammensetzen würden. Derweil will sich Eichin ”in den nächsten Tagen oder Wochen” mit dem Stürmer und dessen Berater treffen. Denn neben der Ablösesumme wäre zu klären, welche Gehaltsvorstellungen der Spieler hat. Wobei es Petersen kaum zuzutrauen ist, sich mit unrealistischen Forderungen selbst aus dem Spiel zu nehmen. Der Mann gilt als grundsolide und bescheiden.