Eisenberg „ Antibiotika-Einsatz überdenken“

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Rockenhausen. Um multiresistente Erreger (MER) und den Umgang damit in der Pflege geht es am heutigen Montag ab 14 Uhr bei einem Infotag im Filmsaal der Berufsbildenden Schule Rockenhausen. Jutta Glaser-Heuser sprach im Vorfeld darüber mit Prof. Dr. Axel Stachon, Chefarzt des Instituts für Labormedizin am Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern.

Professor Stachon, was genau versteht man unter multiresistenten Erregern?

„Multiresistente Erreger“ ist die Bezeichnung für verschiedene bakterielle Erreger, die unempfindlich gegen mehrere unterschiedliche Antibiotika sind. Und was sind Krankenhauskeime? Der Begriff ist irreführend, da es Keime, die ausschließlich in Krankenhäusern vorkommen, nicht gibt. Häufig werden mit diesem medizinisch nicht korrekten Begriff Keime bezeichnet, die für Krankenhauspatienten unter bestimmten Umständen gefährlich werden können. Der Begriff ist umgangssprachlich, und im Grunde ist er falsch. Das heißt, dass diese Keime nicht automatisch gefährlich sind? Diese Keime können schon zu einer Infektion führen. Multiresistente Erreger führen jedoch nicht zu anderen Infektionen als Keime, die diese Resistenz nicht aufweisen. Bei einer Infektion ist diese dann jedoch schwerer zu behandeln. Nehmen wir den bekanntesten, den MRSA, das ist eine Staphylokokkenart. Damit sind etliche Menschen besiedelt, ohne erkrankt zu sein. Die Betroffenen merken davon nichts. Sie tragen diesen Erreger auf der Haut, weil sie aber gesund sind und keine Wunden haben, schadet er ihnen nicht. Kommt ein Träger aber ins Krankenhaus, beispielsweise als Notfall, dann kann er diesen MRSA-Erreger an andere Patienten übertragen, die nach einer Operation dann daran erkranken können. Man weiß, dass mehr als die Hälfte aller infizierten MRSA-Patienten den Erreger selbst mitgebracht haben. Und was ist zu tun, wenn eine solche Infektion entdeckt wird? Eine Infektion mit einem multiresistenten Erreger bedeutet, dass der Patient zielgerichtet behandelt und isoliert werden muss. Zur Verhinderung der Ausbreitung des Keims sind Hygienemaßnahmen von zentraler Bedeutung. Was wäre das beispielsweise? Der wichtigste Baustein ist die Händehygiene. Hier kann jeder mitwirken. So stehen bei uns in jedem Eingangsbereich Spender zur Händedesinfektion, und alle Klinikbesucher sind gehalten, diese zu nutzen. Zu ihrem eigenen Schutz und auch zum Schutz der Patienten, denn sie können Träger eines Keims sein, ohne das zu wissen. Aber natürlich gibt es auch zahlreiche andere Maßnahmen. Das fängt bei der Bodenreinigung an und geht bis zu den Krankenhaushygienikern und Hygienefachkräften. So haben wir in jeder Abteilung und Klinik einen speziell ausgebildeten hygienebeauftragten Arzt. Das ist durchaus mehr, als in den Leitlinien empfohlen. Wie lässt sich das Problem langfristig in den Griff bekommen? Der Antibiotikaeinsatz muss überdacht werden, und zwar bei Mensch und Tier. Wenn die multiresistenten Erreger in der Tiermast quasi „angezüchtet“ werden, wird es für uns als Mediziner schwierig sein, das Problem in den Griff zu bekommen. Außerdem muss man darüber nachdenken, wie man in dieser Hinsicht den Übergang vom ambulanten in den stationären Bereich verbessern kann. Daran arbeiten wir aktuell gemeinsam mit anderen Partnern der Krankenversorgung in einem Pilotprojekt zum Entlassungsmanagement, das durch das Land gefördert wird.

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