Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Ausstellung der Kunststudierenden an der Uni

Fotoarbeit mit Lochkamera von Katharina Cartens
Fotoarbeit mit Lochkamera von Katharina Cartens

„Raum und Zeit“ verhandelt die neue Ausstellung der Studierenden der Bildenden Kunst an der Landauer Uni.

Die Schau wurde am Samstag in kuscheliger Enge im Haus zum Maulbeerbaum in Landau eröffnet.. Gezeigt werden Fotografien, die sich auf die Anfänge der Lichtbilder und ihre technische Entwicklung bis ins digitale Zeitalter beziehen. Ein „Lost Place“ ist das historische Haus zum Maulbeerbaum dank des großen ehrenamtlichen Engagements vieler Bürger, das in einer Genossenschaft aufging, zum Glück nicht geworden. Stattdessen ist es heute – obwohl noch immer im Renovierungszustand – eine fantastische Location für Kunst und Kultur, die mitunter Lost Places zeigt. So wie die Ausstellung „Raum und Zeit“ der Kunststudenten, die junges Leben in die 400 alten Gemäuer bringt und die urigen Holzbalken mit den Stoffbannern der Fotoarbeiten zu einer Art Installation verwebt, die das Motto „Raum und Zeit“ auf einen doppelten Nenner hebt.

Blick in die Vernissage
Blick in die Vernissage

Denn genauso alt wie das Haus, so erläuterte Kunstdozent Rainer Kaufmann in seine kurzen Einführung, seien die „Beschäftigung mit optischen Phänomenen „und der erste Bau einer Camera Obscura. Das ist ein dunkler Raum mit einem Loch, durch den ein Lichtstrahl fällt und auf der gegenüberliegenden Wand das auf dem Kopf stehende Bild der Außenwelt erzeugt. Die Camera Obscura gilt als Vorläufer der Fotografie und hat Ähnlichkeit mit einer Lochkamera, kann das erzeugte Bild aber noch nicht festhalten. Bei der Landauer Kunstnacht am 29. Mai wollen die Studierenden das Phänomen mit einen selbstgebauten Modell vorführen. Einige Exponate der Ausstellung sind mit der Lochkamera entstanden.

Fotoarbeit mit Cyanotypie von Maren Herbst.
Fotoarbeit mit Cyanotypie von Maren Herbst.

Katharina Carstens hat dafür zwei Kartons ineinandergesteckt, und die Seite gegenüber des Lichteinfalls mit rotem Papier als „Mattscheibe“ präpariert. Für den Special Effect einer versetzten, zweifachen Wahrnehmung hat sie das Loch mit zwei Linsen ausgestattet, das analog entstandene Bild digital festgehalten und um 180 Grad gedreht. Die beiden Motive – die Treppe, die vom Parkplatz zum Campus führt und ein eingerüstetes Haus gegenüber den Kunstateliers – hat sie aus ihrem direkten Umfeld gewählt, das nun seltsam verfremdet und aus der Zeit gefallen scheint.

Fotarbeit von Katrin Schneider (Detail).
Fotarbeit von Katrin Schneider (Detail).

„Gerade für junge Leute wird die Sehnsucht zum langsamen Bild und der bewussten Aufnahme wieder groß“, gab Kunstprofessorin Tina Stolt bei der Begrüßungsrede ihre Erfahrung wieder. Jeder habe heute ein Handy, alles könne live mit Schnappschüssen festgehalten werden, und doch fehle dem Bild oft der Tiefgang, die Wahrhaftigkeit. Schließlich werde jedes Foto schon ganz automatisch technisch optimiert und es sei gar nicht einfach, ein unscharfes oder auf andere Weise gebrochenes Foto zu machen. Genau dies aber war die Vorgabe für die Fotoarbeiten dieser Ausstellung, weshalb jedes Exponat der 22 Teilnehmenden einen langen Entwicklungsprozess durchlaufen hat und oft das Ergebnis vieler experimentelle Vorstufen ist.

Künstlerische Verfremdungen wurden durch Mehrfach-, Über- und Unterbelichtungen provoziert, für besondere Bewegungsabläufe mit verschiedenen Belichtungszeiten jongliert, Fantasieszenen und emotionale Momente durch raffinierte Farbspiele arrangiert, dabei analoge und digitale Verfahren kombiniert und manchmal auch seriell besonders kunstvoll austariert. So wie die Bildfolge der Christbaumkerzen, die Maren Herbst im Cyanotypieverfahren veredelt hat. Dafür hat sie das Motiv auf einem mit lichtempfindlicher Lösung präpariertem Papier der UV-Strahlung ausgesetzt, die so entstehende typische Blaupause aber durch verschiedenen „Zutaten“ im Lösungsbad farblich verändert.

Als Winzertochter hat sie beispielsweise Weintannine zugesetzt, noch dunkler wurde das Ergebnis mit Walderdbeeren, gebleicht wurde hingegen mit Zitronensäure und Natron. Auf diese Weise kann man seine Fotos fast wie in einer Hexenküche zusammenrühren und eine fast 200 Jahre alte Methode in die Gegenwart führen.

Die Ausstellung

„Raum und Zeit“ Fotografien der Studierenden der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität (RPTU) bis 6. Juni im Landauer Haus zum Maulbeerbaum: Sa 11-14 Uhr und bei der Kunst-Nacht-Landau, 29. Mai, ab 17 Uhr mit der Installation einer Camera Obscura.

Fotoarbeit von Luise Keller im Detail.
Fotoarbeit von Luise Keller im Detail.
Detail einer Fotoarbeit von Nikoletta Kallipoliti.
Detail einer Fotoarbeit von Nikoletta Kallipoliti.
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