Kultur Südpfalz 1918 im Spiegel der Wörter

Das Grauen des Krieges.
Das Grauen des Krieges.

Schon bevor der Erste Weltkrieg endlich vorbei war, war in Europa die allgemeine Kriegsmüdigkeit spürbar. Nicht nur „im Felde“, sondern auch an der „Heimatfront“, wo der Mangel den Alltag beherrschte. Und doch wurden im deutschen Kaiserreich im letzten Kriegsjahr 1918 – den Schwierigkeiten auch beim Rohstoff Papier zum Trotz – noch fast 14.750 Neuerscheinungen deutscher Verlage verzeichnet, weniger als die Hälfte der Vorkriegsproduktion. Der Krieg als Lesestoff erwies sich trotz gestiegener Buchpreise weiterhin als gutes Geschäft.

Die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe hat daraus mit 100 Büchern eine „Schlaglichter“ betitelte Ausstellung konzipiert, die einen Querschnitt durch die Genres zeigen will. Kriegstagebücher und Erlebnisberichte von Front und Gefangenschaft erschienen in großer Zahl. Mangel- und Ersatzstoffwirtschaft brachten haufenweise Ratgeber zu Ernährung oder Kleidung hervor. Der Sehnsucht nach kriegsbedingt versagter Auslandserfahrung ließ sich mit einer Vielzahl sehr gefragter Reisebücher begegnen. Auch die Durchhalte-Propaganda war noch präsent und zeigte Wirkung. Nicht nur, dass noch 1918 zwei weitere milliardenschwere Kriegsanleihen gezeichnet wurden. Die Propaganda bemächtigte sich vor allem auch der Kinder- und Jugendliteratur. An der Konzeption dieser Ausstellung haben sieben Mitarbeiter der Landesbibliothek aus verschiedenen fachlichen Blickwinkeln mitgewirkt. So spannt sich ein Bogen vom Thema „Mensch und Moral“ über „Alltag und Familie“ und Durchhalteschriften bis zu Themenbereichen wie Unterhaltung, Reise, Wissenschaft, Musik und vor allem Ernährungsratgeber oder Näh- und Bekleidungstipps. Zu sehen sind neben Büchern auch Feldzeitungen, Ansichts- und Propagandakarten, Bezugsmarken für Lebensmittel und vieles mehr. Ein historisch umfassender Überblick ist mit dieser gut gegliederten Ausstellung nicht beabsichtigt, so Bibliotheksdirektorin Julia Hiller von Gaertringen. Besucher werden jedenfalls eine Bestätigung dafür finden, dass Not erfinderisch macht: So wurden etwa Obstkerne als Fettquelle entdeckt oder aus Kartoffeln und Getreide wurde Fleischersatz. Bei der Kleidung setzten sich Kunstfasern durch und die Damenhose überwand eine jahrhundertelange Tabugrenze. Info Bis 26. Mai in der Badischen Landesbibliothek, Erbprinzenstraße 15, Karlsruhe. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 18 Uhr. Eintritt frei.

Mit Ironie lässt sich die Lebensmittelreduzierung vielleicht besser ertragen.
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