Kultur Südpfalz Alte Musik in neuen Farben

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Ein kurzweiliges Konzert voller Überraschungen gab das Duo Aliada zu Beginn der neuen Konzertsaison in der Villa Wieser. Und was die beiden jungen Künstler Michal Knot und Bogdan Lagetic auf ihrer Suche nach neuen Klangfarben in Werken von Händel, Vivaldi, Grieg, Bartók bis Piazzolla mit ihren Instrumenten Saxofon und Akkordeon entdeckten, das überraschte natürlich auch die große Schar interessierter und aufgeschlossener Zuhörer.

So machen Konzerte Spaß: indem sie klassische Werke in neuer Gestalt den Hörern leichter zugänglich machen. Die bekannte Flötensonate op. 1 in g-Moll wurde von Georg Friedrich Händel für Flöte und Cembalo geschrieben und erfreut bis heute in ihrer originalen Besetzung. So stellt man sich Barockmusik vor, besonders authentisch klingt sie auf historischen Instrumenten. Da gibt es aber auch den aktuellen Trend – man denke auch an das moderne Ensemble Sparks aus Karlsruhe – den historischen Stücken einen neuen Anstrich zu verpassen. Das Duo Aliada arrangierte sämtliche Stücke für die ungewöhnliche Besetzung mit Sopran-Saxofon und dem Akkordeon so, dass sie letztendlich in ihrer Originalität erhalten blieben. Mit sensiblem Ansatz imitierte Knot auf dem Saxofon den weichen Klang der Blockflöte, sein Partner Lagetic begleitete mit großer dynamischer Flexibilität, was letztlich ein lebendiges Klangbild ergab. Das Motto „New Colours of the Past“ erklärt die Intention der beiden in Wien lebenden Künstler. So erklang auch das g-Moll-Konzert „La Notte“ von Vivaldi ungemein frisch und kontrastreich. Die Art, wie Lagetic sein Akkordeon mit großer Sensibilität und Expressivität spielt, lässt diesen Klang als etwas ganz Neues erfahren, verbindet man doch im Allgemeinen damit die Volksmusik oder vielleicht eine Straßenmusik, die man oft nicht hören möchte. Es geht dem Duo auch um die Anerkennung der beiden Instrumente, die in den großen Werken der Orchesterliteratur ein Schattendasein führen. Die Perfektion der beiden Musiker zeigte sich auch in technisch anspruchsvollen Bearbeitungen wie beispielsweise im raschen Präludium aus Griegs Holberg-Suite. Sicherlich klingt das Originalstück für Klavier etwas wuchtiger, die Bearbeitung des Komponisten für Streichorchester klanglich opulenter, doch die Version des Duos Aliada hatte eine besondere Raffinesse. Auch die expressiven Teile Sarabande und Air kamen voll zur Geltung. Dass es für diese Besetzung keine stilistischen Grenzen gibt, zeigten drei Miniaturen des Polen Krzysztof Penderecki, die eine spannende Interaktion und rhythmische Präzision forderten. Der warme Ton des Altsaxofons kam in den sieben spanischen Volksliedern von Manuel de Falla voll zur Geltung. Die tänzerischen Rhythmen fanden ihren Höhepunkt in Bela Bartóks „Rumänischen Volkstänzen“. Welche Vitalität und Lebensfreude zeichnet diese Musik aus, Akkordeon und Saxofon geben das folkloristische Element authentischer wieder als das Klavier. Die Begeisterung der Zuhörer nahm von Stück zu Stück zu, selbstverständlich war der Tango in Astor Piazzollas Histoire de Tango der Höhepunkt des Abends. Eine Improvisation einer serbischen Volksweise aus Lagetics Heimat zeigte die mitreißende Spielfreude der beiden Musiker, die 2013 den Grand Prix des Fidelio-Wettbewerbs in Wien gewannen.

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