Rheinpfalz „Beim Schützebuckel links rein“

„Versuchen Sie mal, bei ,Google Maps’ was zu ändern!“ Matthias Nowack ist nicht nur Sprecher der Stadt Speyer, sondern auch für deren Auftritt im Internet zuständig – und dabei in Bezug auf den Suchmaschinen-Weltkonzern ziemlich desillusioniert. Anlass sei die Zufahrt zum Hotel „Speyerer Hof“ gewesen, das seine Postadresse in der Maximilianstraße hatte, aber über die Kleine Pfaffengasse anzufahren war. Dass es kürzlich geschlossen worden ist, lastet freilich niemand Google an. Er habe die Google-Vertretung in Deutschland angeschrieben, so Nowack, und gebeten, die komplizierte Zufahrtsituation in ihren interaktiven Karten zu berücksichtigen. Erst habe es lange keine Reaktion gegeben, dann hätten die Kontaktpersonen mit dem Wunsch nichts anzufangen gewusst. „Die Sache ist dann im Sande verlaufen.“ Durch fremde Städte mithilfe von Navigationsgeräten zu steuern, kann seine Tücken haben – warum soll es den Speyer-Besuchern da anders gehen als Speyerern in der weiten Welt? Ein „Klassiker“ laut Nowack: Auf dem verkehrsberuhigten Domplatz rollen Laster, die dort definitiv nicht hinwollten. Bei einem Taxiunternehmen erinnert man sich an die Situation in der Allerheiligenstraße: Navigationsgeräte hätten dort hartnäckig eine Zufahrt von der Ludwigstraße aus signalisiert, die aufgrund der umgekehrten Einbahnstraßen-Situation nicht gewünscht ist. Auch nicht einfach ist’s mitunter im südlichen Gewerbegebiet „Parkstadt am Rhein“: Bei der Firma Vital-Fleisch weiß man noch genau, wie die Lönneberga-Straße, in der produziert und verwaltet wird, über die elektronischen Karten partout nicht zu finden war. „Man musste ,Stockholmer Straße’ eingeben“, berichtet ein Mitarbeiter. Die von dieser abzweigende Lönneberga-Straße war erst später eingerichtet worden. Die Aktualität ist freilich ein Problem, das beim Umgang mit gedruckten Karten fast noch mehr drückt. „Wir nutzen ein System, das am Computer regelmäßig kostenlos aktualisiert werden kann“, berichtet Timo Wiesinger, Chef der Speyerer Spedition Wiesinger, von der Vorbereitung auf deren Auswärtseinsätze. Es werde nichts dem Zufall überlassen, denn Probleme mit neu gebauten Kreiseln, die noch kein System kenne, seien an der Tagesordnung. „Navis“ lenkten teilweise auch Lastwagen in (zu) schmale Weinstraßen-Gassen. Die Wiesinger-Chauffeure bereiteten sich auch mit „Google Maps“ auf ihre Fahrten vor und hätten für Zweifelsfälle zudem den „Rhein-Neckar-Atlas“ des ADAC jederzeit griffbereit. Den gedruckten. In Speyer sei für die Firma beides überflüssig: „Da sagen wir einfach ,Beim Schützebuckel links rein’.“ Matthias Nowack von der Stadtverwaltung erwartet übrigens, dass sich – auch ganz ohne Eingreifen von Google Maps – die Probleme in Zukunft verringern werden: Da „Navis“ immer öfter über mobile Endgeräte genutzt und über das Internet aktualisiert würden, seien die Daten seltener veraltet als bei den noch vor Jahren dominierenden Geräten. Das Problem sei ohnehin ein ganz anderes, heißt es bei Taxi-Halling mit einem Augenzwinkern: „In Speyer lohnt sich kein Navi, da gibt’s jeden Tag eine andere Baustelle.“