Pirmasens
Als die Welt fast stillstand: Harald Kröhers Fotorundgang während Corona (mit Bildergalerie)
Für die Zukunftsregion Westpfalz (ZRW) ging Kröher in den Tagen nach der Grenzschließung und des ersten Lockdowns auf Fotosafari in der Westpfalz. „Da konnte man denken, dass ist das Ende“, erinnert sich der Pirmasenser an die Tage. In Hornbach beispielsweise habe Bundespolizei mit Maschinenpistolen im Anschlag die Grenze dicht gemacht. Ähnliche Szenen habe es in Kröppen oder Hirschthal gegeben. Es gab keinen Grenzverkehr mehr. Einmal täglich patrouillierte die französische Gendarmerie mit Hubschraubern über die Grenze.
Kröher war zu der Zeit an den Grenzstellen und in Innenstädten mit seiner Kamera unterwegs. Wobei er sich nicht gar zu weit an die Sperrungen gewagt habe. „Die Polizisten machten nicht den Eindruck, als ob mit ihnen zu spaßen sei“, meinte er. Über Felder habe er sich mit einem extremen Teleobjektiv in Richtung Grenze aufgemacht, um die Sperrung zu dokumentieren.
Mall-Dystopie
Die Fototouren in das Zweibrücker Outlet, die Pirmasenser Fußgängerzone oder das Einkaufszentrum „K in Lautern“ sind ihm als Szenerie einer Dystopie in Erinnerung geblieben. Fast keine Menschen seien zu sehen gewesen. Wenn ihm ein Passant begegnet sei, habe er die Flucht ergriffen. „Da war eine Angst, die von der Politik hochgezüchtet wurde“, so sein Eindruck.
Wenn er sich an die Tage zurückerinnere, sehe er immer wieder die Panik in den Gesichtern der Menschen, die ihm begegneten. Im „K in Lautern“ sei er völlig allein gewesen. „Ich hatte Angst, die schließen mich ein“, erzählt er lachend. Damals sei ihm aber überhaupt nicht zum Lachen zumute gewesen: „Wenn ich abends zurückgekommen bin, war ich fast schon depressiv. Das macht einem schon zu schaffen“, schildert er seine Gemütsverfassung. Nachts habe er nur noch schlecht geschlafen.
Im krassen Kontrast zu den leeren Städten und Grenzposten stand das wunderschöne Wetter jener Wochen im März und April 2020, in denen die Fotos entstanden. Kröher wählte deshalb explizit die Schwarzweiß-Fotografie, um die Stimmung besser wiedergeben zu können. Rund 250 Aufnahmen sind in den Wochen entstanden.
„Da müsste eine Ausstellung aus der Zeit gemacht werden, um das aufzuarbeiten“, findet Kröher, wobei er explizit nicht nur seine Fotos dieser Zeit ausgestellt sehen will. Überhaupt vermisst der Pirmasenser eine Aufarbeitung der Corona-Zeit. Bei Jugendlichen habe das schwere Schäden hinterlassen durch die Isolation und Fernunterricht. „Die Defizite werden heute sichtbar“, findet Kröher.
„Seit der Zeit bin ich nicht mehr der Alte“
Er wurde im September 2020 von dem Virus erwischt. Da er eine schwere Rheumaerkrankung hat und entsprechende Medikamente nehmen muss, habe das Coronavirus sehr heftig bei ihm zuschlagen. Längere Zeit habe er im Krankenhaus verbracht. „Seit der Zeit bin ich nicht mehr der Alte“, schildert er seine persönliche Corona-Belastung, die heute noch nachwirke.