Kultur Südpfalz Anspruchsvolles Glaubensbekenntnis

Zu einem außerordentlich anspruchsvollen Benefizkonzert hatten der Lions Club Germersheim und der Rotary Club Germersheim-Südliche Weinstraße eingeladen. In die Kirche St. Jakobus, die eine hervorragende Akustik aufweisen kann, war Leo Kraemer mit dem Palatina-Klassik-Vokalensemble und dem Palatina-Klassik-Brassensemble gekommen.

Dem Konzertraum angepasst, bot das über 90 Minuten lange Programm geistliche Musik aus mehreren Jahrhunderten. Damit wurde das Publikum, das sich am ersten Adventssonntag eingefunden hatte, durch die schwere, bisweilen dramatische Musik gefordert, ein leichtes Entspannen war nur dann möglich, wenn das Publikum zum Mitsingen bei zwei Weihnachtsliedern eingeladen wurde. Aber auch diese Stücke wurden nicht leichtfüßig präsentiert, sondern der Gesamtdramaturgie des Konzertes angepasst. Deutlich langsamer, bei jedem Ton schwelgend gedehnt, ließen Sänger und Bläser den Adventsaufruf „Wachet auf“ von Bach erklingen. Die 32 Sänger des beeindruckenden Chores brachten solch ein Stimmvolumen in das Kirchenschiff, dass es manchem Zuhörer vorkam, als würden ganze Heerscharen zum Gotteslob ansetzen. Wie helles Jubeln, wie an- und abschwellender Lobgesang intonierten die Musiker „Im Advent“ und „Weihnachten“ aus Felix Mendelssohn Bartholdys „Sechs Sprüchen“. Ein Sinnbild für vertonten Glauben auch Kyrie, Sanctus und Agnus Dei aus der Missa choralis von Franz Liszt. Einen starken, gut gefallenden Solo-Auftritt hatte das Bläser-Quintett mit der Suite in C des Renaissance-Komponisten Tylman Susato. Nach der Pause hatten Chor und Musiker nicht nur den Standort vom Altarraum zur Empore gewechselt, auch die Beleuchtung des Kircheninnern war nicht mehr rötlich, sondern blau. Dazu passte die mystische, fast sphärische Improvisation von Kraemer an der Orgel. Vom Boden abgehoben, beinahe verklärt, erweckte er die kleinsten, hellsten Pfeifen der Orgel zum Leben, führte seine musikalische Imagination zu Dissonanzen und irritierenden Klanggebilden. Quasi als Ventil, um Spannung abfließen zu lassen, durfte dann alle bei „Macht hoch die Tür“ einstimmen. Vier Chöre von Mendelssohn und der Chor aus Psalm 42 von Rudolf Tobias beschlossen das Konzert mit gesungener gläubiger Leidenschaft. Vielleicht hätte zum Ausklang des ersten Advents ein bekannteres, leichteres Weihnachtslied das Publikum entspannter in den Abend entlassen. (bic)

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